Tun­nel­sa­nie­rung? Frag die Bun­des­re­gie­rung!

17. Januar 2013
von Redaktion

Die Pro­tes­te gegen eine ein­glei­si­ge Tun­nel­sa­nie­rung an der Obe­ren Ruhr­tal­bahn sind inzwi­schen Legi­on. Damit wür­de die wich­tigs­te Bahn­stre­cke des Sauer­lan­des ekkla­tant ver­schlech­tert. Es  leuch­tet jedem Lai­en ein, dass die Leis­tungs­fä­hig­keit der Stre­cke lei­den wird, da Zug­kreu­zun­gen nur in Bahn­hö­fen oder an Aus­wei­chen mög­lich sind. Die Bahn behaup­tet dage­gen toll­kühn, die Ver­schlech­te­rung sei gering­fü­gig, “nur” ein Kapa­zi­täts­ver­lust von unter 10 Pro­zent sei zu befürch­ten. Ab 10 % müss­te das Vor­ha­ben wie­der durch die poli­ti­schen Gre­mi­en, da nimmt es nicht wun­der, dass die­se Gren­ze knapp unter­schrit­ten wird. Die Glaub­wür­dig­keit der Berech­nun­gen wird (nicht nur vor die­sem Hin­ter­grund) stark bezwei­felt. So wird der Zweck­ver­band Ruhr-Lip­pe (ZRL) ein Gegen­gut­ach­ten erstel­len las­sen.  Hier eine kur­ze Begrün­dung, ent­nom­men der ZRL-Info Nr. 60:  http://www.gruene-arnsberg.de/wp-content/uploads/2013/01/zrl-info-60.pdf
Die Arns­ber­ger Grü­nen haben sich direkt nach Ber­lin gewandt und an den ver­kehrs­po­li­ti­schen Spre­cher der Bun­des­grü­nen, Anton Hof­rei­ter. Er wird unse­re Fra­gen als Klei­ne Anfra­ge an die Bun­des­re­gie­rung auf­grei­fen. Fol­gen­de (fett gedruck­te) Fra­gen wol­len wir  stel­len:
1. gibt es sei­tens der Bun­des­re­gie­rung Zwei­fel an der Aus­sa­ge der DB Netz, der Rück­bau der Stre­cke von Zwei- auf Ein­glei­sig­keit wird eine Kapa­zi­täts­ein­schrän­kung unter­halb  10 % nach sich zie­hen, so dass kei­ne par­la­men­ta­ri­sche Befas­sung not­wen­dig ist? Bei wel­chen Bau­maß­nah­men der Ver­gan­gen­heit, die einen Rück­bau auf Ein­glei­sig­keit beinhal­te­ten, wur­den die Kapa­zi­täts­ein­schrän­kun­gen mit unter  10 % bewer­tet? Gab es bei die­sen Maß­nah­men Nach­be­wer­tun­gen? Gab es Neu­be­rech­nun­gen, die im Nach­hin­ein eine höhe­re Kapa­zi­täts­ein­schrän­kung beleg­ten? Die Glaub­wür­dig­keit der “unter 10 %” wird von vie­len Sei­ten bezwei­felt, nicht nur vom ZRL. Da die poli­ti­sche Kon­trol­le in man­chen Vor­stands­eta­gen als ner­vi­ges und abzu­blo­cken­des Übel ange­se­hen wird und Infor­ma­tio­nen über Pro­jek­te gern unter Ver­schluss gehal­ten wer­den, klagt unse­re Frak­ti­on gera­de gegen die­se gene­rel­le Pra­xis.
2. wie beur­teilt die Bun­des­re­gie­rung die Aus­sa­gen in der inter­nen Mit­ar­bei­ter­in­for­ma­ti­on von Kon­zern­vor­stand Vol­ker Kefer, die Infra­struk­tur der Bahn
An die Loka­le Pres­se
sei „nicht zukunfts­fä­hig“, weil allein für die Instand­hal­tung, die von der DB finan­ziert wer­den muss, jähr­lich ein drei­stel­li­ger Mil­lio­nen­be­trag fehlt?  Die­ses Vor­stands­schrei­ben hat bahn­in­tern für eini­gen Wir­bel gesorgt, weil es zeigt, wie absurd Pro­jek­te wie Stutt­gart 21 ange­sichts der zuneh­men­den Ver­schlech­te­rung der Infra­struk­tur sind. Kurz­fas­sung des Schrei­bens: http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/sr/2012/db_zukunftsfaehigkeit-100.pdf
3. die neue Gesetz­ge­bung sieht eine Tun­nel­auf­wei­tung zwin­gend vor, unab­hän­gig von Ver­kehrs­auf­kom­men, Stre­cken­zu­stand oder Befah­rungs­ge­schwin­dig­keit. Wie beur­teilt die Bun­des­re­gie­rung die­se feh­len­de Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen Hoch­ge­schwin­dig­keits­stre­cken und Neben­stre­cken? Wel­che tech­ni­schen Not­wen­dig­kei­ten lie­gen die­ser Gleich­be­hand­lung zugrun­de?  Hin­ter­grund der gan­zen Pro­ble­ma­tik ist das Unglück von Kaprun, als bei einem Brand in einem Tun­nel 155 Men­schen star­ben. Die aller­meis­ten, weil die Türen nicht auf­gin­gen. War­um dafür nun Tun­nel in ganz Euro­pa auf­ge­wei­tet wer­den müs­sen, konn­ten wir nicht ermit­teln. Vor allem die Gleich­be­hand­lung sämt­li­cher Stre­cken ist unsin­nig. Dar­um auch die wei­te­re Fra­ge:
4. wel­che Mög­lich­kei­ten der Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen Hoch­ge­schwin­dig­keits­stre­cken und Neben­stre­cken kann der Gesetz­ge­ber eröff­nen? Besteht z.B. die Mög­lich­keit, bei Stre­cken­ge­schwin­dig­kei­ten unter­halb einer gewis­sen Gren­ze Sanie­rungs­vor­ga­ben weni­ger restrik­tiv zu fas­sen? 130 Jah­re hat das gepasst an der Obe­ren Ruhr­tal­bahn, und es wird auch wei­ter­hin pas­sen, selbst wenn zu hof­fen ist, dass in Zukunft eine gering­fü­gi­ge Stei­ge­rung der Geschwin­dig­keit erreicht wird.  Die gene­rel­le Rege­lung “alles über 1 km Län­ge muss zwei Röh­ren haben”, die beim Elle­ring­hau­ser Tun­nel zum Tra­gen kommt, gilt für jede Neben­stre­cke eben­so wie für ICE-Renn­pis­ten zwi­schen den Groß­städ­ten.
5. der Gesamt­ver­kehrs­etat wur­de um 750 Mio auf­ge­stockt, davon 40 Mio für Bahn­in­fra­struk­tur. Die­se Mit­tel wer­den allein für Lärm­sa­nie­run­gen aus­ge­ge­ben. Wel­che Vor­ga­ben zur Ver­wen­dung von Infra­struk­tur­mit­teln gibt es, die eine bestimm­te Ver­tei­lung der Aus­ga­ben auf die ver­schie­de­nen Infra­struk­tur­be­rei­che vor­sieht? Gibt es von Sei­ten der DB Netz eine ande­re Prio­ri­tä­ten­set­zung, die vom Minis­te­ri­um nicht beach­tet wur­den (sie­he Schrei­ben Vol­ker Kefer „es fehlt jähr­lich drei­stel­li­ger Mil­lio­nen­be­trag“).  Schon in 2011 war der Etat um eine Mil­li­ar­de erhöht wor­den, und auch da gin­gen nur 10% in die Infra­struk­tur der Bahn. Ange­sichts des oben erwähn­ten Schrei­ben des Vor­stands fragt man sich, auf wel­chem Pla­ne­ten Ram­sau­er lebt. Aller­dings sorgt er schön für Bay­ern, wört­li­ches Zitat aus der faz „Ich wer­de kein Land bestra­fen, weil es exzel­lent geplant hat.“ Nach Ram­sau­ers Anga­ben lie­gen aus Bay­ern der­zeit bau­rei­fe Pro­jek­te über 1,7 Mil­li­ar­den Euro vor, aus Nord­rhein- West­fa­len hin­ge­gen nur über knapp 100 Mil­lio­nen Euro. Da lacht der Lokal­po­li­ti­ker.