„Ers­ter Spa­ten­stich“ Hoch­was­ser­schutz­deich Langel

4. September 2013
von Redaktion

„Ers­ter Spa­ten­stich“ Hoch­was­ser­schutz­deich Lan­gel Rede von Karl­heinz Weißer

Arns­berg. Anläss­lich des ers­ten Spa­ten­stichs zum neu­en Hoch­was­ser­schutz­deich Lan­gel hielt Karl-heinz Wei­ßer, neu­er Geschäfts­füh­rer der Stadt­wer­ke Arns­berg, fol­gen­de Rede:

Das letz­te Hoch­was­ser im Juni 2013 in Ost- und Süd­deutsch­land mit sei­nen dra­ma­ti­schen Aus­ma­ßen hat uns dras­tisch vor Augen geführt, dass ein soge­nann­tes hun­dert­jäh­ri­ges Hoch­was­ser auch nach weni­gen Jah­ren wie­der auf­tre­ten kann. Die Hoch­was­ser­häu­fig­keit, die Hoch­was­ser­hö­he und die Hoch­was­ser­ge­schwin­dig­keit sind eben nicht ein­deu­tig bere­chen­bar, son­dern hän­gen von kli­ma­ti-schen Ver­än­de­run­gen, Wet­ter­la­gen und den Ver­än­de­run­gen ab, die die Men­schen auch in den Fluss­ein­zugs­ge­bie­ten verursachen.

Unse­re Anla­ge Lan­gel ver­sorgt rund 29.000 Ein­woh­ner im Stadt­ge­biet Arns­berg mit Trink­was­ser. Die­se Anla­ge dient im Aus­fall der Anla­ge Möh­ne­bo­gen auch als Not­was­ser­werk. Eini­ge unter uns wer­den sich sicher­lich noch dar­an erin­nern, dass bei den Hoch­was­ser­er­eig­nis­sen 2007 gro­ße Tei­le der Was­ser­ge­win­nungs­an­la­ge Lan­gel über­flu­tet wur­den. Die Fol­ge die­ser Über­flu­tung für rund 29.000 Ein­woh­ner in Arns­berg war, dass für das Trink­was­ser ein Abkoch­ge­bot vom 22. – 28.08.2007 aus­ge­spro­chen wer­den musste.

Für die betrof­fe­ne Bevöl­ke­rung bedeu­te­te dies damals, dass Was­ser, dass zur Zube­rei­tung von Spei-sen, zum Trin­ken und zum Zäh­ne­put­zen ver­wen­det wur­de, vor­her drei Minu­ten spru­delnd gekocht wer­den muss­te. Aber auch ande­re Berei­che waren von dem Abkoch­ge­bot erheb­lich betrof­fen. So muss­te z.B. in Gast­stät­ten das Was­ser zum Spü­len der Glä­ser abge­kocht wer­den. Zahn­ärz­te muss­ten ihre Pra­xen schlie­ßen, da sie ihre mit was­ser­be­trie­be­nen Boh­rer nicht mehr ein­set­zen konn­ten. In sol­chen Momen­ten wird uns ver­deut­licht, wie wich­tig sau­be­res und ein­wand­frei­es Trink­was­ser in unse­rem täg­li­chen Leben ist. Trink­was­ser ist das Lebens­mit­tel Nr. 1.

Der PFT-Skan­dal 2006, sowie die Hoch­was­ser­er­eig­nis­se 2007 waren Aus­lö­ser für enor­me Inves­ti­tio­nen sei­tens des Was­ser­be­schaf­fungs­ver­ban­des in die Was­ser­auf­be­rei­tung und in den Hoch­was­ser­schutz. Im Sep­tem­ber 2012 wur­de die neue Auf­be­rei­tungs­an­la­ge hier im Was­ser­werk Lan­gel in Betrieb ge-nom­men. In die­se Auf­be­rei­tung hat der Was­ser­be­schaf­fungs­ver­band rund 5,5 Mio. Euro inves­tiert. Sie war der ers­te wich­ti­ge Bau­stein zur Sicher­stel­lung einer ein­wand­frei­en Trink­was­ser­qua­li­tät. Eine Über­flu­tung der Was­ser­ge­win­nungs­an­la­ge birgt ein hohes Scha­dens­po­ten­ti­al, da es zu einer Ver­un­rei­ni­gung der Brun­nen und des Gewin­nungs­ge­län­des kom­men kann. Daher ist der Hoch­was­ser­schutz der zwei­te wich­ti­ge Bau­stein im Rah­men eines Mul­ti­bar­rie­ren­kon­zep­tes zur Siche­rung einer ein­wand­frei­en Trinkwasserqualität.

In den Hoch­was­ser­schutz inves­tiert der Was­ser­be­schaf­fungs­ver­band  nun­mehr wei­te­re rund 1,7 Mio. Euro. Hin­zu kom­men noch ein­mal rund 300.000 Euro für Aus­gleichs­maß­nah­men. Für die­se Maß­nah­men bekommt der Ver­band kei­ner­lei För­der­mit­tel. Fast 6 Jah­re dau­er­te die Pla­nung des Dei­ches. Ein wesent­li­cher Punkt in der Pla­nungs­pha­se war die Fest­le­gung der Deicht­ras­se. Hier muss­te ein Kom­pro­miss zwi­schen dem Trink­was­ser­schutz und der Was­ser­wirt­schaft gefun­den wer-den. Die einen woll­ten den Deich mög­lichst dicht an der Ruhr haben, die ande­ren mög­lichst weit entfernt.

Es wur­den ver­schie­de­ne Deicht­ras­sen betrach­tet und ver­gli­chen. Letzt­end­lich konn­te ein Kom-pro­miss gefun­den wer­den, der von allen Betei­lig­ten mit getra­gen wur­de. Um den Anfor­de­run­gen des Trink­was­ser­schut­zes, des Hoch­was­ser­schut­zes und des Umwelt­schut­zes best­mög­lich gerecht zu wer­den, wur­den im Pla­nungs­pro­zess sechs Vari­an­ten hin­sicht­lich ihrer Rea­li­sier­bar­keit betrach­tet und deren Vor- und Nach­tei­le abgewogen.

Der in der Umwelt­ver­träg­lich­keits­stu­die unter öko­lo­gi­schen Aspek­ten aus­ge­führ­te Vari­an­ten­ver-gleich zeigt, dass die Lösungs­va­ri­an­te auch die land­schafts­öko­lo­gisch bes­te Vari­an­te dar­stellt. Durch die Begren­zung des Bau­zei­ten­fens­ters und ein­griffs­mi­ni­mie­ren­der Maß­nah­men wie dem Ein­satz des Spe­zi­al­ver­fah­rens der Gras­so­den-Ver­pflan­zung, wer­den die Aus­wir­kun­gen der erfor­der­li­chen Hoch­was­ser­schutz­maß­nah­me auf das Öko­sys­tem so gering wie mög­lich gehalten.

Durch das auf­wän­di­ge Ver­pflan­zen der ca. 3 m² gro­ßen Gras­so­den inkl. 30 cm Ober­bo­den kann die arten­rei­che Vege­ta­ti­on der exten­siv bewirt­schaf­te­ten Grün­flä­chen im Bereich des Vor­lan­des und der was­ser­sei­ti­gen Deich­bö­schung wei­test­ge­hend erhal­ten wer­den. Die gewähl­te Vari­an­te stellt somit den best­mög­li­chen Kom­pro­miss dar, um den glei­cher­ma­ßen wich­ti­gen Belan­gen von Trinkwasser‑, Hoch­was­ser und Umwelt­schutz gerecht wer­den zu können.

Wel­che kon­kre­ten Maß­nah­men sind geplant: Der Hoch­was­ser­schutz zur Siche­rung der ruhr­sei­ti­gen Brun­nen­gal­le­rie besteht aus drei Teil­be­rei­chen. Zum einen aus einem ca. 600 m lan­gen Erd­deich. Für den Deich müs­sen rund 14.000 m³ Boden ein­ge­baut wer­den. Der zwei­te Bereich ist eine ca. 220 m lan­ge Spund­wand und der drit­te Bereich ist eine Vor­land­ab­dich­tung. Das Vor­land zwi­schen Deich und Ruhr bekommt eine rund 18.000 m² gro­ße Abdich­tung aus Bentonit-Bahnen.

Mit einer Höhe von etwa 1,80 m gewähr­leis­tet der Deich, dass mit hoher Wahr­schein­lich­keit das Was­ser­ge­win­nungs­ge­län­de nicht mehr über­flu­tet wird. Mit den Bau­ar­bei­ten zum Hoch­was­ser­schutz wur­de am 5. August begon­nen. Die Fer­tig­stel­lung des Hoch­was­ser­schut­zes ist für den 15. März 2014 geplant.

Der Zeit­plan für die Bau­aus­füh­rung der  Maß­nah­me hängt maß­geb­lich von den Auf­la­gen des Um-welt­schut­zes ab. In der Umwelt­ver­träg­lich­keits­stu­die wird ein Bau­zei­ten­fens­ter vom 01. August bis 15. März vor­ge­ge­ben, um die Bau­tä­tig­kei­ten gesi­chert außer­halb der Brut- und Wochen­stu­ben­zei­ten von Vögeln und Fle­der­mäu­sen durch­zu­füh­ren. Die­ses enge Zeit­fens­ter erschwert die Aus­füh­rung, da vie­le Arbei­ten bei schlech­ter Wit­te­rung nicht oder nur unter erschwer­ten Bedin­gun­gen aus­ge­führt wer­den können.