Bil­dungs- und Teil­ha­be­pa­ket im HSK – Mehr Anträ­ge und mehr Leis­tun­gen

16. Mai 2013
von Redaktion

Hoch­sauer­land­kreis. Das Bil­dungs- und Teil­ha­be­pa­ket steht immer noch in der Kri­tik. Zum einen gilt es als büro­kra­ti­sches Mons­ter, zum ande­ren erreicht es oft die leis­tungs­be­rech­tig­ten Kin­der und ihre Fami­li­en nicht, und das trotz gro­ßer Anstren­gun­gen und Bemü­hun­gen von enga­gier­ten Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern in Behör­den, Kitas, Ver­ei­nen und ande­rer Initia­ti­ven.

 

Im Hoch­sauer­land­kreis sind für die Umset­zung die­ses Geset­zes sowohl die Kreis­ver­wal­tung wie die ein­zel­nen Städ­te und Gemein­den zustän­dig. Die „büro­kra­ti­sche“ Hand­ha­bung erläu­tert die zustän­di­ge Sach­be­ar­bei­te­rin der Orga­ni­sa­ti­ons­ein­heit „Job­cen­ter“ mit Schrei­ben vom 07.05.2013 so:

„Die Umset­zung des Bil­dungs- und Teil­ha­be­pa­kets ist im Hoch­sauer­land­kreis (HSK) ana­log der ope­ra­ti­ven Auf­ga­ben­wahr­neh­mung nach dem SGB II und SGB XII dezen­tral orga­ni­siert. Dem HSK selbst obliegt die Gesamt­ko­or­di­na­ti­on (Ver­fah­ren, recht­li­che u. inhalt­li­che Stan­dards etc.), Steue­rung und finan­zi­el­le Abwick­lung der Auf­ga­be. Für die Leis­tungs­be­rech­tig­ten nach dem SGB II ist der Fach­dienst 42 „Job­cen­ter”, für die übri­gen Berech­tig­ten (SGB XII, WoGG) der Fach­dienst 43 „Sozia­les” zustän­dig. Die kon­kre­te Auf­ga­ben­wahr­neh­mung (Antrags­an­nah­me, Leis­tungs­ge­wäh­rung) erfolgt vor Ort durch die kreis­an­ge­hö­ri­gen Städ­te und Gemein­den.“

 

Nun zu den Zah­len und Fak­ten:

Aus der Ant­wort auf eine frü­he­re Anfra­ge der Sauer­län­der Bür­ger­lis­te

(SBL) wis­sen wir, dass die Inan­spruch­nah­me des Bil­dungs- und Teil­ha­be­pa­kets im Jahr 2011 bei der Kreis­ver­wal­tung in Mesche­de mit 656.000 Euro aus­ge­wie­sen wur­de (Ant­wort des HSK vom 17.12.2011). Die ent­spre­chen­de Bun­des­zu­wei­sung betrug damals 1.530.000 Euro.

 

SBL-Kreis­tags­mit­glied Rein­hard Loos stell­te am 30.04.2013 wie­der eine Anfra­ge zum Stand der Umset­zung des Bil­dungs- und Teil­ha­be­pa­kets. Hier die Ant­wort der HSK-Ver­wal­tung (vom 07.05.2013):

 

Ein­füh­rend erklärt die Sach­be­ar­bei­te­rin der Orga­ni­sa­ti­ons­ein­heit „Job­cen­ter“, die Gesamt­aus­ga­ben für Bil­dungs- und Teil­ha­be­leis­tun­gen sei­en erst­mals für das Jahr 2012 erho­ben wor­den: „Im Ergeb­nis lag der tat­säch­li­che Finanz­be­darf im Jahr 2012 im Bun­des­durch­schnitt bei 60,4 % der zur Ver­fü­gung gestell­ten Mit­tel. In NRW wur­den durch­schnitt­lich 63,2 % und im HSK ca. 83 % der bereit­ge­stell­ten Mit­tel ver­aus­gabt.

 

Im Jahr 2012 wur­den 9.641 Anträ­ge auf Leis­tun­gen aus dem Bil­dungs- und Teil­ha­be­pa­ket gestellt. Bis zum 31.03.2013 sind 2.778 Anträ­ge gestellt wor­den.

 

Im Jahr 2012 wur­den 8.252 Anträ­ge auf Leis­tun­gen des Bil­dungs- und Teil­ha­be­pa­kets bewil­ligt und 982 Anträ­ge abge­lehnt. Bis zum 31.03.2013 wur­den 2.157 der gestell­ten Anträ­ge bewil­ligt und 264 abge­lehnt.

 

Für die Leis­tungs­kom­po­nen­ten des Bil­dungs- und Teil­ha­be­pa­kets wur­den im Jahr 2012 ins­ge­samt 1.228.384,97 Euro ver­aus­gabt, bis zum 31.03.2013 wur­den 389.205,57 Euro aus­ge­zahlt.

 

Die Kos­ten für den Ver­wal­tungs­auf­wand belie­fen sich im Jahr 2012 auf rund 587.000 Euro. Für das Jahr 2013 ist mit einer ähn­li­chen Zahl zu rech­nen.

 

Die Sum­me der Bun­des­zu­wei­sun­gen für Ver­wal­tungs­kos­ten und BuT-Leis­tun­gen betrug im Jahr 2012 rund 1,8 Mil­lio­nen Euro. Im Jahr 2013 wer­den die Zuwei­sun­gen vor­aus­sicht­lich in ähn­li­cher Höhe erfol­gen.

 

Da noch nicht end­gül­tig geklärt ist, ob der Bund trotz der gesetz­li­chen Rege­lung in § 46 Abs. 7 SGB II unver­brauch­te Mit­tel für das Jahr 2012 zurück­for­dert, wird ein im Jah­res­ab­schluss ver­blei­ben­der Ertrags­über­hang pas­si­viert, um auf eine Rück­for­de­rung des Bun­des ergeb­nis­neu­tral reagie­ren zu kön­nen.

 

Im Jahr 2012 wur­den von Anspruchs­be­rech­tig­ten, die Leis­tun­gen nach dem Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setzt erhal­ten, 136 Anträ­ge gestellt, von denen

117 bewil­ligt wur­den. Bis zum 31.03.2013 wur­den von die­sen Leis­tungs­be­rech­tig­ten 38 Anträ­ge gestellt, von denen bis­her 27 bewil­ligt wur­den.“

 

Die Gegen­über­stel­lung 2011/2012 ergibt ein deut­li­ches Plus, sowohl bei den Zahl der Anträ­ge wie bei den ver­aus­gab­ten Mit­teln:

 

2011 2012

gestell­te Anträ­ge 7.273 9.641

davon bewil­ligt 5.669 8.252

davon abge­lehnt 450 982

Anträ­ge Asyl­be­wer­ber 99 136

davon bewil­ligt 83 117

Aus­ga­ben 656.000 Euro 1.228.384,97 Euro

Bun­des­zu­wei­sung 1.530.000 Euro ca. 1.800.000,- Euro

 

Der Hoch­sauer­land­kreis teil­te im Febru­ar 2012 mit, dass zur Erhö­hung der Antrags­zah­len zum 1. Janu­nar 2012 zusätz­li­che Stel­len­ka­pa­zi­tä­ten für Schul­so­zi­al­ar­bei­te­rin­nen geschaf­fen wor­den sind. Es han­de­le sich um ins­ge­samt 13,56 Voll­zeit­äqui­va­len­te. Laut der aktu­el­len Ant­wort des HSK (vom 07.05.13) ste­hen im Hoch­sauer­land­kreis für die Umset­zung des

Bil­dungs- und Teil­ha­be­pa­kets 8,0363 VZÄ zur Ver­fü­gung. Auf die Fra­ge nach den Kos­ten für den Ver­wal­tungs­auf­wand ant­wor­te­te der HSK im Mai 2013, sie belie­fen sich im Jahr 2012 auf rund 587.000 Euro.

 

Im wah­ren Leben bedeu­tet der Zah­len­sa­lat: 12,40 Euro! 2012 erhiel­ten also die 8.252 leis­tungs­be­rech­tig­ten Kin­der im Hoch­sauer­land­kreis durch­schnitt­lich 12,40 Euro pro Monat aus dem Bil­dungs- und Teil­ha­be­pa­ket. Ob sich der Auf­wand lohnt? Die Fra­ge kann sich jeder selbst beant­wor­ten. Eine ande­re Fra­ge bleibt unbe­ant­wor­tet, näm­lich

die:

War­um kann armen Kin­dern in Deutsch­land nicht ein­fa­cher, effek­ti­ver und unbü­ro­kra­ti­scher gehol­fen wer­den???

 

Quel­le: Sauer­län­der Bür­ger­lis­te