Fas­sa­de darf wei­ter­hin alt aussehen

20. Februar 2013
von Redaktion

Behut­sa­me Restau­rie­rung statt Anstrich LWL zeich­net ältes­tes Kauf­haus Men­dens als Denk­mal des Monats aus

Menden Märkischer Kreis

Men­den Mär­ki­scher Kreis


Men­den (lwl). Der Land­schafts­ver­band West­fa­len-Lip­pe (LWL) hat das Kauf­haus an der Haupt­stra­ße 57 in Men­den als Denk­mal des Monats Febru­ar aus­ge­zeich­net. Die Abdeck­ble­che am Dach und den Gesim­sen des Kauf­hau­ses waren so stark beschä­digt, dass Was­ser ein­drang und den Stein­putz gefähr­de­te. Obwohl der Putz schon 100 Jah­re alt ist, war er in so gutem Zustand, dass er nur wenig aus­ge­bes­sert wer­den muss­te. Die Eigen­tü­mer folg­ten dem Rat der Denk­mal­pfle­ger der Stadt und des Land­schafts­ver­ban­des West­fa­len-Lip­pe (LWL) und ver­zich­te­ten daher bei der anste­hen­den Reno­vie­rung dar­auf, mit einem eigent­lich geplan­ten Anstrich aus „alt” „neu” zu machen und erhiel­ten so die his­to­ri­sche Ober­flä­che mit all den Spu­ren, die die Zeit hin­ter­las­sen hat.
„Glück­li­cher­wei­se wur­de wäh­rend der fast 100-jäh­ri­gen Geschich­te des Kauf­hau­ses mit all sei­nen Ver­än­de­run­gen und Moder­ni­sie­run­gen die Fas­sa­de nicht über­ge­stri­chen. So ist der Stein­putz mit sei­ner beson­de­ren Ober­flä­chen­wir­kung erhal­ten geblie­ben. Auch bei der Reno­vie­rung im ver­gan­gen Jahr ist es gelun­gen, den Stein­putz ohne Beschich­tun­gen mit sei­nem authen­ti­schen Erschei­nungs­bild zu erhal­ten”, lobt LWL-Denk­mal­pfle­ge­rin Danae Votteler.
Hin­ter­grund
Der Ende des 19. Jahr­hun­derts ent­wi­ckel­te Stein­putz lässt sich stein­metz­mä­ßig bear­bei­ten, so dass man mit ihm Natur­stein imi­tie­ren kann. Die­se Eigen­schaft nutz­te auch der Archi­tekt Carl Moritz, der 1914 die bei­den Fas­sa­den an der Haupt- und Turm­stra­ße durch eine abge­run­de­te Ecke zusam­men­ge­führt hat. Ein Drei­eck­gie­bel betont die Fas­sa­de an der Stel­le, an der sich im Erd­ge­schoss der Haupt­ein­gang befin­det. Die Fas­sa­de gestal­te­te Moritz mit klas­si­schen Gestal­tungs­mit­teln, die an anti­ke Säu­len erin­nern, sowie mit geo­me­tri­schen Orna­men­ten und flo­ra­len For­men. Die glat­te­ren Putz­flä­chen sind zusätz­lich mit fei­nen Nuten ver­se­hen und täu­schen so Fugen einer Fas­sa­de aus Stein­blö­cken vor. „Ihre beson­de­re Qua­li­tät erhal­ten die Fas­sa­den durch die star­ke Plas­ti­zi­tät der vor- und zurück­sprin­gen­den Flä­chen, Rah­mun­gen von Öff­nun­gen. So ent­steht eine sehr qua­li­täts­voll gestal­te­te und fast monu­men­tal wir­ken­de Fas­sa­de”, erklärt Votteler.
Das durch die defek­ten Ble­che ein­drin­gen­de Was­ser gefähr­de­te den Putz, an eini­gen Stel­len war es schon Aus­brü­chen gekom­men. Außer­dem hat­ten sich eini­ge unpro­ble­ma­ti­sche Ris­se gebil­det, wet­ter­be­dingt waren eini­ge Berei­che unter­schied­lich gefärbt und es gab vie­le nicht mehr gebrauch­te Befes­ti­gungs­ele­men­te. Die Fas­sa­de wur­de gründ­lich, aber scho­nend gerei­nigt. Da die Eigen­tü­mer den zunächst vor­ge­se­he­nen Anstrich ein­spar­ten, konn­ten sie mehr Sorg­falt dar­auf legen, Fehl­stel­len mit farb­lich ange­gli­che­nem Mör­tel aus­zu­bes­sern und noch erhal­te­ne ori­gi­na­le Holz­fens­ter zu reparieren.
Das Kauf­haus an der Haupt­stra­ße 57 wur­de 1914 als ers­tes Tex­til­kauf­haus in Men­den für den Tex­til­händ­ler Rei­fen­berg gebaut, der den Köl­ner Archi­tek­ten Carl Moritz für die­se Bau­auf­ga­be gewann. Moritz, der als bedeu­ten­der Archi­tekt städ­ti­scher Groß- und Sakral­bau­ten gilt, errich­te­te 1912 das Men­de­ner Rat­haus und schuf wei­te­re Reprä­sen­ta­ti­ons­bau­ten in der sauer­län­di­schen Klein­stadt. Beson­de­re Moder­ni­tät erhielt der Kauf­haus­bau durch die nahe­zu geschoss­ho­he Ver­gla­sung der Schau­fens­ter, die nur durch die tra­gen­den Mau­er­pfei­ler unter­bro­chen wur­den, um die Waren auf einer mög­lichst gro­ßen Flä­che prä­sen­tie­ren zu können.
Die Schau­fenst­erzo­ne ist zwar durch vor­sprin­gen­de Dächer schon ver­än­dert, die ori­gi­na­len Spros­sen­fens­ter sind im zwei­ten Ober­ge­schos­ses noch erhal­ten. Ihre Holz­sub­stanz war in einem sehr guten Zustand, so dass nur wenig aus­ge­bes­sert wer­den muss­te und der Anstrich mit Lein­öl­far­ben erfolgte.