Kapi­tu­la­ti­on der Justizbehörden

12. April 2013
von Redaktion

Hoch­sauer­land­kreis. Heu­te (am 11. April) wur­de vom Land­ge­richt Pader­born der PFT-Pro­zess ein­ge­stellt, nach 15 Mona­ten Ver­hand­lungs­dau­er mit mehr als 50 Ver­hand­lungs­ta­gen. Die Ange­klag­ten zah­len zwar als “Auf­la­ge” ins­ge­samt 440.000 Euro, ver­las­sen den Gerichts­saal aber als aner­kann­te Unschul­di­ge. Dies lös­te bei vie­len Beob­ach­tern des Ver­fah­rens, bei betrof­fe­nen Grund­stücks­ei­gen­tü­mern und beim BUND NRW ungläu­bi­ges Erstau­nen, Wut und Fas­sungs­lo­sig­keit aus. Und die Steu­er­zah­ler haben somit nicht nur die Kos­ten der Sanie­rung der durch angeb­li­che Boden­ver­bes­se­rer ver­seuch­ten Flä­chen, son­dern auch noch für die Ermitt­lungs- und Gerichts­ver­fah­ren zu tra­gen; alles zusam­men min­des­tens das 20fache der Zah­lun­gen, die die ehe­ma­li­gen Ange­klag­ten leis­ten. Die Ein­stel­lung des Ver­fah­rens erfolg­te übri­gens nicht auf Ver­an­las­sung des Land­ge­richts, son­dern auf Antrag der Staatsanwaltschaft!
Eine wesent­li­che Rol­le für die­ses “Ergeb­nis” der Jus­tiz scheint die Zeu­gen­aus­sa­ge des ehe­ma­li­gen Abtei­lungs­lei­ters im Lan­des­um­welt­mi­nis­te­ri­um, Harald F., zu spie­len. Die frü­he­re “rech­te Hand” der ehe­ma­li­gen Lan­des­um­welt­mi­nis­te­rin Bär­bel Höhn wur­de zwei­mal vom Land­ge­richt ange­hört. Die­ser Zeu­ge hat vor Gericht behaup­tet, der wesent­li­che Teil der PFT-Belas­tung der Möh­ne­tal­sper­re käme nicht aus den mit PFT-hal­ti­gen Klär­schläm­men ver­seuch­ten Fel­dern bei Bri­lon-Schar­fen­berg und Rüt­hen, son­dern direkt aus Ein­lei­tun­gen der Indus­trie oder hei­mi­sche Klär­an­la­gen. Die ein­schlä­gi­gen Schad­stoff-Mes­sun­gen besa­gen zwar das Gegen­teil, und so viel Indus­trie, die z.B. durch die Ver­ar­bei­tung von Tef­lon für PFT-hal­ti­ge Rück­stän­de ver­ant­wort­lich sein könn­te, gibt es im Möh­ne­tal nun wahr­lich nicht. So wur­de Harald F. aber zum Kron­zeu­gen der Verteidigung…
Sogar der seriö­se Ruhr­ver­band (für Was­ser­ver­sor­gung und ‑ent­sor­gung in der Regi­on zustän­dig) hat heu­te laut “Neue West­fä­li­sche” dazu erklärt: “Die über­ra­schen­de Ein­stel­lung des Ver­fah­rens sei eine ‘Kapi­tu­la­ti­on der Jus­tiz­be­hör­den vor ihrer urei­ge­nen Auf­ga­be, der Wahrheitsfindung’.”
Quel­le: http://​www​.nw​-news​.de/​o​w​l​/​k​r​e​i​s​_​p​a​d​e​r​b​o​r​n​/​p​a​d​e​r​b​o​r​n​/​p​a​d​e​r​b​o​r​n​/​8​2​8​7​6​5​2​_​P​r​o​z​e​s​s​_​u​m​_​P​F​T​-​U​m​w​e​l​t​s​k​a​n​d​a​l​_​g​e​g​e​n​_​G​e​l​d​z​a​h​l​u​n​g​_​e​i​n​g​e​s​t​e​l​l​t​.​h​tml
Die­se Bewer­tung stimmt leider!!
Der Ver­fas­ser die­ses Kom­men­tars hat vor 7 Jah­ren das juris­ti­sche Ver­fah­ren durch eine Straf­an­zei­ge ein­ge­lei­tet. Was für ein Signal setzt die Jus­tiz nun mit die­sem unrühm­li­chen Ver­fah­ren­sen­de? Es ent­steht der Ein­druck, dass sich Täter ab einem gewis­sen Schwe­re­grad der Kri­mi­na­li­tät ziem­lich sicher sein kön­nen, dass ihnen nichts pas­siert… Erst vor eini­gen Mona­ten ende­te vor dem Land­ge­richt Arns­berg ein ande­res Ver­fah­ren gegen einen Unter­neh­mer aus Bri­lon, in dem es u.a. um Insol­venz­ver­ge­hen mit min­des­tens 150 Mio DM Scha­den ging, ähn­lich schad­los für den Haupt­an­ge­klag­ten. Er wur­de auf Bewäh­rung ver­ur­teilt und muß­te nichts zah­len. Unter den Schöf­fen­rich­tern saß auch ein Skatbruder…
Der BUND-Lan­des­vor­sit­zen­de Paul Kröf­ges äußer­te sich laut Neue West­fä­li­sche so: “Wenn wir eine Staats­an­walt­schaft hät­ten, die sich schwer­punkt­mä­ßig mit Umwelt­kri­mi­na­li­tät beschäf­ti­gen wür­de, wäre das Ver­fah­ren wohl anders aus­ge­gan­gen”, sag­te der Lan­des­vor­sit­zen­de Paul Kröf­ges. “Die Ent­schei­dung des Gerichts kön­nen wir nicht nachvollziehen”.
So lang­sam wird es Zeit dar­über nach­zu­den­ken, ob die hie­si­ge Jus­tiz in den “gro­ßen” Ver­fah­ren noch ihre Auf­ga­ben erfüllt. Es gibt deut­li­che Anzei­chen, aus denen man den Ein­druck gewin­nen kann, dass sich die­se Jus­tiz lie­ber mit Klei­nig­kei­ten oder mit Unschul­di­gen befaßt, statt unan­ge­neh­me und läs­ti­ge Ver­fah­ren abzu­ar­bei­ten, erst recht, wenn es um Umwelt­kri­mi­na­li­tät geht!?
Quel­le: Sauer­län­der Bür­ger­lis­te (SBL