Kunst­stück der Woche bei Bri­lon Kultour – „Tho­mas Mann“ von Milein Cosman

1. Oktober 2021
von Redaktion

 Künst­le­rin mit Wur­zeln in Marsberg

Bri­lon. Por­traits jüdi­scher Bür­ger und Bür­ge­rin­nen im Läd­chen und im Bür­ger­zen­trum Mit dem 13. Kunst­stück der Woche greift Bri­lon Kultour den The­men­mo­nat „2021 MENTSH! – Jüdi­sches Leben in Deutsch­land“ auf. Im Läd­chen wird die Zeich­nung „Tho­mas Mann“ von Milein Cos­man gezeigt. Sie wur­de 1921 in Gotha als Kind jüdi­scher Eltern gebo­ren, mit denen sie in Gotha und spä­ter in Düs­sel­dorf leb­te. Ihre Mut­ter und deren 7 Schwes­tern wur­den in Nie­der­mars­berg im Haus Dal­berg, dem heu­ti­gen Magnus Café gebo­ren. Die Fami­lie Dal­berg wohn­te min­des­tens seit dem 18. Jahr­hun­dert in Mars­berg und hat­te auch nach dem Krieg noch Bezie­hun­gen ins Sauer­land. Milein Cos­man besuch­te im Jah­re 2012 ein letz­tes Mal die Hei­mat ihrer Fami­lie. Nach 1933 emi­grier­te sie mit ihren Eltern in die Schweiz, wo sie bis 1937 die Eco­le d’Humanité und die Inter­na­tio­na­le Schu­le in Genf besuch­te. 1939 ging sie nach Eng­land, wo sie bis zu ihrem Tod am 21. Novem­ber 2017 lebte.

„Tho­mas Mann“ von Milein Cos­man (Foto: M. Osh)

Beein­dru­cken­de Portraits

Beson­ders die vie­len Por­traits von Künst­le­rin­nen und Künst­lern, die sie im Lau­fe ihres Lebens traf und por­trai­tier­te, sind bein­dru­ckend: Hele­ne Weigel skiz­zier­te sie als Mut­ter Cou­ra­ge wäh­rend eines Gast­spiels des Ber­li­ner Ensem­bles 1956. Die Gesich­ter von Joseph Beuys oder ihrer Freun­din, der Künst­le­rin Marie-Lui­se von Mote­si­cz­ky, bann­te sie eben­so auf Papier wie die Schrift­stel­ler Tho­mas Mann, Fried­rich Dür­ren­matt und Erich Kästner.
Am 31. März 2021 wäre Milein Cos­man 100 Jah­re alt gewor­den. Aus die­sem Anlass zeigt das Stadt­mu­se­um Düs­sel­dorf vom 10. Okto­ber bis 28. Novem­ber 2021 die Aus­stel­lung „Hil­de Schra­der – Milein Cos­mann – 100 Jah­re Düs­sel­dor­fe­rin­nen – Freun­din­nen – Künstlerinnen“.
Bri­lon Kultour zeigt zum Auf­takt des The­men­mo­nats bis zum 15. Okto­ber 2021 Cos­mans Por­trait von Tho­mas Mann aus dem Jahr 1947, eine Leih­ga­be von Wolf­gang Mei­er. Gegen­über an der Fas­sa­de des Bür­ger­zen­trums Kol­ping­haus ist die Aus­stel­lung „Jüdi­sche Gesich­ter Bri­lons“ zu sehen. Im Jahr 2021 leben Jüdin­nen und Juden nach­weis­lich seit 1700 Jah­ren auf dem Gebiet des heu­ti­gen Deutsch­lands – im Stadt­ge­biet Bri­lon sie­del­ten sich etwa vor 400 Jah­ren die ers­ten Jüdin­nen und Juden an. Sie waren der Beginn einer beach­tens­wer­ten jüdi­schen Land­ge­mein­de, die beson­ders in den Orten Bri­lon, Alme, Mad­feld und Mes­sing­hau­sen tätig war. Die Mit­glie­der der Gemein­de waren Händ­ler, Hand­wer­ker und Kauf­leu­te, die zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts fest zum wirt­schaft­li­chen Leben der Stadt dazugehörten.
Die jüdi­sche Gemein­de Bri­lon unter­hielt von 1808 bis 1927 eine Syn­ago­ge in der Markt­stra­ße und bau­te schließ­lich eine neue Syn­ago­ge an der Kreu­zi­ger Mau­er. Die­se wur­de 1931 ein­ge­weiht und in der Reichs­po­grom­nacht 1938 zer­stört. Zu Beginn der 1930er Jah­re wohn­ten 22 jüdi­sche Fami­li­en in Bri­lon, nach 1945 kei­ne ein­zi­ge mehr.

Jüdi­sche Lebens­ge­schich­ten aus Brilon

Mit der Aus­stel­lung soll an die jüdi­sche Gemein­de und ihre Mit­glie­der erin­nert wer­den. Anhand von 19 Por­träts, stell­ver­tre­tend für über 300 Gemein­de­mit­glie­der der letz­ten 400 Jah­re, wer­den die Lebens­ge­schich­ten erzählt und geben dem jüdi­schen Leben in Bri­lon wie­der ein Gesicht. Die Aus­stel­lung wur­de kon­zi­piert vom Stadt­ar­chiv und von Bri­lon Kultour und ist bis Ende Novem­ber 2021 zu sehen. Sechs die­ser Por­traits sind auf einer Fah­ne des Bri­lo­ner Stadt­ar­chivs zu sehen, die im Okto­ber und Novem­ber auf dem Markt­platz und dem Haus Gold­berg wehend auf den The­men­mo­nat auf­merk­sam machen. Sie zei­gen Juli­us und Albert Neu­wahl, Else Katz, Ruth Loeb, Paul Frän­kel und Ruth Löwenstein.
(Quel­le: Bri­lon Kultour)