Weih­nachts­baum- und Schnitt­grün-Flä­chen im Hoch­sauer­land­kreis – Exak­te Grö­ßen­an­ga­be ist dem HSK nicht bekannt

19. November 2014
von Redaktion

Hoch­sauer­land­kreis.

Größ­tes Anbau­ge­biet in Europa?
Etwa 30 Pro­zent der Weih­nachts­bäu­me in Deutsch­land wer­den im Sauer­land ange­baut. Das schreibt der Land­schafts­ver­band West­fa­len Lip­pe (LWL) auf sei­nen Web-Sei­ten. Wei­ter heißt in der Ver­öf­fent­li­chung, Süd­west­fa­len sei mit schät­zungs­wei­se 18.000 ha Anbau­flä­che ver­mut­lich das größ­te Anbau­ge­biet für Weih­nachts­bäu­me und Schmuck­rei­s­ig in Europa.

Anfra­ge der Sauer­län­der Bürgerliste
Die Kreis­tags­frak­ti­on Sauer­län­der Bür­ger­lis­te (SBL/FW) sieht die fort­lau­fen­de „Mono­kul­ti­sie­rung“ des Sauer­lands mit Sor­gen. Nicht nur das ein­tö­ni­ge Land­schafts­bild, auch Umwelt­schä­den sind die Fol­ge des Weihnachtsbaum-Booms.
Dar­um rich­te­te die SBL/FW am 30. Okto­ber 2014 einen Fra­gen­ka­ta­log zu den „Weih­nachts­baum- und Schnitt­grün-Flä­chen im Hoch­sauer­land­kreis“ an Land­rat Dr. Schnei­der. Die Ant­wort mit Datum vom 07.11.2014 liegt der SBL nun vor.

Zusam­men­fas­sung der Ant­wort des HSK
Die Unte­re Land­schafts­be­hör­de kann die Grö­ße der gesam­ten Weih­nachts­baum- und Schnitt­grün-Flä­chen nicht exakt benennen.
Im Gegen­satz zu den Schät­zun­gen der LWL geht der HSK von „nur“ rund 15.000 ha und nicht von 18.000 ha Anbau­flä­che aus.
Klei­ne­re Flä­chen mit einem Gesamt­um­fang von weni­ger als 2 ha Wald­flä­che bedür­fen laut dem im Jahr 2013 geän­der­ten Lan­des­forst­ge­setz NW – im Gegen­satz zu grö­ße­ren Flä­chen – kei­ner Wald­um­wand­lungs­ge­neh­mi­gung durch das zustän­di­ge Forstamt.
Die „Hot­spots“ der Weih­nachts­baum­kul­tu­ren lie­gen in der Stadt Schmal­len­berg und in den Gemein­den Best­wig und Eslohe.
Seit 2011 ist eine Flä­che von rund 50 ha für Weih­nachts­bäu­me und Schnitt­grün außer­halb des Wal­des neu geneh­migt worden.
Im Raum Nutt­lar ist aktu­ell eine wei­te­re Flä­che (nicht benann­ter Grö­ße) geplant.
Zur Anzahl der pro­du­zie­ren­den Betrie­be und der Arbeits­kräf­te macht der HSK kei­ne Angaben.
Zur Fra­ge nach den im HSK ange­bau­ten „Öko-Weih­nachts­bäu­men“ ver­weist der HSK an die Landwirtschaftskammer.

Die Ant­wort des HSK komplett
Und für alle die das Schrei­ben der Unte­ren Land­schafts­be­hör­de von A bis Z lesen möch­ten, hier die Ant­wort vom 07.11.2014 in vol­ler Länge:

„Sehr geehr­ter Herr Loos,

Ihre Anfra­ge beant­wor­te ich nach­fol­gend wie folgt:

1. Wie groß sind die Flä­chen für den Weih­nachts­baum— und Schmuck­rei­s­ig-Anbau im HSK ins­ge­samt? Wie groß sind die Flä­chen in den ein­zel­nen Städ­ten und Gemeinden?

Die Anla­ge von Weih­nachts­baum- und Schmuck­rei­s­ig­kul­tu­ren unter­lag vor 1980 kei­ner Geneh­mi­gungs­pflicht. Im Zeit­raum von 1980 bis zum 28.02.1987 wur­de die Neu­an­la­ge von Weih­nachts­baum- und Schmuck­rei­s­ig­kul­tu­ren außer­halb des Wal­des forst­recht­lich geneh­migt. Zum 01.03.1987 ging die Zustän­dig­keit für die Geneh­mi­gung von außer­halb des Wal­des lie­gen­den Flä­chen auf die Unte­re Land­schafts­be­hör­de (ULB) des HSK über. Bei der Neu­an­la­ge von Weih­nachts­baum- und Schmuck-rei­sig­kul­tu­ren im Wald, die kei­ner Geneh­mi­gung bedurf­ten, wur­de der HSK nicht betei­ligt. Im Dez. 2013 wur­de das Lan­des­forst­ge­setz NW in der Form geän­dert, dass nun­mehr Weih­nachts­baum­kul­tu­ren nicht mehr als Wald im Sin­ne des Geset­zes gel­ten und somit die Anle­gung von Weih­nachts­baum­kul­tu­ren im Wald einer Wald­um­wand­lungs­ge­neh­mi­gung durch das Forst­amt bedür­fen (Aus­nah­me: Gesamt­um­fang von weni­ger als 2 ha Wald­flä­che eines Waldbesitzers).
In die­ser mehr­fach ver­än­der­ten Geneh­mi­gungs­pra­xis für Weih­nachts­baum- und Schmuck­rei­s­ig­kul­tu-ren sowie vie­ler Rück­füh­run­gen in ande­re Nut­zungs­for­men ist letztendlich
begrün­det, dass eine exak­te Grö­ßen­an­ga­be für die Gesamt­flä­che aller im HSK bestehen­den Weih­nachts­baum- und Schmuck­rei­s­ig­kul­tu­ren nicht vor­liegt. Nach Kennt­nis der Unte­ren Land­schafts­be­hör­de dürf­te sich die Gesamt­grö­ße der Weih­nachts­baum und Schmuck­rei­s­ig­kul­tu­ren im HSK außer­halb des Wal­des ins­ge­samt auf ca. 10.000 ha belau­fen. Ca. 2.500 ha die­ser Flä­chen wur­den land­schafts­recht­lich geneh­migt. Etwa 4.000 ha der Weih­nachts­baum- und Schmuck­rei­s­ig­kul­tu­ren lie­gen im Wald. Die Flä­chen im Wald sind in ers­ter Linie auf Kyrill-Flä­chen ange­legt wor­den. Weih­nachts­baum­kul­tu­ren sind kreis­weit anzu­tref­fen; in der Stadt Schmal­len­berg bzw. den Gemein­den Best­wig und Eslo­he ist der Anteil aber deut­lich erhöht. Infor­ma­tio­nen über die genaue Flä­chenin­an­spruch­nah­me in den jewei-ligen Kom­mu­nen lie­gen dem HSK nicht vor.

2. Wie groß sind die Anbau­flä­chen, die in den Jah­ren 2011, 2012, 2013 bis heu­te dazu gekom­men bzw. neu aus­ge­wie­sen wor­den sind, und wo sind wei­te­re Weih­nachts­baum und Schnitt­grün-Plan­ta­gen in Planung?

Von Beginn 2011 bis heu­te wur­den land­schafts­recht­lich rund 50 ha neue Weih­nachts­baum- und Schmuck­rei­s­ig­kul­tu­ren außer­halb des Wal­des geneh­migt und aktu­ell ist eine Kul­tur­flä­che im Raum Nutt­lar geplant.

3. Wie viel Pro­zent der bestehen­den und der neu hin­zu­kom­men­den Weih­nachts­baum- und Schmuck­rei­s­ig-Flä­chen befin­den sich in Wäl­dern bzw. auf frü­he­ren Wald­flä­chen, wie vie­le auf Flä­chen ehe­ma­li­ger Wie­sen und Äcker?

s. Fra­ge 1

4. Wie vie­le Weih­nachts­baum-Betrie­be bzw. ‑Unter­neh­mer pro­du­zie­ren im HSK? Wo sind die­se Betrie­be ansässig?
und
5. Wie vie­le Arbei­ter und Ange­stell­te beschäf­ti­gen die­se Unter­neh­men sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig und dau­er­haft, wie vie­le als Mini­job­ber oder Sai­son-Arbei­ter aus Deutschland
oder dem Ausland?

Zu die­sen Fra­gen lie­gen dem HSK kei­ne Infor­ma­tio­nen vor
.
6. Wie hoch ist der Pro­zent­satz der Bäu­me, die im HSK als „Bio-Bäu­me” ange­baut und ver­kauft werden?
Wel­chen Kri­te­ri­en müs­sen die „Öko-Bäu­me” entsprechen?
Wie wird sicher­ge­stellt, dass sie nicht doch mit Che­mi­ka­li­en behan­delt werden?

Über die Antei­le von Bio­bäu­men an der Gesamt­pro­duk­ti­on lie­gen der Unte­ren Land­schafts­be­hör­de des HSK kei­ne Daten vor, eben­so wenig über die Kri­te­ri­en der Erzeu­gung von Bio­bäu­men und über die Ver­hin­de­rung des Ein­sat­zes von Pflan­zen­schutz­mit­teln in die­sen „Bio­kul­tu­ren”. Für wei­te­re Infor-matio­nen zu Bio- bzw. Öko­weih­nachts­bäu­men steht die Land­wirt­schafts­kam­mer als Ansprech­part­ner zur Verfügung.“

Quel­le: Sauer­län­der Bür­ger­lis­te (SBL/FW)