Nicht alle Betrie­be lei­den in ihrer Exis­tenz unter der Coro­na Pan­de­mie – Umfra­ge der Hand­werks­kam­mer offen­bart Unter­schie­de in der Krise 

20. Februar 2021
von Redaktion

 

Fol­gen der Coro­na-Pan­de­mie in Süd­west­fa­len diver­gie­ren. Betrof­fe­ne Betrie­be brau­chen ver­läss­li­che Unlock-Perspektiven.

Zuhö­ren – ver­ste­hen – han­deln … und natür­lich hel­fen: Im Kon­takt mit den von der Coro­na­kri­se betrof­fe­nen Betrie­ben ist das die Leit­schnur der Hand­werks­kam­mer Süd­west­fa­len und der Kreis­hand­wer­ker­schaf­ten (Hoch­sauer­land, Mär­ki­scher Kreis, West­fa­len Süd) im Kam­mer­be­zirk  seit nun­mehr einem Jahr. Aus den Betriebs­be­ra­tun­gen her­aus flos­sen vie­le Erkennt­nis­se über Pro­ble­me wie auch Anre­gun­gen der Hand­werks­un­ter­neh­men in die Kon­tak­te zu Politiker*innen, zu den Ver­wal­tun­gen sowie Ban­ken ein. Mit der aktu­el­len Umfra­ge schaf­fen die Hand­werks­or­ga­ni­sa­tio­nen eine fun­dier­te und soli­de Argu­men­ta­ti­ons­ba­sis in der Krisenbewältigung.

Ein­bli­cke in Stim­mungs­la­ge der Unternehmen

Die Gra­fik der Hand­werks­kam­mer Süd­west­fa­len zeigt die Unter­schied­li­chen Aus­wir­kun­gen der Pan­de­mie auf die Unternehmen.

Sehr erfreu­lich ist, dass mehr als 27 Pro­zent der per E‑Mail in Süd­west­fa­len ange­schrie­be­nen Betrie­be, die 17.530 Beschäf­tig­te reprä­sen­tie­ren, den Umfra­ge­link ange­klickt haben. „Die Ant­wor­ten waren sicher teils zu erwar­ten, teils wur­den wei­te­re Facet­ten sicht­bar. Beson­ders die Frei­textant­wor­ten geben einen tie­fen Ein­blick in die Stim­mungs­la­ge und wert­vol­le Hin­wei­se für unser wei­te­res Han­deln“, sagt Kam­mer­prä­si­dent Jochen Renfordt.

Die Aus­wer­tung der Daten zeigt, wie unter­schied­lich das Hand­werk in Süd­west­fa­len von den Aus­wir­kun­gen der Pan­de­mie in Mit­lei­den­schaft gezo­gen ist. Mehr als ein Drit­tel der Betrie­be gab an, stark bis hin zu exis­tenz­be­dro­hend betrof­fen zu sein. Gleich­zei­tig mel­de­ten 41,5 Pro­zent der Betrie­be, gar nichts bzw. nur wenig zu verspüren.

Geschäfts­mo­del­le weiterentwickelt

Mit einem erstaun­lich hohen Anteil von bei­na­he zwei Drit­teln der an der Umfra­ge teil­neh­men­den Betrie­be zeigt das Hand­werk in vie­len Beru­fen sei­ne Resi­li­enz gegen die kri­sen­be­ding­ten Beein­träch­ti­gun­gen. Die­se rührt vor allem daher, dass Unter­neh­men ihre Geschäfts­mo­del­le ent­spre­chend fort­ent­wi­ckeln bzw. auch neu­ge­stal­ten konn­ten und die indus­trie­na­hen Gewer­ke inzwi­schen vom Wie­der­erstar­ken der dor­ti­gen Nach­fra­ge profitieren.

Star­ke unter­schie­de in Gewer­ken und Regionen

Ins­ge­samt bestä­ti­gen die Rück­mel­dun­gen die Ein­drü­cke aus den vie­len Bera­tun­gen durch die Mitarbeiter*innen der Kam­mer sowie der Kreis­hand­wer­ker­schaf­ten und unter­mau­ern die Unter­schied­lich­keit der Betrof­fen­heit nach Gewer­ken und zum Teil auch Regionen.

Mehr als ein Drit­tel der Unter­neh­men schwer in Mit­lei­den­schaft gezogen

Wenn jedoch mehr als ein Drit­tel der Unter­neh­men stark von den Aus­wir­kun­gen der Pan­de­mie betrof­fen ist, dann ist das ein deut­li­ches Signal an die Poli­tik, die­se Hand­wer­ke ver­stärkt in den Blick zu neh­men. „Ein dro­hen­der Ader­lass von so vie­len Betrie­ben wür­de die Ver­sor­gungs­si­cher­heit der Bevöl­ke­rung und der Wirt­schaft mit hand­werk­li­chen Waren und Dienst­leis­tun­gen nach­hal­tig gefähr­den“, fürch­tet Kam­mer­prä­si­dent Ren­fordt. „Da muss nicht nur nach­jus­tiert wer­den, da muss drin­gend nach­ge­legt werden!“

Bestä­tigt wird die diver­gen­te Betrof­fen­heit des süd­west­fä­li­schen Hand­werks durch die unglei­chen Umsatz­ent­wick­lun­gen in den zurück­lie­gen­den zwölf Mona­ten. Bei mehr als einem Drit­tel der Betrie­be sank die­ser im Ver­gleich zum Jahr vor der Pan­de­mie auf unter 50 Pro­zent, auch wenn fast 40 Pro­zent der ant­wor­ten­den Betrie­be ihre Umsät­ze mit größer/gleich 90 Pro­zent ange­ben. Ein­her gin­gen die­se Erlös­ver­lus­te mit einem Abbau von Beschäf­ti­gung, der durch die gel­ten­den Rege­lun­gen zum Kurz­ar­bei­ter­geld aber zum Glück weit­ge­hend auf­ge­fan­gen wer­den konnte.

Hilfs­pa­ke­te sichern vie­len das Überleben

Trotz­dem bleibt zu kon­sta­tie­ren: Ohne den Zugriff auf betrieb­li­che und pri­va­te (Alters­vor­sor­ge-) Rück­la­gen und ohne die Hilfs­pa­ke­te von Bund und Land, auch wenn sie bei wei­tem nicht allen betrof­fe­nen Unter­neh­men hal­fen, wären vie­le die­ser Unter­neh­men wahr­schein­lich schon nicht mehr am Markt. Ein Pro­blem ist zudem, dass die Ein­zel­kämp­fer es schwe­rer haben als ande­re. Hier sind z. B. vie­le Kos­me­tik­be­trie­be und Nagel­stu­di­os oder Foto­gra­fen betrof­fen. Das erklärt auch, war­um nur ins­ge­samt 32 Pro­zent der an der Umfra­ge teil­neh­men­den Betrie­be das Instru­ment der Kurz­ar­beit nutz­ten bzw. nut­zen konnten.

Hil­fen kom­men an

Bean­tragt haben die ver­schie­de­nen Hilfs­pa­ke­te rund 48 Pro­zent der Umfra­ge­teil­neh­mer und nur 13 Pro­zent haben bis­lang kei­ne Zah­lun­gen erhal­ten. Erfreu­lich dabei ist, dass 65 Pro­zent der Befrag­ten die Antrag­stel­lung als „ein­fach“ bezeich­nen, was beson­ders auf die Umset­zung der ers­ten Sofort­hil­fe zurück­zu­füh­ren ist. Aktu­ell zeich­net sich in die­sem Bereich das Pro­blem ab, dass mehr als 44 Pro­zent der Umfra­ge­teil­neh­mer erhal­te­ne Hil­fen zumin­dest teil­wei­se wer­den zurück­zah­len müs­sen. Auch wenn es juris­tisch betrach­tet kor­rekt ist, müs­sen nach Auf­fas­sung der Hand­werks­or­ga­ni­sa­ti­on in Süd­west­fa­len Poli­tik und Ver­wal­tung hier drin­gend nach­steu­ern. Sonst wer­den unnö­tig Betrie­be in Gefahr gebracht.

Ins­ge­samt ist ein hoher Bera­tungs­be­darf der Betrie­be fest­zu­stel­len. Dem konn­te mit dem sehr enga­gier­ten Ein­satz der Betriebsberater*innen in der Hand­werks­or­ga­ni­sa­ti­on nach­ge­kom­men wer­den. Mit dem fort­dau­ern­den Lock­down ver­schär­fen sich ins­be­son­de­re die Liqui­di­täts­nö­te der Unter­neh­men und vie­le die­ser Bera­tun­gen ste­hen zuneh­mend im Zusam­men­hang mit der Bean­tra­gung von soge­nann­ten Coro­na-Hil­fen. Es muss also dafür Sor­ge getra­gen wer­den, dass die noch anste­hen­den und die zusätz­lich erfor­der­lich wer­den­den Pake­te unbü­ro­kra­tisch bean­tragt wer­den kön­nen und die Mit­tel schnell bei den not­lei­den­den Betrie­ben ankommen.

 

(Quel­le: Hand­werks­kam­mer Südwestfalen)