„Unser täg­lich Fleisch?“

29. Mai 2016
von Redaktion

gt gt2Sun­dern. Jun­ge Uni­on Hoch­sauer­land dis­ku­tiert mit Ver­tre­tern von der Land­wirt­schafts­kam­mer NRW, Bio­land und Ani­mal Rights Watch über die Nutz­tier­hal­tung
„Unser täg­lich Fleisch?“ – zu die­ser Fra­ge ver­an­stal­te­te die Jun­ge Uni­on Hoch­sauer­land gemein­sam mit dem JU Kreis­ver­band Sie­gen-Witt­gen­stein ihre dies­jäh­ri­ge Klau­sur­ta­gung. An zwei Tagen befass­ten sich die Teil­neh­mer inten­siv mit der Nutz­tier­hal­tung. Vom Blick in einen Fer­kel­stall bis zum Besuch in einem Schlacht­haus wur­de der gan­ze Kreis­lauf der Lebens­mit­tel­pro­duk­ti­on unter die Lupe genom­men. Auch ein völ­li­ger Per­spek­tiv­wech­sel war Teil des Pro­gramms: Ist es ethisch über­haupt ver­tret­bar, Tie­re zu hal­ten? Die Klau­sur­ta­gung fand am denk­bar güns­tigs­ten Tagungs­ort statt: Auf Haus Düs­se, dem Ver­suchs- und Bil­dungs­zen­trum der Land­wirt­schafts­kam­mer NRW in Bad Sas­sen­dorf, statt. Neben Gebäu­den mit Tagungs- und Über­nach­tungs­räu­men betreibt die Land­wirt­schafts­kam­mer hier Stal­lun­gen mit meh­re­ren Tau­send Rin­dern, Schwei­nen und Hüh­nern. So star­te­te nach einem kur­zen Vor­trag über die Arbeit auf Haus Düs­se die Tagung mit einem Ein­blick in die Pra­xis. Anna-Lena Ahring und Felix Aus­ter­mann – Refe­ren­ten der Land­wirt­schafts­kam­mer NRW – führ­ten durch die Schwei­ne- und Rin­der­stäl­le und erklär­ten die unter­schied­li­chen Metho­den der Fer­kel­zucht und der Milch­vieh­hal­tung.
 
Im anschlie­ßen­den Gespräch ging es vor allem um die Ent­wick­lung des Milch­prei­ses: Der Bau­er erhält für einen Liter Mich aktu­ell nur rund 28 Cent. „Über­re­gu­lie­rung in Euro­pa, fehl­ge­lei­te­te Sub­ven­tio­nen, haus­ge­mach­te Pro­ble­me der Land­wirt­schaft; die Ursa­chen für die Mise­re in der Milch­vieh­hal­tung sind viel­fäl­tig“, bemerkt Tho­mas Becker, Kreis­vor­sit­zen­der der JU Hoch­sauer­land und stellt fest: „Als Ver­brau­cher müs­sen wir sehr genau hin­schau­en, wie viel Cent der Land­wirt wirk­lich für den Liter Milch bekommt. Es kann sehr gut sein, dass bei der teu­ren Mar­ken­milch der Auf­preis ins Mar­ke­ting und nicht an den Land­wirt gehen.“
 
Bio oder vegan als Lösung?
Jan Lei­fert, Lan­des­ge­schäfts­füh­rer von Bio­land NRW, erläu­ter­te am fol­gen­den Tag die Vor­zü­ge des Bio­land­baus: „Bio­land­bau ist die Land­wirt­schaft der Zukunft. Es macht Hoff­nung, dass das Ange­bot von Bio-Pro­duk­ten in den Super­märk­ten wächst.“ Nach dem Prin­zip „Lebens- statt Höchst­leis­tung“ set­ze sich Bio­land für eine art­ge­rech­te Tier­hal­tung ein. Sicher­ge­stellt wer­de dies, indem Bio­land-Höfe stren­ge Vor­ga­ben auf­er­legt wer­den, die das Wohl des Tie­res för­dern sol­len. Mit einem kom­plet­ten Per­spek­tiv­wech­sel for­der­te Simon Anhut, Ver­tre­ter von Ani­mal Rights Watch, die Teil­neh­mer her­aus. Das bun­des­wei­te Netz­werk lehnt die Tier­hal­tung grund­sätz­lich ab und klärt über die Mög­lich­keit einer vega­nen Land­wirt­schaft und Lebens­wei­se auf. Anhut kri­ti­siert dabei den gro­ßen Res­sour­cen­ver­brauch sowie den Aus­stoß von Treib­haus­ga­sen in der kon­ven­tio­nel­len Land­wirt­schaft. Für Dis­kus­sio­nen sorg­ten beson­ders ethi­sche Argu­men­te wie die Gleich­wer­tig­keit von Mensch und Tier oder dass Tie­ren Grund­rech­te vor­ent­hal­ten wür­den. Die letz­te Sta­ti­on – nicht nur der Klau­sur­ta­gung, son­dern täg­lich hun­der­ter Schwei­ne und Rin­der – war der Schlacht­hof Jedow­ski in Unna. Seni­or-Chef Franz Jedow­ski führ­te gemein­sam mit sei­nem Sohn Mat­thi­as durch den Betrieb und erklär­te die Pro­duk­ti­ons­ab­läu­fe von der Anlie­fe­rung der Tie­re bis zum Kühl­haus. Zur Beru­hi­gung eini­ger Teil­neh­mer lief die Pro­duk­ti­on am Wochen­en­de nicht, denn allein der Anblick der Maschi­nen und die Erklä­rung der Abläu­fe kön­nen ein mul­mi­ges Gefühl her­vor­ru­fen.
 
„Unser Ziel war es nicht, dass wir am Ende der Klau­sur­ta­gung eine gemein­sa­me Posi­ti­on für oder gegen die kon­ven­tio­nel­le Nutz­tier­hal­tung for­mu­lie­ren“, beton­te Tho­mas Becker. Viel­mehr sei es dar­um gegan­gen, sich mit dem The­ma Fleisch­pro­duk­ti­on und Ernäh­rung inten­siv aus­ein­an­der zu set­zen. „Als Ver­brau­cher ent­schei­den wir jeden Tag dar­über, was wir essen. Dar­um soll­ten wir über die unter­schied­li­chen Hal­tungs­be­din­gun­gen Bescheid wis­sen, um beim Kauf von Lebens­mit­teln bewuss­te Ent­schei­dun­gen tref­fen zu kön­nen.“