„Was tun?“ sprach Zeus

24. Januar 2013
von Redaktion

Das fragt sich manch Zeit­ge­nos­se auch ange­sichts des sin­ken­den RWE-Akti­en-Kur­ses, wie z.B. Rein­hard Loos, Kreis­tags­mit­glied der Sauer­län­der Bür­ger­lis­te (SBL).

Hoch­sauer­land­kreis. Der Käm­me­rer des Hoch­sauer­land­krei­ses hat näm­lich in sei­nen Büchern die statt­li­che Zahl von knapp 6 Mil­lio­nen (Stück) RWE-Akti­en. Sie sind eini­ges wert. Doch sie waren mal viel mehr wert. Der HSK hat­te sie in „bes­se­ren Zei­ten“ gekauft. Zur Ver­an­schau­li­chung:

2007 ging der Kurs bis 97 Euro pro Aktie hoch.

Am 17. Janu­ar 2013 lag er nur noch bei ca. 29,15 Euro pro Aktie.

 

In den Bilan­zen des Krei­ses steht das teu­re Wert­pa­pier aber noch mit einem „Höhen­flug-Betrag“ von etwa 80 Euro, den es mal wert war, nicht mit dem mick­ri­gen aktu­el­len, der sich ja zuge­ge­be­ner­ma­ßen auch fast täg­lich ändert, manch­mal sogar kurz­fris­tig etwas nach oben. Nur, die nach­hal­ti­ge Ten­denz „nach oben“ lässt die RWE-Aktie seit gerau­mer Zeit ver­mis­sen. Sie befin­det sich in einem beson­ders lan­gen Fall.

 

Der Land­tag aus Düs­sel­dorf hat im Sep­tem­ber 2012 ein Gesetz mit einem beson­ders lan­gen Namen auf den Weg gebracht. Es heißt: „Ers­tes Gesetz zur Wei­ter­ent­wick­lung des Neu­en Kom­mu­na­len Finanz­ma­nage­ments für Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de im Land Nord­rhein-West­fa­len“, kurz „NKF-Wei­ter­ent­wick­lungs­ge­setz“. Damit will die Lan­des­re­gie­rung bezwe­cken, dass außer­plan­mä­ßi­ge Abschrei­bun­gen bei vor­aus­sicht­lich dau­ern­der Wert­min­de­rung eines Ver­mö­gens­stan­des des Anla­ge­ver­mö­gens ver­pflich­tend „um die­sen mit dem nied­ri­ge­ren Wert anzu­set­zen, der die­sem am Abschluss­stich­tag bei­zu­le­gen ist.“ Kurz und ein­fach, der HSK (und nicht nur der) soll in sei­nen Bilan­zen sei­ne ca. 6 Mil­lio­nen RWE-Akti­en mit einem rea­lis­ti­schen Wert anset­zen.

 

SBL-Mit­glied Loos hat­te dazu am 20.11.2012 der Kreis­ver­wal­tung eine schrift­li­che Anfra­ge geschickt. Hier sei­ne vier Fra­gen:

 

• Wel­che Kon­se­quen­zen zieht der Land­rat aus der Ände­rung des § 35 Abs. 5 Gemein­de­haus­halts­ver­ord­nung NRW für die Bilan­zen des HSK und die Bilan­zen der Gesell­schaf­ten, an denen der HSK betei­ligt ist?

• Teilt der Land­rat die Ein­schät­zung der Ver­wal­tung und der CDU-Frak­ti­on des Land­krei­ses Waren­dorf, dass bei den RWE-Akti­en eine dau­er­haf­te Wert­min­de­rung vor­liegt (s. http://www.cdu-kreistagsfraktion-waf.de/index.php?ka=1&ska=4&printit=1&idn=529), und war­um oder war­um nicht?

• Ist der Land­rat bereit, even­tu­el­le außer­plan­mä­ßi­ge Abschrei­bun­gen mög­lichst weit­ge­hend zu Las­ten der Rück­la­gen des Krei­ses vor­zu­neh­men, um eine kurz­fris­ti­ge Belas­tung der Gemein­den – wie sie bereits im Jahr 2008 in Höhe von 24,3 Mio Euro durch Wert­be­rich­ti­gun­gen für RWE-Akti­en ent­stan­den ist – mög­lichst weit­ge­hend zu ver­mei­den?

• Wer trägt aus Sicht des Land­rats die poli­ti­sche Ver­ant­wor­tung für die ekla­tan­ten finan­zi­el­len Nach­tei­le, die dem Kreis und den Gemein­den aus Wert­be­rich­ti­gun­gen für die in viel zu hoher Anzahl vom Hoch­sauer­land­kreis erwor­be­nen RWE-Akti­en dro­hen?

 

Die Ant­wort der Ver­wal­tung trägt das Datum vom 11.01.2013. Sie ist noch län­ger als der Name des Geset­zes. Hier nur kurz zu der von der HSK-Ver­wal­tung für den HSK beschrie­be­nen Kon­se­quenz aus dem Gesetz:

 

a) Die end­gül­ti­ge Ver­bu­chung des Wert­be­rich­ti­gungs­auf­wan­des soll noch nicht voll­zo­gen wer­den (hier­zu sei wie­der­holt im Rah­men der vor­ge­leg­ten Jah­res­ab­schlüs­se der Jah­re 2008 – 2010 berich­tet wor­den).

b) Eine wei­te­re Kor­rek­tur des bilan­zier­ten Wer­tes der RWE-Betei­li­gung soll noch nicht vor­ge­nom­men wer­den, um ein Auf­zeh­ren der Aus­gleichs­rück­la­ge zu ver­mei­den.

 

Für alle die wis­sen wol­len was die Aus­gleichs­rück­la­ge ist, klick hier:

 

http://www.bezreg-arnsberg.nrw.de/themen/k/kommunale_haushalte_begriffsbestimmungen/ruecklage_ausgleichs/index.php

 

Die RWE-Aktie soll dem­nach also die Bilan­zen des HSK nicht ver­ha­geln?

 

Ergän­zend: Der Hoch­sauer­land­kreis betont in dem oben erwähn­ten Schrei­ben, für den HSK sei die Betei­li­gung an der RWE AG kei­ne kurz­fris­ti­ge Finanz­an­la­ge, son­dern es han­de­le sich um eine Betei­li­gung unter “stra­te­gi­schen Gesichts­punk­ten”…

 

Dann hof­fen wir, dass die RWE bald die Stra­te­gie „Kurs­ge­win­ne“ ein­schlägt (z.B. durch erfolg­rei­che und lang­le­bi­ge Inves­ti­tio­nen in erneu­er­ba­re Ener­gi­en wie Wind, Was­ser, Son­ne).

Ansons­ten sind wir rat­los ….. Denn es dro­hen bilan­zi­el­le Ver­lus­te von mehr als 250 Mio Euro !!! Jeden­falls hat sich die von der SBL wie­der­holt kri­ti­sier­te “Stra­te­gie” von CDU, SPD, FDP und Land­rat, fast das gesam­te Anla­ge­vo­lu­men auf die RWE zu kon­zen­trie­ren, als ein­deu­tig falsch erwie­sen. In einem Unter­neh­men ver­gleich­ba­rer Grö­ßen­ord­nung wür­de das ver­mut­lich zu Kon­se­quen­zen füh­ren…

Quel­le: Sauer­län­der Bür­ger­lis­te (SBL)