Leser­brief zum Sauer­land­mu­se­um: Unkal­ku­lier­ba­re Risi­ken

4. Juni 2013
von Redaktion

Hoch­sauer­land­kreis. Arns­berg. In der West­fa­len­post erschien am 17. Mai ein Bei­trag eines Redak­teurs aus Arns­berg, in dem das Pro­jekt zur Erwei­te­rung des Sauer­land­mu­se­ums hoch­ge­lobt wur­de. Dazu hat SBL-Kreis­tags­mit­glied der Redak­ti­on am 21. Mai den fol­gen­den Leser­brief an die Redak­ti­on der WP geschickt: Leser­brief zu “Müs­sen end­lich ler­nen, regio­nal zu den­ken” (WP vom 18.05.2013) Am letz­ten Don­ners­tag hat sich der Kreis­kul­tur­aus­schuss aus­führ­lich mit der geplan­ten Erwei­te­rung des Sauer­land-Muse­ums befaßt. Der Autor des dazu erschie­ne­nen WP-Bei­trags beklagt “eng­stir­ni­ge Kirch­turm­po­li­tik”. Genau die­se wird aber von einem im Arti­kel mehr­fach zitier­ten CDU-Kreis­tags­mit­glied gefor­dert: Für ihn sei es beschä­mend, wenn “Arns­ber­ger Bür­ger­ver­tre­ter” gegen die Muse­ums­er­wei­te­rung abstimm­ten. Jedoch: Arns­ber­ger müs­sen eben­so wie ehe­ma­li­ge Arns­ber­ger oder Nicht-Arns­ber­ger im Kreis­tag nicht auto­ma­tisch und ohne Nach­den­ken für die Muse­ums­er­wei­te­rung abstim­men. Das wäre wirk­lich „Kirch­turms­po­li­tik“, wenn Ent­schei­dun­gen nach dem eige­nen Wohn­ort gefällt wer­den! Ein so gro­ßes Pro­jekt muß sorg­fäl­tig abge­wo­gen wer­den, sowohl hin­sicht­lich der Inves­ti­ti­ons­kos­ten als auch hin­sicht­lich der Fol­ge­kos­ten. Das Kon­zept für die Muse­ums­er­wei­te­rung ist auch aus Sicht des Ver­fas­sers die­ser Zei­len attrak­tiv. Aber es muss immer eine soli­de Gesamt­be­trach­tung erfol­gen und die Fra­ge gestellt wer­den, was wir uns (finan­zi­ell) leis­ten kön­nen. Eini­ge Fak­ten: • Vor 3 Jah­ren hieß es, für Regio­na­le-Pro­jek­te wür­den 80% Zuschüs­se vom Land gezahlt. Vor einem Jahr waren dann immer­hin noch 60% Lan­des­zu­schuss im Gespräch. Nun sind es gera­de mal noch 32%, mit denen das Land die geplan­te 12-Mio-Euro-Inves­ti­ti­on im und am Sauer­land­mu­se­um unter­stüt­zen wür­de. • Außer­dem sol­len 1 Mio Euro vom Land­schafts­ver­band kom­men. Die wür­den aber auch gezahlt, wenn „nur“ der Bestand saniert wird. • Min­des­tens 7 Mio Euro Inves­ti­ti­ons­kos­ten wür­den beim Kreis ver­blei­ben. Sie müs­sen letzt­lich von den Gemein­den bzw. den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern auf­ge­bracht wer­den. Der Kreis hat jetzt schon Schul­den, eben­so wie die Gemein­den, und die Situa­ti­on der kom­mu­na­len Finan­zen wird nicht bes­ser wer­den. • Der Grund­stücks­preis, den der Kreis für die Erwei­te­rungs­flä­che zah­len soll und will, ist dras­tisch über­höht. 695 Euro sol­len pro Qua­drat­me­ter an den bis­he­ri­gen Eigen­tü­mer, eine Immo­bi­li­en­ge­sell­schaft, flie­ßen, ins­ge­samt 656.000 Euro. Mit Neben- und Abriß­kos­ten sum­miert sich der Auf­wand für den HSK auf 780.000 Euro bzw. 826 Euro je Qua­drat­me­ter. Der Boden­richt­wert beträgt jedoch nur 160 Euro. Davon wären nor­ma­ler­wei­se noch Abzü­ge für die Hang­la­ge und für die Abriß­kos­ten der maro­den Immo­bi­lie vor­zu­neh­men, so dass das Grund­stück maxi­mal 50.000 Euro an Wert haben dürf­te! Der­zeit zahlt der Kreis übri­gens 4.000 Euro Monats­mie­te für das leer­ste­hen­de Gebäu­de. • Die Betriebs­kos­ten­be­rech­nun­gen der Kreis­ver­wal­tung für die Zeit nach der Muse­ums­er­wei­te­rung wur­den äußerst opti­mis­tisch auf­ge­stellt. So gehen die Autoren der Berech­nun­gen von einer Ver­vier­fa­chung (!) der Ein­nah­men aus Ein­tritts­gel­dern aus, wäh­rend die Kos­ten für Gas zum Hei­zen im sel­ben Zeit­raum (von 2010 bis 2016) nur um 20% stei­gen sol­len!? • Es wer­den zusätz­li­che Per­so­nal­kos­ten anfal­len. Nach der jet­zi­gen Beschluss¬lage des Kreis­kul­tur­aus­schus­ses sind für Muse­um und Medi­en­zen­trum 6,3 Per­so­nal­stel­len vor­ge­se­hen. Nach der Muse­ums­er­wei­te­rung sol­len es 8,6 Stel­len sein. • Neben dem Lands­ber­ger Hof soll der Erwei­te­rungs­bau 5 Geschos­se tief in den Berg ein­ge­gra­ben wer­den; der Fuß­bo­den des unters­ten Geschos­ses soll 19,60 Meter unter dem Erd­ge­schoss des Lands­ber­ger Hofes lie­gen. Eine sol­che Bau­gru­be ist nicht nur mit hohen Kos­ten­ri­si­ken, son­dern auch mit sehr hohen geo­lo­gi­schen Risi­ken ver­bun­den. Manch einer, der schon län­ger in Alt-Arns­berg oder in Uen­trop wohnt, wird sich dar­an erin­nen, wie der Hang an der B7 (Uen­tro­per Stra­ße) auf das “Anbag­gern” reagiert hat, und dabei han­delt es sich um den­sel­ben Höhen­zug, zu dem auch der Schloß­berg gehört… • Der HSK war in den letz­ten Jah­ren bereits an 2 Bau­pro­jek­ten in der Arns­ber­ger Alt­stadt betei­ligt; in bei­den Fäl­len wur­den die ver­an­schlag­ten Bau­kos­ten erheb­lich über­schrit­ten. Beim Hotel zur Kro­ne stie­gen die Kos­ten um mehr als eine Mio Euro auf das Zwei­ein­halb­fa­che. Beim Blau­en Haus betru­gen die Kostenstei¬gerungen mehr als 700.000 Euro. Der Ver­fas­ser die­ses Leser­briefs hat­te wäh­rend des Umbaus des Blau­en Hau­ses mehr­fach schrift­lich und münd­lich beim Land­rat nach­ge­fragt, ob die geplan­ten Bau­kos­ten ein­ge­hal­ten wer­den könn­ten. Dies wur­de ihm wie­der­holt von Land­rat und Kreis­ver­wal­tung ver­si­chert. Doch es kam ganz anders… Da wun­dert es nicht, dass auch beim jetzt geplan­ten drit­ten Bau­pro­jekt in der Arns­ber­ger Alt­stadt Skep­sis hin­sicht­lich der Ein­hal­tung der ver­an­schlag­ten Bau­kos­ten ange­bracht ist. Fazit: Es ist sinn­voll, das Sauer­land­mu­se­um nicht nur zu erhal­ten, son­dern noch attrak­ti­ver zu gestal­ten. Vie­le Wech­sel­aus­stel­lun­gen haben in den letz­ten Jah­ren zahl­rei­che zusätz­li­che Besu­cher ange­zo­gen. Aber dafür soll­te der Bestand saniert und aus­ge­baut wer­den. Auch das kos­tet Geld, ist aber vom Auf­wand her mit ca. 2 Mio Euro für den Kreis noch ver­tret­bar. Die Umset­zung der Plä­ne für den Erwei­te­rungs­bau wür­de viel zu teu­er, und es bestehen erheb­li­che unkal­ku­lier­ba­re Risi­ken, finan­zi­ell und tech­nisch. In das Muse­um künf­tig ein­be­zo­gen wer­den soll­te auch der noch im Bau befind­li­che Anbau an das Blaue Haus. Dort kann zusätz­li­che Aus­stel­lungs­flä­che geschaf­fen wer­den. Auch die Errich­tung die­ses Anbaus war und ist wegen der hohen Kos­ten sehr frag­wür­dig. Für das Medi­en­zen­trum wird die­ser Gebäu­de­teil nicht mehr benö­tigt. Aber wenn dies Gebäu­de bald – mit mehr­jäh­ri­ger Ver­spä­tung – end­lich fer­tig gestellt ist, soll­te wenigs­tens eine sinn­vol­le Nut­zung erfol­gen. Rein­hard Loos SBL-Kreis­tags­mit­glied

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