Gott­hard Graub­ner und die Magie der Far­be Carl-Peter Busch­küh­le zum Tode des August-Macke-Preisrä­gers von 1987

11. Juni 2013
von Redaktion

Meschede./Hochsauerlandkreis. Am 24. Mai 2013 starb Gott­hard Graub­ner, einer der bedeu­tends­ten deut­schen Maler der Gegen­wart. 1987 wur­de Graub­ner mit dem August-Macke-Preis geehrt, der damals noch von der Stadt Mesche­de ver­lie­hen wur­de.  Carl-Peter Busch­küh­le, Vor­sit­zen­der des August-Macke-Kura­to­ri­ums, erin­nert im Fol­gen­den an den ehe­ma­li­gen Preis­trä­ger:

 

„Graub­ners Werk ist mar­kant und ein­zig­ar­tig in der Ent­wick­lung der moder­nen Male­rei. 1962 begann er, das tra­di­tio­nel­le Bild in die von ihm so benann­ten ‚Farb­raum­kör­per‘ zu ver­wan­deln. Er spann­te die groß­for­ma­ti­ge Lein­wand über eine Schicht aus syn­the­ti­scher Wat­te, so dass die Mal­flä­che sich opak zu wöl­ben begann, ein ‚Farb­kis­sen‘ als Farb­kör­per sich in den Raum hin­aus aus­dehn­te.

 

Graub­ner lös­te sich mit die­sen Wer­ken völ­lig vom gegen­ständ­li­chen Abbild und ließ die Far­be ein­zig und allein sich selbst zu Gel­tung brin­gen. Dies geschah in äußerst sen­si­blen, nuan­cen­rei­chen Farb­be­we­gun­gen und Farb­schich­tun­gen, bei denen die Far­be tief in den Bild­grund ein­drang. So begeg­net dem Betrach­ter ein monu­men­ta­les Farb­ob­jekt, wel­ches die Auf­merk­sam­keit in den Bann zieht – nicht spek­ta­ku­lär und auf­ge­regt, son­dern buch­stäb­lich tief­schich­tig bewegt, von magi­scher Aus­strah­lung. Die­se über­trägt sich auf den Betrach­ter, der sich in die pure sinn­li­che Gegen­wart der Far­ben hin­ein ver­senkt.

 

Die­ses inten­si­ve und zugleich kon­tem­pla­ti­ve Werk Graub­ners ent­zog sich kon­se­quent über Jahr­zehn­te dem hek­ti­schen Getrie­be einer markt­ori­en­tier­ten Kunst. Gleich­wohl war der zwei­fa­che Docu­men­ta-Teil­neh­mer (1968, 1977)immer prä­sent: auf zahl­rei­chen Ein­zel­aus­stel­lun­gen welt­weit, auf Bien­na­len wie denen von Sao Pau­lo (1979)und Vene­dig (1982), in den Jah­ren 2005 und 2006 hat­te er gro­ße Aus­stel­lun­gen in Chi­na (Peking, Shang­hai, Hang­zhou). Von 1976 – 1992 war er Pro­fes­sor für freie Male­rei an der Kunst­aka­de­mie Düs­sel­dorf und gera­de in den letz­ten Jah­ren ent­deckt eine jun­ge Maler­ge­nera­ti­on die Impul­se des Wer­kes Graub­ners für die Ent­wick­lung die­ser Kunst neu.

 

Gott­hard Graub­ner wird so in Erin­ne­rung blei­ben, als kon­se­quen­ter Künst­ler, der einen bedeut­sa­men Bei­trag zur Male­rei leis­te­te und ein ein­drucks­vol­les Werk hin­ter­lässt. Vie­le Arbei­ten von ihm sind im pri­va­ten und öffent­li­chen Besitz. Nicht nur in Muse­en sind sie zu betrach­ten, Wer­ke von Graub­ner befin­den sich auch im Schloss Bel­le­vue, dem Sitz des Bun­des­prä­si­den­ten, sowie im Reichs­tag.“