Mit einem Freund an der Sei­te, ist kein Weg zu lang…

21. Mai 2013
von Redaktion

Mari­ta Ger­win

Zwischenablage18Arns­berg. Zu Fuß sind sie zwei Kilo­me­ter gewan­dert. Froh gelaunt, mit Löwen­zahn­blü­ten und Schlüs­sel­blu­men in den Hän­den, die sie am Weges­rand gepflückt haben, hüp­fen sie rein ins Kom­mA.

Ein Dut­zend Kin­der­gar­ten-Kin­der aus dem Her­drin­ger „Krä­hen­nest“ besu­chen Ihre hoch­be­tag­ten Freun­de im Kom­mu­ni­ka­ti­ons­zen­trum des Cari­tas-Alten­heims Klos­te­r­ei­chen in Hüs­ten.

„Schau mal, die­se Blu­men sind für Dich“.

Enni, schenkt  der 86 jäh­ri­gen Dame ihren Blu­men­strauß. „Dan­ke­schön, das freut mich aber“, ant­wor­tet die­se  und strei­chelt Enna lie­be­voll über ihr schul­ter­lan­ges Haar. Bei­de lächeln. Auch Kili­an. Marc, Lise­lot­te, Aimy über­rei­chen ihre Feld-Wald-und Wie­se­blu­men den Bewoh­ner des Alten­heims. 80, 85, 90, 95 Jah­re tren­nen sie von­ein­an­der. Was solls? Nie­mand fragt hier nach dem Alter. Das ein­zi­ge was zählt, ist die Freu­de am gemein­sa­men Tun.

“Heu­te wird’s ein schö­ner Tag“ flüs­tert ein grau­me­lier­ter Herr sei­ner Nach­ba­rin im Stuhl­kreis zu. „Mit einem Freund an der Sei­te, ist kein Weg zu lang“, ant­wor­tet die­se bedeu­tungs­voll. Er nickt.

Die mun­te­re Kin­der­schar wir­belt durch den Raum. Die 6‑Jährigen lau­fen wie klei­ne Wir­bel­win­de hier hin und da hin. Sie begrü­ßen Jeden. „Hal­lo, da sind wir!“ In den Gesich­tern der Senio­ren steht geschrie­ben „Schön, dass ihr da seid. Herz­lich will­kom­men.“ Ganz unbe­fan­gen setzt sich ein klei­ner Strah­le­mann neben eine älte­re Dame. Er tät­schelt ihre fal­ti­gen Hän­de. Sie genießt die­se warm­her­zi­ge Berüh­rung offen­sicht­lich sehr.

„Schau­en sie mal, was wir Ihnen heu­te aus dem Kin­der­gar­ten mit­ge­bracht haben: ganz vie­le Blü­ten aus Ton­pa­pier, bun­te Trans­pa­rent­pa­pier-Schnip­sel, Pin­sel, Kleis­ter und jede Men­ge gute Lau­ne. Wir möch­ten gern mit Ihnen und den Kin­dern Fens­ter­bil­der bas­teln. Haben Sie Lust dazu?“, fragt die Erzie­he­rin Frau Düll­berg in die Run­de. „Oh, ja, das ist super!“ ant­wor­ten die Kin­der begeis­tert noch ehe die Senio­ren über­haupt reagie­ren kön­nen. Sie „schar­ren“ schon mit ihren flin­ken Füßen, klet­tern von den Stüh­len her­un­ter. Auf gehts!

Schwupp­di­wupp schie­ben und rücken sie die Roll­stüh­le und Rol­la­to­ren näher an die Tische her­an und los gehts.Von Berüh­rungs­ängs­ten kei­ne Spur.  An jedem Tisch tum­meln sich bas­tel­wü­ti­ge gro­ße und klei­ne Leu­te. Sie haben viel Spaß mit­ein­an­der. Sie lachen, erzäh­len und hel­fen sich gegen­sei­tig. Es ent­wi­ckeln sich net­te Dia­lo­ge zwi­schen die­sen unglei­chen Genera­tio­nen, die inzwi­schen gute Freun­de gewor­den sind.

Kili­an fragt sei­ne Nach­ba­rin Frau S. im lila Pull­over „Wohnst Du hier im Kom­mA? Hast Du ein eige­nes Kin­der­zim­mer mit Fern­se­hen und Com­pu­ter und so? Zeigst Du mir das mal? Da war ich noch nie! Ich habe eine Idee: Wir hän­gen die­se schö­ne Blü­te in Dei­nem Zim­mer auf. Was meinst Du, wie toll das aus­sieht, wenn Du mor­gens wach wirst und die Son­ne durch das kun­ter­bun­te Fens­ter­bild in Dein Bett blin­zelt.“ Sei­ne Wan­gen glü­hen vor Begeis­te­rung.

„Oh, ja, willst Du mir die schö­ne Blu­me wirk­lich schen­ken? Dar­über freu ich mich sehr. Die sieht bestimmt toll aus an mei­nem Fens­ter“, ant­wor­tet sie.

„Guck mal, die Far­be passt genau zu Dei­nem lila Pull­over“, stellt Lie­se­lot­te fest. „Los komm, ich möch­te gern wis­sen, wo Du wohnst. Dann kann Dich doch auch zwi­schen­durch öfter mal besu­chen, wenn ich mit Papa und Mama spa­zie­ren gehe“, ruft Kili­an in die Run­de. Enni, Lars und Kili­an neh­men die Dame an die Hand und zie­hen mit ihr von dan­nen. Die gebas­tel­ten Blü­ten und eine Rol­le Tesa­film in der Hand.

 

Am Ende eines lan­gen Flu­res bleibt Frau S. ste­hen. „Hier ist mein Zuhau­se“, sagt sie zu den Kin­dern. Enni öff­net behut­sam die Tür. Ihr Blick fällt sofort auf den Ted­dy, der es sich im Bett gemüt­lich macht. „Oh, wie schön. Du hast ja auch einen Ted­dy. Ich neh­me mei­nen Ted­dy jeden Abend mit ins Bett und erzäh­le ihm alles“.

Die zwei Jungs stür­men gleich auf den gemüt­li­chen Ses­sel zu und drü­cken spon­tan auf den dahin­ter leuch­ten­den roten Knopf. „Kuck mal, der blinkt!“, freu­en sie sich. „Oh, jemi­ne, jetzt habt ihr den „Not-Knopf“ gedrückt“. ruft Frau S. besorgt. Die drei Knirp­se kichern ver­gnügt. “Was pas­siert denn jetzt? Kommt die Feu­er­wehr?“ wol­len sie wis­sen. Kur­ze Zeit spä­ter schon klopft es an der Tür. Jetzt wirds span­nend! Sie sagen es nicht, aber ihren Gesich­tern ist anzu­se­hen, dass sie den Feu­er­weh­mann mit dem Was­ser­sprit­ze erwar­ten. Eine freund­li­che jun­ge Alten­pfle­ge­rin betritt das Zim­mer und fragt „Kann ich Ihnen hel­fen? Ist etwas pas­siert Frau  S.?“

Die Kids gluck­sen vor Ver­gnü­gen. Erstaunt fragt einer der Jungs „Hat hier jeder sei­ne eige­ne Schwes­ter?  Mei­ne Mama kommt nicht so schnell, wenn ich sie rufe. Ich will auch so einen „Not-Knopf“ in mei­nem Zim­mer haben! Dann kommt Mama ganz fix und bringt mir was zu schnu­ckeln, wenn ich Hun­ger auf was Lecke­res  habe“. Alle amü­sie­ren sich köst­lich. Eine Situa­ti­ons­ko­mik par excel­lence!

Mit ver­ein­ten Kräf­ten kle­ben die drei Knirp­se anschlie­ßend ver­gnügt die Blü­ten an die Fens­ter­schei­ben. Ein Son­nen­strahl fällt direkt auf das Bett. „Siehst, Du Frau S. das sieht doch toll aus. Jetzt denkst Du immer an uns, wenn Du mor­gens die Augen auf­schlägst.”  Frau S. strahlt. Ein wun­der­ba­rer Augen­blick. Ein­fach unver­gess­lich!

Es klingt so selbst­ver­ständ­lich. Ist es aber nicht.

Die drei Knirp­se schlen­dern mit Frau S. an der Hand zurück ins Kom­mA. Dort war­ten die ande­ren Kin­der und Senio­ren schon. Spon­tan stim­men sie ein in den Abschieds­song „Alle Leut, alle Leut gehn jetzt nach Haus…” Ein Ritu­al, dass ihnen ver­traut ist. Sie schüt­teln vie­le Hän­de, win­ken und machen sich auf den Heim­weg. Die­ses Mal nicht zu Fuß. Die Eltern der Kin­der ste­hen mit ihren Autos am Kom­mA bereit. Hüp­fend und sin­gend stei­gen die Kin­der ein. Es gibt viel zu erzäh­len, denn wem das Herz voll ist, dem geht der Mund über…

Ein Kame­ra­team des MDR-Fern­se­hen, Mit­tel­deut­scher Rund­funk aus dem MDR-Sen­de­haus in Erfurt hat die Kin­der bei ihrem Besuch im Cari­tas-Alten­heim Klos­te­r­ei­chen beglei­tet. Die Repor­ta­ge von Ria Weber wird in der Rubrik: Exakt – Die Sto­ry  im  MDR FERN­SE­HEN  am 07.08.2013  um 20:45 Uhr  aus­ge­strahlt.