Ein­mal von Frank­reich nach Deutsch­land und zurück

1. März 2013
von Redaktion

Fran­zö­si­sche Prak­ti­kan­tin Teil eines Übersetzungsprojektes

Arns­berg. Vie­le Deut­sche ver­bin­den das Jahr 2013 unter ande­rem mit der Neu­wahl der Bun­des­kanz­le­rin. Für die Fran­zö­sin Mar­jo­rie Even jedoch, die im Som­mer ein Prak­ti­kum im Kul­tur­bü­ro der Stadt Arns­berg absol­vier­te, wird ein wich­ti­ge­res Ereig­nis gefei­ert: der 50. Geburts­tag der Unter­zeich­nung des Ely­see-Ver­tra­ges (22. Janu­ar 1963) zwi­schen Ade­nau­er und De Gaulle.

Nach ihrem vier­mo­na­ti­gen Auf­ent­halt in Arns­berg wäh­rend des Kunst­som­mers 2012 stu­dier­te sie wei­ter Deutsch-Fran­zö­si­sche Stu­di­en in Regens­burg. Tat­säch­lich ist die deutsch-fran­zö­si­sche Freund­schaft Teil ihres All­ta­ges. „Eine Chan­ce, die im 18. und im 19. Jh zur Zeit der deutsch-fran­zö­si­schen Span­nun­gen nicht selbst­ver­ständ­lich war. Des­sen wur­de ich mir bewusst, als ich im Rah­men mei­nes Haupt­se­mi­nars den Roman Le Che­min de Fran­ce (1887) des berühm­ten fran­zö­si­schen Schrift­stel­lers Jules Ver­ne (Neun­zig Tage um die Welt, 20000 Mei­len unter dem Meer…) las“, erklärt Mar­jo­rie Even.

Unter der Lei­tung ihres Dozen­ten Prof. Dr. Jun­ker­jür­gen über­setz­te sie das Buch, das auf­grund sei­ner deutsch­feind­li­chen Posi­ti­on jahr­zehn­te­lang kei­ne Über­set­zung fand, gemein­sam mit ihren deut­schen und fran­zö­si­schen Kom­mi­li­to­nen in die deut­sche Spra­che. Die Hand­lung: Im Jah­re 1792 vom Aus­bruch des ers­ten Koali­ti­ons­krie­ges gegen Frank­reich über­rascht, müs­sen die fran­zö­si­schen Haupt­fi­gu­ren auf einer span­nen­den Flucht quer durch die deut­schen Län­der in die Hei­mat zu-rück­keh­ren. Eine unmög­li­che Hei­rat, ein dro­hen­des Duell zwi­schen erbit­ter­ten Riva­len, Kopf­geld­jä­ger, unbe­re­chen­ba­re Trup­pen­be­we­gun­gen und ein drän­gen­des Aus­rei­seul­ti­ma­tum machen den Weg zur fran­zö­si­schen Gren­ze zu einem aben­teu­er­li­chen Ren­nen gegen die Zeit.

Die wenig schmei­chel­haf­ten Aus­sa­gen des Buches über Deut­sche und Preu­ßen zei­gen nach An-sicht Evens, wie tief die Vor­stel­lung von einer Erb­feind­schaft zwi­schen den bei­den Natio­nen nach dem Deutsch-Fran­zö­si­schen Krieg 1870/71 geses­sen hat, und deu­ten zugleich an, welch lan­ger Pro­zess der Annä­he­rung nötig war, bis 1963 der Freund­schafts­ver­trag unter­zeich­net wer­den konn­te. Ein Freund­schafts­ver­trag, dank dem aus die­ser Ver­söh­nung eine Nor­ma­li­tät gewor­den ist.         „ Die­se Ver­söh­nung bzw. Freund­schaft emp­fin­de ich per­sön­lich beson­ders hier in Arns­berg, wo mir die Deut­schen im letz­ten Som­mer stets einen freund­li­chen Emp­fang berei­tet haben und noch heu­te berei­ten. Des­halb wer­de ich noch ab und zu nach Arns­berg zurück­kom­men, obwohl mei­ne Rei­se weitergeht.“

Die Über­set­zung Der Weg nach Frank­reich erscheint im April 2013 beim Mün­che­ner Ablit-Ver­lag. Der Text wur­de von Fan­ny Jac­quier neu illus­triert; ein Nach­wort des renom­mier­ten Jules Ver­ne-Spe­zia­lis­ten Vol­ker Dehs macht die his­to­ri­schen Hin­ter­grün­de nach­voll­zieh­bar. Mehr Infos dazu gibt es auf einer eigens kon­zi­pier­ten Face­book­sei­te: http://​www​.face​book​.com/​p​a​g​e​s​/​N​o​t​r​e​-​c​h​e​m​i​n​-​d​e​-​F​r​a​n​c​e​/​3​2​7​3​1​6​3​0​0​7​1​3​189