VCD im HSK infor­miert: Stutt­gart 21 wackelt—neue Chan­cen für die Obe­re Ruhr­tal­bahn ?

17. Dezember 2012
von Redaktion

Dra­ma­tisch spitzt sich in die­sen Tagen die Kos­ten­la­ge um das hef­tig umstrit­te­ne Bahn­pro­jekt Stutt­gart 21 zu—und das kann durch­aus den Hoch­sauer­land­kreis mit der Obe­ren Ruhr­tal­bahn betref­fen.

Die fest­ge­leg­te Kos­ten­gren­ze von 4, 5 Mil­li­ar­den Euro  für  den von  Tei­len des Bun­des­ta­ges  gewünsch­ten und per Volks­ab­stim­mung bestä­tig­ten , unter­ir­di­schen Tief­bahn­hof S 21 kann anschei­nend nicht ein­ge­hal­ten wer­den.

Die­se Kos­ten­gren­ze war damals der Haupt­punkt der Volk­ab­stim­mung in Baden-Würt­tem­berg, die sich mehr­heit­lich für das Pro­jekt ent­schied. Nun stimmt anschei­nend die­ser wich­ti­ge Punkt  nicht mehr.

Jetzt ist die Rede von min­des­tens 1,1 Mil­li­ar­den Euro, die das Pro­jekt ver­teu­ern, wei­te­re

deut­li­che Kos­ten­an­stie­ge sind nicht aus­ge­schlos­sen, eher wahr­schein­lich.

Hin­zu kommt das bis­her man­gel­haf­te und unge­lös­te  Sicher­heits­kon­zept des Pro­jek­tes.

 

Erst­mals hat nun vor­ges­tern  DB-AG  Vor­stand Dr. Kefer die Mög­lich­keit eines Aus­stiegs

aus Stutt­gart 21 ange­spro­chen, das berich­tet STERN online www.stern.de  am 14.12.12.

Da besteht nun die Ver­bin­dung zu den Sanie­rungs­plä­nen der DB-AG auf der Obe­ren

Ruhr­tal­bahn, wo durch Rück­bau auf Ein­glei­sig­keit mit Tun­nel­sa­nie­run­gen ein­ge­spart wer­den soll.

Die­se  Ein­s­parab­sicht der im poli­ti­schen Auf­trag han­deln­den DB-AG wür­de unse­re

Regi­on beschä­di­gen und zurück­wer­fen, aus­ge­rech­net jetzt, wo die Fahr­gast­zah­len

der  Bahn wei­ter anstei­gen.

Kein ver­nünf­ti­ger Mensch käme auf die Schnaps­idee, auf einer Auto­bahn­brü­cke

ein­zu­spa­ren und jede Fahrt­rich­tung nur noch ein­spu­rig aus­zu­le­gen.

Bei der Obe­ren Ruhr­tal­bahn soll das aber im Prin­zip gesche­hen, wenn Ein­glei­sig­keit

mit  den geplan­ten Tun­nel­sa­nie­run­gen her­ge­stellt wird.

Mit der Auf­ga­be von S 21  wür­de daher kein dras­ti­scher Ein­griff­zwang  der DB-AG in

die Sub­stanz der Bahn  auf der Obe­ren Ruhr­tal­bahn mehr bestehen.

Ande­re Regio­nen und Bahn­li­ni­en müs­sen also nicht mehr wegen S 21 unter Rück­bau und

Ver­nach­läs­si­gung lei­den, Gel­der für drin­gend nöti­ge Bahn­pro­jek­te wür­den zur Ver­fü­gung

ste­hen kön­nen, wenn die Bun­des- und Lan­des­po­li­tik das beglei­ten.

Das bedeu­tet für die Obe­re Ruhr­tal­bahn im HSK, dass die­se Stre­cke zwi­schen Schwer­te

und  War­burg  (über Arns­berg und Mesche­de) end­lich moder­ni­siert und elek­tri­fi­ziert wer­den

könn­te, wenn aus S 21  schein­bar  ver­lo­re­ne Mit­tel hier sinn­voll inves­tiert wür­den.

Der  wirt­schaft­lich star­ke  HSK braucht moder­ne elek­tri­sche Schnell­bah­nen ins Ruhr­ge­biet nach Dort­mund Hbf, und zwar mit der Obe­ren Ruhr­tal­bahn und ihren Neben­bah­nen, wie z.B. der Röhr­tal­bahn.

Es ist uner­klär­lich, dass die­se  sehr wich­ti­ge Zukunfts­in­ves­ti­ti­on  im HSK in die Elek­tro­mo­bi­li­tät auf der umwelt­freund­li­chen Schie­ne  noch nicht ein­ge­lei­tet wird.

GB für VCD im HSK

16.12.12

 

Pres­se­mit­tei­lung des VCD-Bun­des­ver­ban­des,  13.12.12

Finanz­sprit­ze der DB für Stutt­gart 21 wird kei­nen Frie­den stif­ten

Mil­li­ar­den für Stutt­gart 21 belas­ten Schie­nen­aus­bau und Fahr­gäs­te

 

Das Groß­pro­jekt Stutt­gart 21 soll teu­rer wer­den, doch um wie viel genau, dass bleibt wei­ter­hin offen. DB-Vor­stand Dr. Vol­ker Kefer bezif­fer­te die Mehr­kos­ten ges­tern auf 1,1 Mil­li­ar­den, doch für soge­nann­te zusätz­li­che Risi­ken behält er sich auch Hil­fen durch den Bund und das Land Baden-Würt­tem­berg offen. Das heißt, für mög­li­che Ände­run­gen von Auf­la­gen für Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren, Zeit­ver­zö­ge­run­gen bei­spiels­wei­se durch Gerichts­ur­tei­le oder Zusatz­leis­tun­gen, die aus der Schlich­tung und dem Fil­der-Dia­log ent­ste­hen, sol­len die Pro­jekt­part­ner auf­kom­men.

Micha­el Zies­ak, Bun­des­vor­sit­zen­der des öko­lo­gi­schen Ver­kehrs­clubs VCD: „Im Grun­de genom­men gibt die Deut­sche Bahn vor, die Mehr­kos­ten erst ein­mal zu über­neh­men, aber der Bund soll nach­zie­hen. Die Schuld für wei­te­re Kos­ten, Pla­nungs- und Berech­nungs­feh­ler wird ein­fach wei­ter gege­ben. Die Poli­tik soll für Frie­den sor­gen und tut sie es nicht, soll die soge­nann­te Sprech­klau­sel gezo­gen wer­den. Mit solch einem Plan gelingt sicher kei­ne Befrie­dung.”

Der VCD befürch­tet wei­ter­hin, dass jeder Euro, den die Deut­sche Bahn zusätz­lich in Stutt­gart 21 steckt, an ande­rer Stel­le feh­len wird. Die DB AG wür­de sich durch die Auf­sto­ckung der Kos­ten um 1,1 Mil­li­ar­den Euro mehr ver­schul­den als geplant. In der Fol­ge wer­den Eigen­in­ves­ti­tio­nen in ande­re wich­ti­ge Infra­struk­tur­maß­nah­men im Schie­nen­ver­kehr zurück­ge­stellt. Und dies alles für ein Pro­jekt ohne zusätz­li­chen Nut­zen für das Sys­tem Schie­ne in Deutsch­land.

„Die Mil­li­ar­den, die die Deut­sche Bahn jetzt und in den kom­men­den Jah­ren für S 21 zusätz­lich aus­ge­ben will, wird sie sich an ande­rer Stel­le zurück­ho­len. Zum Bei­spiel über die Erhö­hung der Tras­sen­prei­se und wei­te­re Anhe­bung der Fahr­prei­se”, kri­ti­siert Micha­el Zies­ak.

Der VCD for­dert den Auf­sichts­rat der Deut­schen Bahn auf, sich nicht von den schön klin­gen­den Emp­feh­lun­gen für eine Fort­füh­rung des Pro­jek­tes blen­den zu las­sen. Die Ret­tung des Images der DB AG darf nicht über die Wirt­schaft­lich­keit und den Nut­zen eines sol­chen Groß­pro­jek­tes gestellt wer­den, zumal wei­ter­hin Fra­gen offen blei­ben. Noch haben die Tun­nel­bohr­ar­bei­ten nicht begon­nen. Noch kann die Not­brem­se gezo­gen wer­den. Am bes­ten mit dem Ein­ge­ste­hen von Feh­lern und einer Kor­rek­tur der Inves­ti­ti­ons­stra­te­gie − ohne Pres­ti­ge­pro­jek­te, dafür mit vie­len klei­nen und sinn­vol­len Netz­aus­bau­maß­nah­men.

Der Appell an die Poli­tik: Das Pro­jekt kann schon heu­te volks­wirt­schaft­lich nicht mehr sinn­voll sein. Es dür­fen daher kei­ne wei­te­ren Mit­tel für S 21 frei gemacht wer­den. Nicht heu­te und auch nicht in Zukunft.

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Anja Sme­ta­nin, VCD-Pres­se­spre­che­rin • Fon 030/280351–12 • Fax -10 • presse@HYPERLINK „javascript:linkTo_UnCryptMailto(‚qempxs.tviwwiDzgh2svk’);„vcd.org

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