Son­der­rats­sit­zung bringt noch­mals alle Vor­wür­fe gegen den Bür­ger­meis­ter auf den Tisch

29. Mai 2020
von Redaktion

Sun­dern. Gleich zu Beginn der Son­der­rats­sit­zung am gest­ri­gen Abend, wur­den auf Ver­lan­gen der CDU-Frak­ti­on und nach Abstim­mung der Rats­mit­glie­der alle Tages­ord­nungs­punk­te, die der Bür­ger­meis­ter im Vor­feld auf die Agen­da gesetzt hat­te gestri­chen. Allein der Punkt „Vor­wür­fe gegen den Bür­ger­meis­ter“ blieb bestehen, auch wenn die­ser ihn im Vor­feld gar nicht als Tages­ord­nungs­punkt auf­ge­führt hat­te.

 

Fach­be­reichs­lei­ter Mar­tin Hustadt über­nimmt die Sit­zungs­lei­tung

 

Bür­ger­meis­ter gibt Sit­zungs­lei­tung ab

 

Obwohl nicht dazu ver­pflich­tet, gab der Bür­ger­meis­ter anschlie­ßend, auf Wunsch ver­schie­de­ner Rats­mit­glie­der, die Lei­tung der Sit­zung ab und über­gab die­se an Fach­be­reichs­lei­ter Mar­tin Hustadt, und somit an eine als „neu­tral” gel­ten­de Per­son.

Die bewuss­te Täu­schung des Stadt­ra­tes im Zusam­men­hang mit dem Ver­kauf des Feri­en­park-Are­als an die Hel­ma AG; Amts­ver­wei­ge­rung in Bezug auf nicht erfolg­te Ver­hand­lun­gen mit der Hel­ma AG zur wei­te­ren Nut­zung der Park­platz­flä­che an der See­stra­ße in Ame­cke in Ver­bin­dung mit einem dar­aus resul­tie­ren­den schwe­ren finan­zi­el­len Scha­den für die Stadt Sun­dern; Amts­miss­brauch mit schwe­rem finan­zi­el­lem Scha­den für die Stadt Sun­dern bei der Beset­zung und Ein­grup­pie­rung von Mit­ar­bei­ter­stel­len im Rat­haus und Akten­ma­ni­pu­la­ti­on bei Per­so­nal­ak­ten im Zusam­men­hang mit Ein­grup­pie­run­gen von Mit­ar­bei­ter­stel­len, lis­te­te Lan­ge die sie schon häu­fig zu hören und zu lesen­den Vor­wür­fe auf.

Neu­er Vor­wurf

Ein wei­te­rer Vor­wurf war in den ver­gan­ge­nen Tagen hin­zu­ge­kom­men. Emails aus dem per­sön­li­chen Out­look-Account der ehe­ma­li­gen Bei­geord­ne­ten Katha­ri­na Gro­the, zwi­schen ihr und der Käm­me­rin Ursu­la Schnel­le, sol­len laut einem Schrei­ben ohne das Wis­sen und die Zustim­mung von Frau Gro­the ver­öf­fent­licht wor­den sein. Aus­drück­lich hat­te die ehe­ma­li­ge Bei­geord­ne­te in einem Schrei­ben erlaubt, dies im öffent­li­chen Teil der Sit­zung zu the­ma­ti­sie­ren.

Kein Streit um des Streits wil­len

Der Streit wer­de nicht geführt um des Streits wil­len, erklär­te Ste­fan Lan­ge, viel­mehr habe der Streit, der in der Kom­mu­nal­po­li­tik mitt­ler­wei­le seit eini­gen Jah­ren geführt wird, kon­kre­te Ursa­chen und hand­fes­te Grün­de. „Es geht um eine gute Ent­wick­lung unse­rer gemein­sa­men Hei­mat­stadt“, beton­te der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de.

Bür­ger­meis­ter weist Vor­wür­fe erneut ab

Den Vor­wurf der Amts­ver­wei­ge­rung wies der Bür­ger­meis­ter, eben­so wie den des Amts­miss­brauchs von sich, Den Vor­wurf der Akten­ma­ni­pu­la­ti­on wies er zurück, ver­sprach aber die Sache mit den Mails klä­ren zu las­sen.

Bür­ger­meis­ter gibt sich getrof­fen von den Vor­wür­fen

Das Amt wie von der CDU, WiSU, BfS und eini­gen wei­te­ren Rats­mit­glie­dern ruhen zu las­sen, wol­le er nur, wenn es irgend­wel­che gra­vie­ren­den Vor­wür­fe gäbe. Die Straf­an­zei­ge gegen ihn, sehe er gelas­sen, das bedeu­te ledig­lich, dass die Staats­an­walt­schaft prü­fe, ob even­tu­ell etwas vor­lie­ge. „Getrof­fen von den Vor­wür­fen bin ich schon“, so Ralph Bro­del.

CDU-Rats­mit­glied Mari­us Ross mel­de­te sich zu Wort und gab zu beden­ken, dass der neue Inves­tor des Feri­en­park­ge­län­des, die Hel­ma AG, so ver­är­gert über das Ver­hal­ten des Bür­ger­meis­ters sei, dass sie nun Gesprä­che mit die­sem kate­go­risch aus­schlie­ße. Wie sol­le ein Pro­jekt mit sol­cher Wich­tig­keit durch­ge­führt wer­den, ohne gegen­sei­ti­ge Gesprä­che, gab Ross zu beden­ken.

Stadt­käm­me­rin Ursu­la Schnel­le (Fotos: Ute Bosen)

Zu der von der Stadt­käm­me­rin Ursu­la Schnel­le erho­be­nen Beschul­di­gung der  unzu­läs­si­gen Stel­len­be­wer­tun­gen durch den Bür­ger­meis­ter und dar­aus resul­tie­ren­den zu hohen Ver­güns­ti­gun­gen, nahm sie sel­ber Stel­lung. Seit Ende 2018 habe sie und die ehe­ma­li­ge Bei­geord­ne­te Gro­the den Bür­ger­meis­ter mehr­mals auf die Sach­la­ge hin­ge­wie­sen. Bei sach­ge­rech­ter Bewer­tung wer­de die Stel­le bewer­tet, nicht der Stel­len­in­ha­ber, so die Käm­me­rin.
Wir hat­ten Akten­ein­sicht ver­lang, erklär­te dazu der stell­ver­tre­ten­de Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der CDU, Sebas­ti­an Boo­ke. Statt der Akten sei­en ihnen Kopien vor­ge­legt wor­den, bemän­gel­te er.

Hans Klein von „WiSu“, Wer­ner Kauf­mann von BfS und Sieg­fried Huff von den Lin­ken zeig­ten sich tief ent­täuscht von dem Bür­ger­meis­ter, den sie zu sei­ner Wahl im Jahr 2015 im Bünd­nis gemein­sam mit der SPD, den GRÜ­NEN und der FDP unter­stütz­ten. „Ich erwar­te eine Erklä­rung, wel­che Grün­de es für das Ver­schwei­gen des Ver­kaufs des Feri­en­park­ge­län­des gab“ for­der­te Hans Klein. „Stän­di­ge Lüge­rei und Cha­rak­ter­schwä­che“ warf ihm Wer­ner Kauf­mann vor.

FDP war­tet auf Stel­lung­nah­men

Rüdi­ger Laufmöl­ler, Frak­ti­ons­chef der FDP hät­te die Sit­zung lie­ber zu einem spä­te­ren Zeit­punkt gese­hen. Die FDP wol­le sich erst genau­er äußern, wenn Stel­lung­nah­men vom Kreis und der Staats­an­walt­schaft vor­lä­gen, so Laufmöl­ler. Er warf der CDU vor, das The­ma für Wahl­kampf­zwe­cke zu miss­brau­chen.

Ver­su­che das Kli­ma zwi­schen der Ver­wal­tung und dem Rat zu ver­bes­sern sei­en lei­der nicht gelun­gen, resü­mier­te SPD-Frak­ti­ons­chef Micha­el Ste­che­le, und warf eini­gen Rats­mit­glie­dern Dop­pel­mo­ral vor.