War­um hast Du so gro­ße Ohren?

6. Februar 2013
von Redaktion

Kul­tur­strol­che der Sauer­schu­le spie­len Rot­käpp­chen

p6340602-Kulturstrolche2Arns­berg. „War­um hast Du so gro­ße Ohren” fragt Rot­käpp­chen den bösen Wolf. „Damit ich Dich bes­ser sehen kann”. Die Kin­der am Büh­nen­rand lachen. Ver­spre­cher gehö­ren dazu. Die Sequenz wird wie­der­holt. Der Wolf erhebt sich und geht mit aus­ge­streck­ten Armen und gespreiz­ten Fin­gern auf Rot­käpp­chen zu. „Wolf, kannst Du Dich rich­tig auf das Rot­käpp­chen stür­zen?” ruft die Thea­ter­päd­ago­gin Katha­ri­na Mil­ke in Rich­tung Büh­ne. „So, und jetzt noch ein­mal in Zeit­lu­pe. Du bleibst hin­ten, Wolf. Rot­käpp­chen, du bist gefres­sen und gehst nach rechts weg, hin­ter den Vor­hang. Das üben wir noch ein­mal, damit wir die­sen Ablauf klar haben.”

Katha­ri­na Mil­ke probt mit viel Ein­füh­lungs­vemö­gen und Erfah­rung mit den 4. Schul­klas­sen der Sauer­schu­le das Mär­chen Rot­käpp­chen der Brü­der Grimm. Das Thea­ter­spiel gehört zum Pro­jekt „Kul­tur­strol­che”, das von Ulri­ke Strat­mann und Susan­ne Thoss aus dem Kul­tur­bü­ro Arns­berg gelei­tet und betreut wird.
Die meis­ten Kin­der ste­hen an die­sem Tag das ers­te Mal auf der Büh­ne. Nach­ein­an­der tref­fen sie mit ihren Leh­re­rin­nen Kirs­ten Brauk­mann und Regi­na Gil­lert in der Kul­tur­schmie­de Arns­berg ein und spie­len den gan­zen Vor­mit­tag lang Thea­ter. „Wir machen, was wir kön­nen, denn Ihr habt ja
noch kei­ne Aus­bil­dung. Ihr pro­biert es ein­fach aus”, erklärt Katha­ri­na Mil­ke. Sie üben beson­de­re Gang­ar­ten, sie gehen ohne zu spre­chen, leicht hum­pelnd, eilig und ver­su­chen sich im Anschlei­chen. Sie müs­sen laut spre­chen und dabei dem Publi­kum das Gesicht zu wen­den.

Der nächs­te Schritt folgt. Die Thea­ter­päd­ago­gin schaut in die Run­de. „Wer macht den Jäger?” fragt sie. „Alex, willst Du das machen?” Der Jäger geht auf der Büh­ne umher, er läuft durch den Wald. Die Kin­der am Büh­nen­rand machen Geräu­sche. Man hört den Wind in den Bäu­men rau­schen, Vögel zwit­schern und ein Kuckuck ruft dazwi­schen. Da kön­nen alle mit­ma­chen. Das haben sie vor Spiel­be­ginn kurz geübt. Der Jäger fin­det den schnar­chen­den Wolf und schnei­det ihm den Bauch auf. „Sprich dabei. Und sprich laut, damit alle dich ver­ste­hen. Lau­ter. Noch zehn Mal lau­ter. Ver­such es noch ein­mal.“ Das Spie­len­de naht. Rot­käpp­chen und die Groß­mutter sind geret­tet. „Rot­käpp­chen, wo bleibst Du?”, ruft Mil­ke. Rot­käpp­chen springt hin­ter dem Vor­hang her­vor, danach kommt gebeugt die Groß­mutter. Der Wolf geht stöh­nend ein paar Schrit­te und stürzt zu Boden. An die­ser Stel­le sin­gen alle „Der Wolf ist tot” und freu­en sich. Die Kin­der kom­men nach vorn an den Büh­nen­rand. Die Leh­re­rin klatscht. Das Ver­beu­gen wird noch ein­mal geprobt. Nach Anlei­tung neh­men sie sich an die Hand, denn das erleich­tert das gleich­zei­ti­ge Ver­beu­gen. Die Leh­re­rin
klatscht wie­der. „So, wir wech­seln die Rol­len mal aus. Rot­käpp­chen kann so blei­ben” ent­schei­det Mil­ke. Eine neue Spiel­run­de beginnt.

Die Kul­tur­strol­che mit Schu­len aus dem Arns­ber­ger Stadt­ge­biet gibt es seit 2010. Den Auf­takt mach­te die Sauer­schu­le, gefolgt von der Röhr­schu­le. Die Frö­bel­schu­le kam 2011 dazu. Neu dabei ist seit 2012 die Graf-Gott­fried-Schu­le aus Neheim. Das Kul­tur­strol­che-Pro­jekt wur­de initi­iert und kon­zi­piert vom Dezer­nat für Bil­dung, Fami­lie, Jugend, Kul­tur und Sport der Stadt Müns­ter. Das Kul­tur­se­kre­ta­ri­at NRW Güters­loh über­nahm die Pro­jekt­idee und konn­te inzwi­schen 33 sei­ner Mit­glied­städ­te als Pro­jekt­part­ner gewin­nen.