Men­schen statt McDo­nalds: „Land­tag

6. Februar 2013
von Redaktion

live“ in Big­ge mit Eck­hard Uhlen­berg

Besuch vom 1. Vizepräsidenten des NRW-Landtags: Rund anderthalb Stunden lang beantwortete Eckhard Uhlenberg geduldig die Fragen der Dritt- und Viertklässler an der St.-Martinus-Grundschule.

Besuch vom 1. Vize­prä­si­den­ten des NRW-Land­tags: Rund andert­halb Stun­den lang beant­wor­te­te Eck­hard Uhlen­berg gedul­dig die Fra­gen der Dritt- und Viert­kläss­ler an der St.-Martinus-Grundschule.
Bild­nach­weis: Stadt Ols­berg

Ols­berg.  Nor­ma­ler­wei­se kom­men die Besu­cher in den Land­tag – in der St.-Martinus-Schule war es jetzt genau umge­kehrt: Der Land­tag war zu Gast bei den Schü­le­rin­nen und Schü­lern der Big­ger Grund­schu­le. Und zwar in Per­son von Eck­hard Uhlen­berg, dem 1. Vize­prä­si­den­ten der nord­rhein-west­fä­li­schen Bür­ger­ver­tre­tung. Er stell­te den Kin­dern die Par­la­ments­ar­beit vor – und sich selbst den Fra­gen des inter­es­sier­ten Nach­wuch­ses.

 

Was ist der Land­tag? Wer arbei­tet dort? Was bespricht man? Und kann man auch über ein McDo­nalds-Restau­rant ent­schei­den? – Bei letz­te­rem muss­te der lang­jäh­ri­ge Lan­des­po­li­ti­ker klar pas­sen – dafür aber geht es in Düs­sel­dorf um zahl­rei­che ande­re The­men, die Kin­der betref­fen. Zum Bei­spiel um Ganz­tags­schu­len und Nach­mit­tags­be­treu­ung, Geld für Jugend­ein­rich­tun­gen oder die Neu­ein­stel­lung von Leh­rern.

 

Seit 2008 besu­chen Ver­tre­ter des Land­tags­prä­si­di­ums Schu­len in ganz NRW – „es geht um das demo­kra­ti­sche Sys­tem und das Par­la­ment, nicht um Par­tei­po­li­tik“, stellt Doro­thea Dietsch, Lei­te­rin des Bereichs Jugend und Par­la­ment im Düs­sel­dor­fer Land­tag, fest. Wie in den Sit­zun­gen selbst sei­en die Mit­glie­der des Prä­si­di­ums der Unab­hän­gig­keit ver­pflich­tet. Das Inter­es­se der Schu­len an sol­chen Besu­chen sei groß – auch in den Grund­schu­len, so Doro­thea Dietsch: „In den vier­ten Schul­jah­ren geht es im Unter­richt oft um das The­ma Nord­rhein-West­fa­len – des­halb sind die Kin­der sehr auf­ge­schlos­sen.“

 

So stell­te das NRW-Wap­pen mit dem west­fä­li­schen Pferd, dem Rhein und der lip­pi­schen Rose die St.-Martinus-Grundschüler denn auch nicht vor all­zu gro­ße Her­aus­for­de­run­gen. Und dass neben den Abge­ord­ne­ten – und natür­lich dem Prä­si­di­um – auch Haus­meis­ter, Köche, Büro­per­so­nal im Land­tag arbei­ten, stieß bei den Dritt- und Viert­kläss­lern auf beson­de­res Inter­es­se. Ins­be­son­de­re die Arbeit des Ste­no­gra­fen hat­te es den Kin­dern ange­tan: Kaum zu glau­ben, dass so jemand jede Rede Wort für Wort mit­schreibt – und sogar noch die Zwi­schen­ru­fe. „Das ist dann aber eine spe­zi­el­le Schrift, die sonst nie­mand lesen kann“, infor­mier­te Eck­hard Uhlen­berg sei­ne jun­gen Zuhö­rer – manch Leh­rer dürf­te sich da mög­li­cher­wei­se an sei­nen eige­nen Beruf erin­nert haben.

 

Sit­zun­gen, Gesprä­che, Bespre­chun­gen, Ter­mi­ne im hei­mat­li­chen Wahl­kreis – die Woche eines Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten hört bei 60 Arbeits­stun­den noch lan­ge nicht auf. Des­halb sei es wich­tig, Poli­ti­ker aus Über­zeu­gung zu sein – und nicht, weil man Geld damit ver­die­nen kön­ne. Ob man denn Abitur haben müs­se, um in den Land­tag zu kom­men, woll­te ein Schü­ler wis­sen. „Nein, das wäre ja eine Kata­stro­phe“, so die promp­te Ant­wort von Eck­hard Uhlen­berg – eine Par­la­ment sol­le schließ­lich die gesam­te Gesell­schaft wider­spie­geln und nicht nur eine bestimm­te Grup­pe. Auch er selbst habe kein Abitur und statt­des­sen mit einer Aus­bil­dung zum Land­wirt sei­ne beruf­li­che Lauf­bahn begon­nen. Ganz wich­ti­ge Vor­aus­set­zung für die Poli­tik: „Man muss sich für die Men­schen inter­es­sie­ren“, beton­te der Land­tags­vi­ze­prä­si­dent.

 

Gut andert­halb Stun­den stell­te sich Eck­hard Uhlen­berg den Fra­gen der Grund­schü­le­rin­nen und ‑schü­ler, bevor sie ihn mit eini­gen Lie­dern ver­ab­schie­de­ten. Und ob spä­ter selbst ein­mal der eif­ri­gen Fra­ger in den Land­tag ein­zie­hen wird? Einer hat die­sen Weg bereits genom­men: Der hei­mi­sche Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Mat­thi­as Kerk­hoff, der mit sei­nem Vor­gän­ger Hubert Kleff den Land­tags­vi­ze­prä­si­den­ten Eck­hard Uhlen­berg bei sei­nem Besuch in Big­ge beglei­te­te, hat­te frü­her selbst die St.-Martinus-Grundschule besucht.