Kul­tur nach „Möh­ne­see-Art“ ist inzwi­schen leben­di­ge Tradition

29. April 2014
von Redaktion

Drüg­gel­ter Kunst-Stück­chen fei­ern 25jähriges Jubi­lä­um mit „Pau­ken und Trompeten“

IMG_2816Möh­ne­see (Kreis Soest) Über 25 Jah­re hin­weg haben es die Drüg­gel­ter Kunst-Stück­chen jedes Jahr aufs Neue ver­stan­den, ihren Gäs­ten zau­ber­haf­te Momen­te zu ver­schaf­fen. Anläss­lich des „sil­ber­nen Jubi­lä­ums“ las­sen wir gern die zurück­lie­gen­den Jah­re Revue passieren.

 

Nach dem Erfolgs­re­zept gefragt, ist sich Mecht­hild Schul­te-Drüg­gel­te sicher: Ein außer­ge­wöhn­li­cher Ort, Men­schen, die sich dort wohl­füh­len und für Kunst und Natur begeis­tern. Um mit Goe­the zu spre­chen: „Es muss von Her­zen kom­men, was auf Her­zen wir­ken soll.” Sie erin­nert sich leb­haft an die Geburts­stun­den von West­fa­lens kleins­tem aber fei­nem Fes­ti­val. Kunst und Kul­tur auf dem Land erleb­bar zu machen, war von Anfang an Anlie­gen der Initia­to­ren. Bereits 1989 berie­ten Her­bert Sas­se und das Ehe­paar Schul­te-Drüg­gel­te, wie es mög­lich sei, nam­haf­te Künst­ler an den Möh­ne­see zu holen und ihre Auf­trit­te in ein Ver­an­stal­tungs­kon­zept ein­zu­bin­den, das zur Regi­on passt, das die „west­fä­li­sche Eigen­art ” (Fried­helm Acker­mann) präsentiert.

 

Schnell stand der Ort fest: Die his­to­ri­schen Drüg­gel­ter Höfe soll­ten es sein. Regi­ne Geb­hard, eben­falls Mäze­nin der ers­ten Stun­de, gab dem Fes­ti­val sei­nen prä­gnan­ten Namen – die Drüg­gel­ter Kunst-Stück­chen waren gebo­ren. Da die his­to­ri­sche Kapel­le an einem Pfingst­fest ihre ers­te urkund­li­che Erwäh­nung fand, stand der Ter­min bald fest. Das Signet, das nach wie vor Ver­wen­dung fin­det, spie­gelt den Leit­ge­dan­ken der Kunst-Stück­chen wie­der: Köst­lich­kei­ten für Leib und Seele.

 

Wei­te­re Unter­stüt­zer kamen hin­zu und bil­de­ten den ers­ten Arbeits­kreis. So hat­ten auch Hei­de­ma­rie Jar­muth und Hen­ner Käte­lhöhn, spä­ter auch Hans – Bern­hard The­o­pold, Kon­tak­te zu Künst­lern aus der Regi­on oder dar­über hin­aus. MAF Räder­scheid aus Köln, das west­fä­li­sche Jugend­kam­mer­or­ches­ter und die Leip­zi­ger Blech­blä­ser begeis­ter­ten die Gäs­te genau­so bei der Pre­mie­re wie die male­ri­sche Umge­bung. Zunächst noch ein „Geheim­tipp“, fan­den die Drüg­gel­ter Kunst-Stück­chen schnell immer mehr Bewun­de­rer. Um wei­ter­hin Kon­tak­te in den Osten Deutsch­lands zu pfle­gen, enga­gier­te der Arbeits­kreis auch in den fol­gen­den Jah­ren vie­le Künst­ler aus aus der ehe­ma­li­gen DDR, und die Leip­zi­ger Blech­blä­ser wur­den belieb­te Stammgäste.

 

Da Bern­hard Schul­te-Drüg­gel­te sein poli­ti­sches Amt immer mehr in Anspruch nahm, über­nahm sei­ne Frau die Mit­ge­stal­tung des Fes­ti­vals. Immer mit dabei war die Fami­lie Schul­ze aus Drüg­gel­te, die vor und wäh­rend des Fes­ti­vals tat­kräf­tig Unter­stüt­zung leistete.

 

Was heu­te nur noch weni­ge wis­sen: Der bekann­te Kron­leuch­ter in der Kon­zert­scheu­ne ist die Replik eines berühm­ten Barock­kan­de­la­bers. Die Leuch­ten­werk­stät­ten Jar­muth stell­ten frü­her his­to­ri­sche Rekon­struk­tio­nen her. Ein Leuch­ter wur­de in der Kon­zert­scheu­ne auf­ge­hängt, und alle waren begeis­tert von sei­ner Aus­strah­lung. Fami­lie Schul­te-Drüg­gel­te erwarb ihn, und so ver­blieb er bis heu­te an sei­nem Platz und ver­leiht dem Kon­zert­haus durch sei­nen präch­ti­gen Glanz eine unver­wech­sel­ba­re Atmosphäre.

 

Nicht mehr weg­zu­den­ken ist die bil­den­de Kunst im rus­ti­ka­len Rah­men. Auch hier zei­gen sich die Kon­tak­te zu Künst­lern aus der Regi­on oder über­re­gio­nal täti­gen Malern oder Bild­hau­ern mit regio­na­len Wur­zeln. Die „Vier Jah­res­zei­ten”, Skulp­tu­ren, die einen fes­ten Platz unter den alten Kas­ta­ni­en gefun­den haben, hat Edda Tub­be­sing aus Arns­berg geschaf­fen. Bei der Wahl der Akteu­re geht der Arbeits­kreis immer wie­der unkon­ven­tio­nel­le Wege, sei es bei Instal­la­tio­nen durch jun­ge Leip­zi­ger Künst­ler oder bei Lichtilluminationen.

 

Immer belieb­ter wur­de das Kin­der­pro­gramm. Ent­wi­ckelt hat es sich aus dem „Markt der Musen“, der nicht nur, aber auch für Kin­der gedacht war. Über die Jah­re hin­weg waren die Mal­schu­le Soest, die Musik­schu­le Soest und vie­le wei­te­re krea­ti­ve Geis­ter unter­stüt­zend tätig, um Kin­der spie­le­risch an die Kunst her­an­zu­füh­ren. Die För­de­rung jun­ger Künst­ler, sei es durch ein Enga­ge­ment im Rah­men der Kunst­stück­chen oder sogar durch ein eigens gegrün­de­tes „Drüg­gel­ter Fes­ti­val Orches­ter” (2003 – 2009) unter der Lei­tung von Bernd Udo Win­ker, waren immer ein Anlie­gen des Arbeitskreises.

 

Was 1990 anläss­lich der deut­schen Wie­der­ver­ei­ni­gung begann, füh­ren enga­gier­te Men­schen nach wie vor gern und mit Enga­ge­ment fort. Mit viel Fin­ger­spit­zen­ge­fühl hat der Arbeits­kreis die Ver­or­tung zwi­schen Anspruch und Popu­la­ri­tät immer wie­der gut gesetzt. Dabei gelang es, gro­ße Namen zu prä­sen­tie­ren, dar­un­ter Domi­ni­que Hor­witz, Prof. Jus­tus Franz, Prof. Fritz Muli­ar, Paul Kuhn oder bekann­te Orches­ter wie die Bochu­mer Sym­pho­ni­ker oder das Scharoun Ensem­ble der Ber­li­ner Philharmoniker.

 

25 Jah­re Drüg­gel­ter Kunst-Stück­chen, das ist leben­di­ge Tra­di­ti­on. Das gilt es die­ses Jahr mit einem beson­de­ren Pro­gramm zu fei­ern – und zwar „mit Pau­ken und Trom­pe­ten“, so das Mot­to der 25. Drüg­gel­ter Kunst-Stückchen.

 

Hin­ter­grund

Die Drüg­gel­ter Kunst-Stück­chen sind das wohl kleins­te Fes­ti­val West­fa­lens und ein Lecker­bis­sen für Musik- und Kunst­lieb­ha­ber. Musi­ker stim­men ihre Instru­men­te hin­ter der Scheu­ne, hän­gen ihren Frack am Holz­bal­ken auf. Gäs­te haben unmit­tel­ba­ren Kon­takt zu den Künst­lern. Das ist die beson­de­re Atmo­sphä­re der Drüg­gel­ter Kunst-Stück­chen. Ein Genuss für Augen, Ohren und See­le. Drei Akti­ons­or­te prä­gen das Bild des klei­nen, aber fei­nen Festivals.

 

In der Kon­zert­scheu­ne taucht ein pracht­vol­ler Kron­leuch­ter Kunst­ob­jek­te und Büh­ne in glanz­vol­les Licht. Dort fin­den die grö­ße­ren Kon­zer­te statt. Wenn der Diri­gent den Stab zum Fest­kon­zert erhebt, ange­strahlt im fest­li­chen Licht des Kron­leuch­ters, sind die Gäs­te schnell gefan­gen von der ein­zig­ar­ti­gen Atmosphäre.

 

Neben den aus­ge­stell­ten Skulp­tu­ren erle­ben die Besu­cher auf der Wie­se unter hun­dert­jäh­ri­gen Kas­ta­ni­en­bäu­men zum Bei­spiel den Jazz-Früh­schop­pen. Am Sonn­tag­nach­mit­tag ist die Wie­se Anzie­hungs­punkt für die klei­nen Gäs­te. Bei den Kin­der-Kunst-Stück­chen ler­nen die Klei­nen klas­si­sche Musik schät­zen und lie­ben. Im his­to­ri­schen Back­haus kön­nen sich die Fes­ti­val­be­su­cher stär­ken und erfri­schen. Nach aus­gie­bi­gem Kul­tur­ge­nuss, ist dies der Ort für Gau­men­freu­den. In unge­zwun­ge­ner Atmo­sphä­re ent­ste­hen schnell Gespräche.

 

Mit­tel­punkt des Gesche­hens ist die geheim­nis­vol­le Drüg­gel­ter Kapel­le. Ihre ein­zig­ar­ti­ge Akus­tik über­rascht selbst ver­wöhn­te Ohren immer wie­der aufs Neue. Dort sit­zen die Besu­cher eng zusam­men, lau­schen und sehen, wie Musik ent­steht. Kam­mer­kon­zer­te, Solodar­bie­tun­gen und Welt­mu­sik set­zen beson­de­re Akzen­te an die­sem sagen­um­wo­be­nen Ort.

 

Fes­ti­val­kar­ten sind im Vor­ver­kauf über das Hell­weg-Ticket-Sys­tem www​.hell​weg​-ticket​.de und bei der Tou­ris­tik GmbH Möh­ne­see erhält­lich. Info: www​.drueg​gel​ter​-kunst​-stu​eck​chen​.de.