Ski­sprung-Gau­di statt Welt­cup­sprin­gen – Das gibt es eben nur in Wil­lin­gen

10. Februar 2013
von Redaktion
Martin Schmitt und Jürgen Hensel nach der Skisprunggaudi

Mar­tin Schmitt und Jür­gen Hen­sel nach der Ski­sprung­gau­di
Bild: SCW

Das Welt­cup-Ein­zel­sprin­gen auf der Müh­len­kopfschan­ze muss­te aus­fal­len, doch der Kult­welt­cup im Wal­de­cker Upland erleb­te den­noch eine Welt­pre­mie­re. Denn die Ski­sprin­ger aus 19 Natio­nen folg­ten einer Idee von FIS-Direk­tor Wal­ter Hofer und ver­ab­schie­de­ten sich auf ihre Wei­se von dem tol­len Publi­kum mit rund 30.000 Zuschau­ern an den drei tol­len Tagen. Die „Free Wil­lis“, die frei­wil­li­gen Hel­fer, bau­ten in aller Eile eine Mini-Schan­ze an der 90-Meter-Mar­ke und nach eini­gen Vor­sprin­gern gin­gen bei der welt­weit wohl ein­ma­li­gen Gau­di auch eini­ge Top­sprin­ger an den Start. Begut­ach­tet von ihren Kol­le­gen, die am Ran­de des Aus­lau­fes flei­ßig Auto­gram­me schrie­ben, und von der wohl noch im Sta­di­on ver­blie­be­nen Hälf­te der 12.000 Zuschau­er „gewann“ Alt­meis­ter Mar­tin Schmitt mit 34 m vor Ski­flug-Welt­meis­ter Robert Kran­jec und sei­nem slo­we­ni­schen Lands­mann Jirij Tepes, die bei­de auf (geschätz­te) 32 m kamen. Pech hat­te der Kana­di­er MacKen­zie Boyd-Clo­wes, der beson­ders hoch hin­aus woll­te, aber stürz­te und sich das Schlüs­sel­bein brach. Lei­der auch ein Beweis dafür, dass die Jury rich­tig ent­schie­den hat­te, das Welt­cup­sprin­gen bei Kai­ser­wet­ter, aber star­ken Wind­bö­en abzu­sa­gen. Zum ers­ten Mal beim 17. Welt­cup seit der Pre­mie­re 1995 konn­te in Wil­lin­gen an einem Tag kei­ne Kon­kur­renz durch­ge­führt wer­den. Bis­her hat­te es zumin­dest immer zu einem Durch­gang gereicht.

Doch die Sicher­heit geht vor. Dafür hat­ten alle Ver­ständ­nis. Deut­scher Ski­ver­band und FIS wer­den ent­schei­den, ob das Sprin­gen in Klin­gen­thal oder Oberst­dorf noch wäh­rend der 5. VERI­VOX FIS-Team-Tour nach­ge­holt wird. Bun­des­trai­ner Wer­ner Schus­ter wäre dafür: „Wir sind auf dem Weg zur WM nach Val di Fiem­me und die Sprin­ger, auch die, die im Team­sprin­gen nicht zum Ein­satz kamen, brau­chen Pra­xis.“ Der untröst­li­che OK-Chef Jür­gen Hen­sel bedank­te sich bei allen Ski­sprin­gern, Trai­nern, Offi­zi­el­len, Spon­so­ren. Medi­en­leu­ten und vor allem bei den „Free Wil­lis“, den vie­len frei­wil­li­gen Hel­fern, die rund um die Uhr im Ein­satz gewe­sen waren, um der Welt­eli­te wie­der bes­te Bedin­gun­gen zu bie­ten. Und er bat alle dar­um, im olym­pi­schen Win­ter 2014 wie­der nach Wil­lin­gen zu kom­men, auch wenn die Team-Tour dann pau­siert, die Müh­len­kopfschan­ze, der wei­ße Rie­se, aber wie­der Schau­platz eines Welt­cups sein wird.

Ja, Wil­lin­gen kann es! Der Welt­cup-Ort hat ein­mal mehr sei­ne Taug­lich­keit bewie­sen. „Wil­lin­gen ist fix“, hat­te Dr. Wal­ter Hofer schon am Vor­tag mit Blick in den FIS-Kalen­der der nächs­ten Jah­re gesagt. Ob auf Kunst- oder Natur­schnee, ob mit Schnee­re­ser­ven aus der Neus­ser Ski­hal­le, der Ski-Club macht es mög­lich und hat ein treu­es Publi­kum. Und wenn der Wet­ter­gott wirk­lich ein­mal nicht mit­spielt, dann hel­fen die welt­bes­ten Ski­sprin­ger mit, um mit einer klei­nen Sprin­ger-Gau­di den vie­len Fans im wei­ten Rund wenigs­tens ein klei­nes Erleb­nis mit auf den Weg zu geben. Dan­ke auch dafür!