4. Natur­schutz­preis

25. September 2013
von Redaktion

4. Natur­schutz­preis Ehren­amt­li­che las­sen Wie­sen und Wei­den wachsen

 

Dr. Gerd Bollermann (5.v.l.) mit Gewinnern der Naturschutzpreise 2013.

Dr. Gerd Bol­ler­mann (5.v.l.) mit Gewin­nern der Natur­schutz­prei­se 2013.

Regie­rungs­prä­si­dent Dr. Gerd Bol­ler­mann hat Diens­tag (24.09.) den Natur­schutz­preis der Bezirks­re­gie­rung Arns­berg ver­ge­ben. 33 schö­ne und viel­fäl­ti­ge Bewer­bun­gen waren ein­ge­gan­gen ‑aus­ge­zeich­net wur­den jetzt neun Pro­jek­te in drei Kategorien.

 

„Grün muss bunt wer­den” – so das Mot­to bei der 4. Auf­la­ge des Natur­schutz­prei­ses. Hin­ter­grund: „Es ist zuneh­mend zu beob­ach­ten, dass wert­vol­le Wie­sen und Wei­den aus unse­rer Land­schaft ver­schwin­den. Die­ser Wett­be­werb soll dazu bei­tra­gen, dass das Grün­land wie­der eine qua­li­ta­ti­ve und quan­ti­ta­ti­ve Ver­bes­se­rung erfährt”, so Regie­rungs­prä­si­dent Bol­ler­mann in sei­ner Begrü­ßungs­re­de. Aus­wahl­kri­te­ri­en: „Nicht die Wie­se mit den meis­ten Pflan­zen soll daher heu­te prä­miert wer­den, son­dern das ehren­amt­li­che Enga­ge­ment, das dazu bei­getra­gen hat, aus die­sem vie­ler­orts bedroh­ten Lebens­raum wie­der etwas Beson­de­res zu machen.”

 

Ins­ge­samt 10.000 Euro wur­den ver­ge­ben. Dr. Bol­ler­manns Dank galt dem Minis­te­ri­um für Kli­ma­schutz, Umwelt, Land­wirt­schaft, Natur- und Ver­brau­cher­schutz, das die­ses Preis­geld erneut zur Ver­fü­gung gestellt hat­te – und Klaus Bruns­mei­er vom BUND, der das Preis­geld von 500 Euro für den dies­jäh­ri­gen Son­der­preis aus Stif­tungs­mit­teln gespen­det hatte.

 

Die 33 Wett­be­werbs­bei­trä­ge spie­gel­ten, wie der RP beton­te, „die gesam­te Brand­brei­te des ehren­amt­li­chen Enga­ge­ments” wider. Ein­ge­reicht wor­den waren sie vom Bei­rat bei einer unte­ren Land­schafts­be­hör­de (1), Ein­zel­per­so­nen (7), Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen (4), einer Kir­chen­ge­mein­de, Landwirte/​innen (8), Schu­len (4) und (Naturschutz-)Vereinen (8).

 

„Ich kann gar nicht oft genug beto­nen, dass gera­de das bür­ger­schaft­li­che Enga­ge­ment eine der tra­gen­den Säu­len in unse­rer Gesell­schaft ist. Und ins­be­son­de­re der akti­ve Umwelt­schutz wäre ohne die­ses Enga­ge­ment gar nicht denk­bar”, wür­dig­te Gerd Bol­ler­mann die Ehrenamtlichen.

 

Die Preis­trä­ger in der Kate­go­rie 1 – Ein­zel­be­wer­ber, Landwirte:

 

*     Hei­ke Fre­de­beul (1. Preis, 2.000 Euro Preis­geld) vom

Meis­ter-Zie­gen­hof bei Rüt­hen führt das Zie­gen­be­wei­dungs­pro­jekt „Hoher Stein Kal­len­hardt” durch – betreut von der bio­lo­gi­schen Sta­ti­on des Krei­ses Soest.

60 Zie­gen des land­wirt­schaft­li­chen Betriebs von   Hei­ke Fre­de­beul beweiden

drei Mager­ra­sen­flä­chen rund um den Hohen Stein in der Nähe von Kallenhardt.

Das unweg­sa­me und zuvor stark ver­busch­te Gelän­de wur­de mit Frei­wil­li­gen vom Gehölz befreit und Raum für bedroh­te Pflan­zen­ar­ten geschaf­fen. Vom Mit­tel­al­ter bis in die 1950er-Jah­re sorg­ten Zie­gen dafür, dass sich Schle­hen, Fich­ten und ande­re Höl­zer an den Hän­gen nicht aus­brei­ten konn­ten. Seit 15 Jah­ren wei­den dort die Zie­gen der Fami­lie Fre­de­beul und brin­gen somit die bäu­er­li­che Kul­tur­land­schaft mit ihrer Arten­viel­falt zurück in die Region.

*     Die Fami­lie Wagener aus Net­phen-Nen­kers­dorf (2. Preis, 1.000 Euro)

bewirt­schaf­tet seit 1960 den Lahn­hof bei Net­phen-Nen­kers­dorf. Sie pflegt und erhält mit drei Genera­tio­nen öko­lo­gisch wert­vol­le Grün­land­le­bens­räu­me – als einer der höchst­ge­le­ge­nen Betrie­be in NRW. Zu den bewirt­schaf­te­ten Flä­chen zäh­len orchi­deen­rei­che Berg­wie­sen, arni­ka­rei­che Mager­wie­sen und Feucht­wie­sen, von denen 30 Hekt­ar exten­siv bewei­det wer­den. Die Wag­ners zei­gen mit dem Lahn­hof, dass Land­wirt­schaft mit Arten- und Natur­schutz ver­ein­bar ist. Der Betrieb mit 75 Milch­kü­hen und 84 Jung­tie­ren der Ras­se Deut­sches Rot­vieh führt seit 1975 in Koope­ra­ti­on mit der Unte­ren Land­schafts­be­hör­de Land­schafts­schutz­maß­nah­men durch, z.B. die mit der bio­lo­gi­schen Sta­ti­on Sie­gen-Witt­gen­stein durch­ge­führ­te Rena­tu­rie­rung der Lahn am Ober­lauf (für die Herr Wagener einen Teil sei­ner land­wirt­schaft­li­chen Flä­che zur Ver­fü­gung stell­te). 2012 restau­rier­te die Fami­lie ein 1849 erbau­tes Back­haus in Großenbach.

*     Doro­thea Hei­mes aus Schmal­len­berg-Sel­ken­trop (Son­der­preis, 500 Euro)

begann 2007 mit ihrer Fami­lie, eine stei­le, vom Sturm Kyrill zer­stör­te Nadel­wald­flä­che wei­test­ge­hend in Hand­ar­beit von Stei­nen und rest­li­chem Holz zu befrei­en. Mit Hil­fe einer Frä­se wur­den Baum­stümp­fe ein­ge­ar­bei­tet und anschlie­ßend die Flä­che ein­ge­sät. Drei Jah­re spä­ter war das neue Grün­land erst­mals durch die Kühe des Milch­vieh­be­triebs beweid­bar. Zum Erhalt des Grün­lan­des muss auf­grund des sau­ren Bodens jedes Jahr mühe­voll gekalkt werden.

 

Kate­go­rie 2 – Kin­der­gär­ten, Schu­len und Kirchengemeinden:

 

*     Horst Girod vom Gym­na­si­um Stift Kep­pel in Hil­chen­bach (1. Preis,

2.000 Euro) enga­giert sich im Natur­lehr­gar­ten der seit 1871 bestehen­den (ehe­mals preu­ßi­schen) Schu­le. Seit 22 Jah­ren besteht der Natur­lehr­gar­ten. Das im Som­mer 1991 über­nom­me­ne Are­al umfasst eine Flä­che von 8000 m² und wur­de ursprüng­lich inten­siv von einem Land­wirt bewirt­schaf­tet. Nach dem Ent­fer­nen der Wei­de­zäu­ne, der Anle­gung eines natur­na­hen Teichs und dem Bepflan­zen der Wie­sen mit hei­mi­schen Obst­bäu­men nutzt die Fach­grup­pe Bio­lo­gie des Gym­na­si­ums unter Anlei­tung des Bio­lo­gie- und Che­mie­leh­rers Horst Girod das Gelän­de – im Bio­lo­gie­un­ter­richt mit Schü­lern aller Jahr­gän­ge. Zum Bei­spiel wer­den die Bestim­mung der Pflan­zen auf den arten­rei­chen Feucht- und Mager­wie­sen und die Mög­lich­keit einer natur­na­hen Fach­ar­beit in der Jahr­gangs­stu­fe 11 angeboten.

Damit soll Schü­lern die Natur und das Umwelt­be­wusst­sein näher gebracht wer­den. Und auch außer­halb des Unter­richts pfle­gen Schü­ler und Leh­rer den

Lehr­gar­ten: Sie schnei­den die Gehöl­ze, mähen ein­mal jähr­lich die Wie­sen, leg­ten in den letz­ten Jah­ren unter ande­rem einen Kom­post­hau­fen an und errich­te­ten vier Hummelnistkästen.

*     Im Wald­kin­der­gar­ten Wib­lingwer­de, Nach­rodt (2. Preis, 1.000 Euro)

ler­nen die Klei­nen die Natur spie­le­risch ken­nen. Moti­viert durch den lan­gen Win­ter in die­sem Jahr schrieb sich der Wald­kin­der­gar­ten in Wib­lingwer­de den Erhalt bzw. die Wie­der­her­stel­lung einer natür­li­chen Arten­viel­falt auf die Fah­ne. Eltern sol­len – wie auch am Wald­lehr­pfad Loha­gen – mit ihren Kin­dern den rich­ti­gen Umgang mit der Natur spie­le­risch erler­nen, indem sie z.B.

Pflan­zen bestim­men und die Zube­rei­tung von Gerich­ten mit Kräu­tern lernen.

*     Sabi­ne Jel­ling­haus, Ev. Drei­fal­tig­keits­ge­mein­de in Hagen

(Son­der­preis, 500 Euro), folgt dem Leit­mo­tiv „Schöp­fung bewah­ren – hei­mi­sche Viel­falt ent­de­cken”. Aus tris­ten und nahe­zu brach­lie­gen­den Rasen­flä­chen sowie ein­tö­nig bepflanz­ten Bee­ten wur­de 2009 ein grü­nes Kir­chen­are­al. Mager­wie­sen wur­den ange­legt, auf denen hei­mi­schen Wie­sen­pflan­zen ein frei­es Wachs­tum ermög­licht wird. Zudem wur­den vie­le Rück­zugs­or­te für Tie­re geschaf­fen. Der Obst­gar­ten wur­de neu bepflanzt und wird mit dem Kräu­ter­gar­ten als Schu­lungs­ort für Kräu­ter­kur­se genutzt.

 

Kate­go­rie 3 – Ver­ei­ne und Beiräte:

 

*     Der Arbeits­kreis Natur und Umwelt­schutz im südlichen

Enne­pe-Ruhr-Kreis (1. Preis, 2.000 Euro) hat seit 1987 vie­le Pro­jek­te initi­iert. Immer gehör­te die Pfle­ge der Mager- und Feucht­wie­sen im Natur­schutz­ge­biet „Krü­per­wie­sche” dazu. Seit 1990 wird eine etwa 1,75 Hekt­ar gro­ße Nass­bra­che im Natur­schutz­ge­biet „Krab­ben­hei­der Bach­tal” gepflegt. Dort wer­den – unter Berück­sich­ti­gung der Natur­schutz­auf­la­gen – Dau­er­grün­land­flä­chen exten­siv bewirt­schaf­tet. Hier­zu gehö­ren zwei Obst­wie­sen und eine Grün­land­bra­che, die von Scha­fen bewei­det werden.

*     Der För­der­ver­ein Was­ser und Natur­schutz Arche Noah aus Men­den (2.

Preis, 1.000 Euro) bie­tet mit sei­nem gleich­na­mi­gen außer­schu­li­schen Lern­ort Kin­dern und Jugend­li­chen ein Natur­er­leb­nis. Eine Wie­se auf dem Gelän­de des ehe­ma­li­gen Schwimm­ba­des wur­de neu ange­legt. Zu Beginn wur­de die Anla­ge mit hei­mi­schen Grä­sern und Wie­sen­blu­men ein­ge­sät. Die Wie­se wird ein­mal jähr­lich gemäht. Zu dem The­ma Wie­se wur­den Unter­richts­kon­zep­te aus­ge­ar­bei­tet, die an Schu­len, OGS-Schu­len, Kin­der­gär­ten und Feri­en­ak­tio­nen ange­bo­ten werden.

*     Der Ver­Bund e. V. Gese­ke in Per­son von Man­fred Raker (Son­der­preis,

500 Euro, gestif­tet vom BUND) hat zwei Pro­jek­te mit  „Blu­men­wie­se zurück auf die Hal­de” bzw. „Mager­grün­land zurück in die Oster­schled­de” beti­telt.  So ermög­lich­te das beherz­te Ein­grei­fen der Rang­er­grup­pe des „Grüt­ze­pott” – unter Anlei­tung des Ver­Bund e.V. Gese­ke -, dass eine rund ½ Hekt­ar gro­ße Flä­che durch Pfle­ge­maß­nah­men wie­der­her­ge­stellt wer­den konn­te. Der Schwer­punkt des zwei­ten Pro­jekts sind Mager­grün­land­flä­chen im Oster­schled­de-Tal bei Geseke:

Mit der Natur­schutz-Stif­tung Gese­ke wur­den bis­lang rund 15 Hekt­ar Grün­land­flä­che über­wie­gend durch Kom­pen­sa­ti­ons­maß­nah­men wiederhergestellt.