Ego­is­tisch oder hilfs­be­reit? Gedul­dig oder aktiv?

15. Juni 2016
von Redaktion

Semi­nar bringt Deut­sche, Afri­ka­ner und Ara­ber über Wert­vor­stel­lun­gen ins Gespräch.
1605-Egoistisch oder hilfsbereit-3Mesche­de. Män­ner und Frau­en aus Tan­sa­nia haben ande­re Wer­te als evan­ge­li­sche Sauer­län­der, ihre jewei­li­gen Rol­len in der Gesell­schaft und in der Kir­che unter­schei­den sich. Das the­ma­ti­sier­te ein Semi­nar aus der Ver­an­stal­tungs­rei­he „Kul­tur trifft Kul­tur“ Mit­te Mai im Gemein­sa­men Kir­chen­zen­trum. Ange­regt von und in Zusam­men­ar­beit mit Mar­got Bell, Pfarr­rein für Mis­si­on, Öku­me­ne und Welt­ver­ant­wor­tung, hat­ten Susan­ne Schul­ze von der Ev. Erwach­se­nen­bil­dung und Dia­ko­nie­pfar­rer Peter Sinn und Mit­glie­der des Part­ner­schafts­aus­schus­ses einen Nach­mit­tag zum The­ma „Rol­len­ver­ständ­nis von Män­nern und Frau­en in Afri­ka und Deutsch­land“ erar­bei­tet. Über 30 Men­schen mach­ten mit, dar­un­ter: die Dele­ga­ti­on aus dem tan­sa­ni­schen Part­ner­kir­chen­kreis  Ihem­ebe, Dia­ko­nie-und Öku­me­ne – Pres­by­ter aus dem Kir­chen­ge­mein­den, die Mit­glie­der des Part­ner­schafts­aus­schus­ses und Män­ner und Frau­en, die ehren­amt­lich als Dol­met­scher in der Flücht­lings­ar­beit tätig sind.
Ein pan­to­mi­mi­sches Begrü­ßungs­spiel brach­te alle in Schwung und zum Lachen. Höhe­punkt war die Aus­ein­an­der­set­zung mit der Geschich­te von Rosi, die mit Georg ver­lobt ist. Zwi­schen ihm und ihr: ein Fluss mit Kro­ko­di­len. Sieg­fried will sie nur mit sei­nem Boot über­set­zen, wenn sie die Nacht mit ihm ver­brin­gen. Fre­de­rick ver­steht ihr Pro­blem, will ihr aber nicht hel­fen, da es nicht seins ist. So ver­bringt Rosi die Nacht mit Sieg­fried. Er bringt sie ans ande­re Ufer. Sie und Georg sind froh, doch vor der Hoch­zeit gesteht sie ihm, dass sie mit Sieg­fried geschla­fen hat. Georg ist empört. Auf kei­nen Fall will er sie mehr hei­ra­ten. Dani­el hört ihre Geschich­te, liebt sie nicht, bie­tet ihr aber die Hei­rat an.
In nach Natio­na­li­tät und Geschlecht getrenn­ten Klein­grup­pen bewer­te­ten die Teil­neh­men­den das Ver­hal­ten der Per­so­nen. Wer ist der mora­li­sche Star? Rosi, die alles dafür tut, um ihren Ver­lob­ten zu tref­fen? Oder Georg, der war­ten kann? Ist Fre­de­rick ein Ego­ist oder kann er sich abgren­zen? Ist Mit­leid ein akzep­ta­bler Hei­rats­grund? Danach wur­den die Ergeb­nis­se in mul­ti­na­tio­na­le Män­ner- und Frau­en­grup­pen und am Ende im Ple­num dis­ku­tiert. Auf allen Gesprächs­ebe­nen wur­den unter­schied­li­che Wert­vor­stel­lun­gen durch per­sön­li­che Geschich­ten ver­mit­telt. Es gab grup­pen­über­grei­fen­de Über­ein­stim­mun­gen. Nicht alle aus einer Kul­tur leben nach den­sel­ben  Wer­te, gleich­zei­tig gibt es kul­tur­ge­bun­de­ne Über­ein­stim­mun­gen. Deut­lich wur­de: Wenn wir uns ein­an­der unse­re Geschich­ten anver­trau­en, kommt es zu Aha-Effek­ten, zu Ver­ständ­nis. Das Hin­ter­fra­gen eige­ner Wert­ur­tei­le wird vor­stell­bar. Vor­aus­set­zung dafür sind gegen­sei­ti­ger Respekt und Zeit und Raum fürs Reden und Hören. Hilf­reich erwies sich der Bei­trag eines Nehei­mer Fami­li­en­be­ra­ters. Er wider­sprach dem Vor­ur­teil, nur in ara­bi­schen oder afri­ka­ni­schen Län­dern sei Gewalt von Män­nern gegen Frau­en akzep­tiert. In sei­nem Beruf erfah­re er, wie häu­fig in deut­schen Fami­li­en Frau­en unter gewalt­tä­ti­gen  Män­nern lei­den. Und wie wich­tig es ist, mit Tätern und Opfern ins Gespräch zu kom­men, respekt­voll zuzu­hö­ren, um zu ver­ste­hen, wie die ein­zel­nen geprägt sind und war­um sie wie han­deln. Beein­dru­ckend war wäh­rend des gan­zen Nach­mit­tags, wie enga­giert Pfar­rer Burk­hard Krie­ger vom Part­ner­schafts­aus­schuss, Anna-Fran­zis­ka Pich und Susan­ne Will­mes, die Beauf­trag­ten für ehren­amt­li­che Flücht­lings­ar­beit, und ein Syrer aus Hüs­ten alle Aus­sa­gen in Kisua­he­li, Eng­lisch und Ara­bisch  über­setz­ten und so das Gespräch über Gren­zen hin­weg in Fluss hiel­ten. In der Schluss­run­de bedank­ten sich alle Teil­neh­men­den für die fan­tas­ti­sche Vor­be­rei­tung, die krea­ti­ven Metho­den und die Nähe, die sie mit­ein­an­der und unter­ein­an­der erlebt haben.
 
Text u Bil­der: KKB  Mehr Berich­te vom Part­ner­schafts­be­such auf: http://www.kirchenkreis-arnsberg.de/
 
Bild­un­ter­schrif­ten:

  1. Freund­li­che Begeg­nun­gen beim Begrü­ßungs­spiel
  2. Die Ergeb­nis­se der Klein­grup­pen wer­den sicht­bar.
  3. Es ent­steht ein inter­kul­tu­rel­les Gespräch