Kul­tur­ring Mesche­de: Täto­wie­run­gen als künst­le­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zung

20. August 2019
von Redaktion

In sei­ner Aus­stel­lung zeigt der Mesche­der Kul­tur­ring ein­mal etwas Unge­wöhn­li­ches: die künst­le­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit dem The­ma Täto­wie­rung in Wer­ken von Lio­ba Schmidt. (Foto: pri­vat)

Mesche­de. Nach der letz­ten, eher kon­ser­va­ti­ven Aus­stel­lung mit Wer­ken des vor 50 Jah­ren ver­stor­be­nen Mesche­der Malers Hein­rich Kniff­ka, in der vor­wie­gend Aqua­rel­le gezeigt wur­den, möch­te der Kul­tur­ring nun ein­mal einer jun­gen Künst­le­rin Raum geben, zu zei­gen, wie sie sich in der heu­ti­gen Zeit mit künst­le­ri­scher Dar­stel­lung aus­ein­an­der­setzt.

Lio­ba Schmidt aus Sied­ling­hau­sen erhielt 2015 den August-Macke-För­der­prei­ses des Hoch­sauer­land­krei­ses. Heu­te Täto­wie­run­gen sind ein beson­de­res The­ma ihrer künst­le­ri­schen Arbeit. Dabei behan­delt sie ver­schie­de­ne Aspek­te des Täto­wiert-Seins und ‑Wer­dens. Sie nähert sich der The­ma­tik auf fra­gen­de und spie­le­ri­sche Art und Wei­se, pro­biert sich selbst aus oder erforscht, wie in ihrem Umfeld sowie in der Gesell­schaft mit dem Täto­wie­ren umge­gan­gen wird.

Täto­wie­ren als kör­per­li­cher Ver­trau­ens­akt

In ihrer künst­le­ri­schen Arbeit zeigt sie hier das Täto­wie­ren als kör­per­li­chen Ver­trau­ens­akt. In den Auf­nah­men z. B. sind zwei Freun­din­nen zu sehen: Die Eine täto­wiert die Ande­re. In der Aus­stel­lung wird Schmidts Fas­zi­na­ti­on, wie Täto­wie­run­gen mit der Haut ver­schmel­zen und wie Moti­ve sich mit dem Kör­per ver­bin­den, deut­lich. Sie zeigt Inhal­te, die sich zwi­schen Inti­mi­tä­ten und Ober­fläch­lich­kei­ten bewe­gen. Kör­per und Kör­per­lich­kei­ten ste­hen dabei im Fokus. Lio­ba Schmidts künst­le­ri­sche Arbeit kon­zen­triert sich in die­ser Kul­tur­ring-Aus­stel­lung auf Druck­gra­fi­ken und Vide­os, in denen male­ri­sche Ele­men­te vor­kom­men.

So über­trägt sie in einem Video Schlan­gentat­toos von Bil­dern aus dem sozia­lem Netz­werk auf ihren Kör­per, solan­ge, bis ihre Bei­ne kom­plett von den Moti­ven bedeckt sind; dabei ver­weist Sie auf die Wech­sel­wir­kung, die zwi­schen hoch­ge­la­de­nen Bil­dern und dem rea­len Ver­än­dern des Kör­pers ent­steht.

Bedeu­tung von Tat­toos ist ambi­va­lent

In der Aus­stel­lung in der Alten Syn­ago­ge unter dem Titel „Unter­haut“ behan­delt sie in wei­te­ren Arbei­ten den Ein­fluss von sozia­len Medi­en auf die Motiv­aus­wahl und auf die Ent­schei­dung, sich über­haupt täto­wie­ren zu las­sen. Sie beob­ach­tet, wie Moti­ve adap­tiert und in ande­re Kon­tex­te über­führt wer­den. Die Bedeu­tung eines Tat­toos ist ambi­va­lent und kann sich wan­deln. Im sozia­len Netz­werk wird das Tei­len der Tat­toos gefei­ert. Schmidt ver­ar­bei­tet Kom­men­ta­re aus Insta­gram in ihren Druck­gra­fi­ken. Zei­len wie „hell yes“, als Aus­ruf der Begeis­te­rung, oder „I need this“, als Bedürf­nis nach neu­er Täto­wie­rung, wer­den gleich­wer­tig mit Haut­schicht und Motiv behan­delt.

Ins­be­son­de­re rich­tet sich die Aus­stel­lung auch an jun­ge Men­schen. In den nächs­ten drei Wochen ist sie dann jeweils frei­tags bis sonn­tags von 15.00 bis 18.00 Uhr geöff­net.