Geden­ken an den Grä­bern von 6 rus­si­schen Zwangsarbeitern

22. Juni 2021
von Redaktion

Erin­ne­rung bleibt auch der Stadt War­stein und der Regi­on eine Verpflichtung

War­stein. Regie­rungs­prä­si­dent Hans-Josef Vogel, Bür­ger­meis­ter Dr. Tho­mas Schö­ne und Orts­vor­ste­her Diet­mar Lan­ge geden­ken des Über­falls auf die Sowjet­uni­on. Für die Poli­tik waren Erwin Koch (Vor­sit­zen­der Bau­aus­schuss und Arbeits­kreis Fried­hö­fe) und Maxi­mi­li­an Spinn­rath (Vor­sit­zen­der Kul­tur­aus­schuss – Erin­ne­rungs­kul­tur) dabei.

VL: Maxi­mi­li­an Spinn­rath (Vor­sit­zen­der des Aus­schus­ses Stadt­mar­ke­ting, Tou­ris­mus und Kul­tur, Josef Pie­per (Fach­be­reichs­lei­ter Bür­ger­diens­te), Erwin Koch (Vor­sit­zen­der des Aus­schus­ses für Bau­en und Digi­ta­les), Diet­mar Lan­ge (Orts­vor­ste­her War­stein), Hans-Josef Vogel (Regie­rungs­prä­si­dent des Regie­rungs­be­zirks Arns­berg), Tho­mas Schö­ne (Bür­ger­meis­ter) (Foto: Jero­en Tepas)

 

80 Jah­re sind es her, seit­dem das dama­li­ge Deut­sche Reich im Zuge des Zwei­ten Welt­kriegs am 22.6.1941 die dama­li­ge Sowjet­uni­on über­fiel und mit dem Über­schrei­ten der Gren­zen in Ost­preu­ßen eine Rei­he der furcht­bars­ten Kriegs­er­eig­nis­se begann, die erst mit der bedin­gungs­lo­sen Kapi­tu­la­ti­on am 8./9.5.1945 ende­te und Deutsch­land vom Natio­nal­so­zia­lis­mus befrei­te. Der Zwei­te Welt­krieg hat­te schon seit dem 1.9.1939 viel Leid über die Men­schen gebracht und man­ches Grab, auch auf hei­mi­schen Fried­hö­fen, kün­det von der dama­li­gen grau­sa­men Zeit und den trau­ri­gen mensch­li­chen Schick­sa­len, die sich hin­ter den Grab­stei­nen verbergen.

Sechs Grä­ber rus­si­scher Zwangsarbeiter

Wie auf vie­len Fried­hö­fen in unse­rer Umge­bung befin­den sich auch auf dem War­stei­ner Fried­hof an der Bil­stein­stra­ße sechs Grab­stel­len sowje­ti­scher Zwangs­ar­bei­ter, die zwi­schen 1943 und 1945 fast alle in ihren Lagern star­ben und auf dem städ­ti­schen Fried­hof bei­gesetzt wur­den. Gri­go­rij Yakow­lew (1893 – 02.08.1943) wur­de dort als ers­ter beer­digt, ihm folg­ten Niko­laj Kar­pen­ko (20.08.1927 – 13.02.1944), Michail Pam­a­sen­ko (27.07.1912 – 02.09.1944), Niko­laj Pezi­ma­chow (03.03.1912 – 31.12.1944), Jan Sadow­skij (01.05.1894 – 09.01.1945) und Iwan Popow (1921 ‑02.03.1945).

Lei­der setz­te man trotz der erfass­ten Daten sei­ner­zeit kei­ne ein­zel­nen Grab­stei­ne, son­dern errich­te­te am west­li­chen Rand der sechs Grä­ber einen all­ge­mei­nen Gedenk­stein mit der Auf­schrift „Hier ruhen sechs rus­si­sche Bür­ger, gestor­ben in der schwe­ren Zeit von 1943 bis 1945“. Spä­ter kamen eine Grab­lam­pe und ein ortho­do­xes Kreuz hinzu.

Grab­plat­ten erstellt

Die unver­ges­se­ne Erin­ne­rung an die dama­li­gen Zei­ten beweg­te die Stadt War­stein, nun sechs Grab­plat­ten für die dama­li­gen, zu Unrecht nach War­stein ver­schlepp­ten Zwangs­ar­bei­ter in Auf­trag zu geben und nach Abstim­mung mit der Bezirks­re­gie­rung, dem Bund Deut­scher Kriegs­grä­ber­für­sor­ge und der rus­si­schen Bot­schaft erstel­len zu lassen.

Eine der sechs neu­en Grab­plat­ten für die aus Russ­land ver­schlepp­ten Zwangs­ar­bei­ter, die in den Jah­ren 1944 und 1945 auf dem War­stei­ner Fried­hof bei­gesetzt wurden.

Dabei sind die ein­zel­nen Namen in deut­scher und kyril­li­scher Schrift ein­ge­ar­bei­tet wor­den, eine noch zu erstel­len­de Erin­ne­rungs­ta­fel soll die dama­li­gen Zeit­um­stän­de erläu­tern und auch auf die Daten der Ver­stor­be­nen näher ein­ge­hen, wie Bür­ger­meis­ter Dr. Tho­mas Schö­ne und Orts­vor­ste­her Diet­mar Lan­ge versprechen.

Pas­send zum Geden­ken an den Über­fall deut­scher Trup­pen auf die Sowjet­uni­on vor 80 Jah­ren haben Bür­ger­meis­ter Dr. Tho­mas Schö­ne und Orts­vor­ste­her Diet­mar Lan­ge, die Aus­schuss­vor­sit­zen­den Erwin Koch und Maxi­mi­li­an Spinn­rath sowie Fach­be­reichs­lei­ter Josef Pie­per von der Stadt War­stein Blu­men an der neu­ge­stal­te­ten Grab­an­la­ge nie­der­ge­legt und eine Ker­ze ent­zün­det. Auch Regie­rungs­prä­si­dent Hans-Josef Vogel nutzt die Gele­gen­heit, um die grau­sa­men Gescheh­nis­se vor 80 Jah­ren, die Leid und Tod über Mil­lio­nen Men­schen auf allen Sei­ten des Krie­ges gebracht haben, ein­mal mehr in Erin­ne­rung zu rufen.

Regie­rungs­prä­si­dent Hans Josef Vogel:

„Der deutsch-sowje­ti­sche Krieg war der zer­stö­re­rischs­te und bar­ba­rischs­te Krieg in der Geschich­te der Mensch­heit, in dem das NS-Regime mas­sen­mör­de­risch und bewusst auch gegen die Zivil­be­völ­ke­rung, vor allen Din­gen in der Ukrai­ne, in Bela­rus und in Russ­land der dama­li­gen Sowjet­uni­on vor­ging. Dies geschah auch in Deutsch­land selbst, wie bei­spiels­wei­se die Ermor­dung der sowje­ti­schen Zwangs­ar­bei­ter – Män­ner, Frau­en und Kin­der – im Arns­ber­ger Wald zeigt.“

Im zwei­ten Welt­krieg sind allein auf sowje­ti­scher Sei­te bis zu 27 Mil­lio­nen Men­schen ums Leben gekom­men – davon über die Hälf­te Zivi­lis­ten. Auf deut­scher Sei­te waren es 6–7 Mil­lio­nen Tote – über­wie­gend Soldaten.

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