Sauer­land-Muse­um – Unrea­lis­ti­sche Annah­men für Bau­kos­ten

20. Juni 2013
von Redaktion

Hoch­sauer­land­kreis. Arns­berg. Mesche­de. Bri­lon. Täg­lich rollt in der Arns­ber­ger Lokal­pres­se und aus der Füh­rungs­eta­ge des Kreis­hau­ses die Kam­pa­gne für die Erwei­te­rung des Sauer­land-Mues­ums. Hilf­reich wäre es, wenn dabei der Blick für Daten und Fak­ten erhal­ten blie­be.

Beson­de­rer Auf­merk­sam­keit bedür­fen die ver­an­schlag­ten Bau­kos­ten. Bekannt­lich war der Kreis in den letz­ten Jah­ren bereits an zwei Bau­pro­jek­ten in der Arns­ber­ger Alt­stadt betei­ligt, und in bei­den Fäl­len wur­den die geplan­ten Bau­kos­ten dras­tisch über­schrit­ten. Beim “Hotel zur Kro­ne”, in dem jetzt die Musik­schu­le unter­ge­bracht ist, schnell­ten sie von 0,7 Mio Euro auf 1,75 Mio Euro in die Höhe, stie­gen also auf das 2 1/2-fache. Vor die­sem Hin­ter­grund hat­te die SBL seit dem Pro­jekt­start im Früh­jahr 2010 wie­der­holt die Bau­kos­ten für das “Blaue Haus” in Fra­ge gestellt. Land­rat und Kreis­ver­wal­tung ver­si­cher­ten wie­der­holt, dass alles im geplan­ten Rah­men blie­be. Doch Ende 2011 und im Som­mer 2012 gaben Land­rat und Ver­wal­tung zwei dicke Erhö­hun­gen bekannt. Die End­ab­rech­nung liegt noch nicht vor, aber zu rech­nen ist mit min­des­tens 1,9 Mio Euro.

Für das Sauer­land-Muse­um sind bis­her 12,0 Mio Euro ver­an­schlagt. In der Sit­zung des Kul­tur­aus­schus­ses am 15. Mai frag­te die SBL nach den Kos­ten pro Kubik­me­ter Brut­to­raum­in­halt (BRI), einem häu­fig ver­wen­de­ten Ver­gleichs­maß­stab. Die Fra­ge konn­te in der Sit­zung nicht beant­wor­tet wer­den. Aus dem Pro­to­koll ken­nen wir nun die Ant­wort des Pla­ners: “Lt. Aus­kunft von Herrn Bez betra­gen die Kos­ten für den Alt­bau net­to 170,81 € und brut­to 203,26 € und für den Neu­bau net­to 436,68 € und brut­to 519,65 € pro Kubik­me­ter.

Dies ist unrea­lis­tisch! Hin­wei­se dar­auf erge­ben sich z.B. aus einem Bericht des Lan­des­rech­gungs­hofs Sach­sen. Im Jahr 1999 plan­te die Stadt Leip­zig den Neu­bau des Muse­ums der bil­den­den Küns­te. Dazu stellt der Lan­des­rech­nungs­hof in sei­nem Bericht im Jahr 2009 fest: “Die Stadt star­te­te in das Pro­jekt mit unan­ge­mes­sen nied­ri­gen Kos­ten­vor­stel­lun­gen. Der Kos­ten­wert von 463 €/m³ Brut­to­raum­in­halt unter­schrei­tet die Ver­gleichs­wer­te ande­rer Muse­en erheb­lich.” Die Stadt Leip­zig hat­te für ihren Muse­ums­neu­bau also mit einem Wert in glei­cher Grö­ßen­ord­nung wie der HSK geplant. Bereits vor 14 Jah­ren war die­ser Wert aber viel zu nied­rig. Seit­dem sind die Bau­kos­ten um etwa ein Drit­tel gestie­gen, und in Arns­berg kom­men ca. 800.000 Euro an außer­ge­wöhn­li­chen Kos­ten für die tief in den Hang zu gra­ben­de Bau­gru­be hin­zu… In Leip­zig waren am Ende 27% Mehr­kos­ten zu ver­zeich­nen.

Wel­che finan­zi­el­len Risi­ken dro­hen dem HSK? Falls die Bau­kos­ten­stei­ge­rung so aus­fal­len wür­de wie beim Blau­en Haus, wür­de der Eigen­an­teil des Krei­ses von 7 auf ca. 14 Mio Euro stei­gen. Das wür­de bedeu­ten, dass – über die Kreis­um­la­ge – z.B. die Stadt Arns­berg ca. 4 Mio Euro und die Stadt Bri­lon ca. 1,5 Mio Euro für die Muse­ums­er­wei­te­rung auf­zu­brin­gen hät­te!

Quel­le: Sauer­län­der Bür­ger­lis­te (SBL)