Was kann der Wald für den Kli­ma­schutz leisten?

14. Januar 2018
von Redaktion

Ein Rin­gen um die Deu­tungs­ho­heit im Wald:  Vol­les Haus bei einer hoch­in­ter­es­san­ten Gesprächs­run­de in Schmallenberg

„Was kann der Wald für den Kli­ma­schutz leis­ten?“, so lau­te­te die Aus­gangs­fra­ge der Gesprächs­run­de, zu der am ver­gan­ge­nen Mon­tag­abend (8. Janu­ar) neben Frank Rosen­kranz, dem Lei­ter des Forst­amts Obe­res Sauer­land, und Tor­ben Hal­be, Autor des in Deutsch­land und sei­nen Nach­bar­staa­ten in Fach­krei­sen viel­be­ach­te­ten Buchs „Das wah­re Leben der Bäu­me“, eine gro­ße Anzahl inter­es­sier­ter Zuhö­rer im Tou­ris­tik- und Holz­zen­trum Schmal­len­berg zusammenkam.

© Hermann‑J. Hoffe

Schnell zeig­te sich, dass weni­ger die Fra­ge im Raum steht, wie „kli­ma­fit“ und leis­tungs­fä­hig unser Wald ist, son­dern wen die Gesell­schaft als Ver­mitt­ler von „Wald­wis­sen“ aner­kennt. Die gern for­mu­lier­te For­de­rung nach Ursprüng­lich­keit, nach einer Rück­ver­set­zung von Wäl­dern in den Zustand von Urwäl­dern, geht an den rea­len Her­aus­for­de­run­gen durch den im Grun­de bereits nicht mehr auf­zu­hal­ten­den Kli­ma­wan­del völ­lig vor­bei. Das blu­mig als „Kli­ma­kil­ler“ bezeich­ne­te Co2 spei­chern Bäu­me nur im Wachs­tum. Wäh­rend ein Baum im „Urwald“ sei­nen gesam­ten Lebens­zy­klus durch­läuft, wird er im Wirt­schafts­wald mit dem Ende sei­nes Wachs­tums gefällt und durch neue, nach­wach­sen­de Bäu­me ersetzt. Ange­sichts des Kli­ma­wan­dels ist es also weit eher ange­ra­ten, viel Holz zu pro­du­zie­ren und in Form von Pro­duk­ten über Jahr­zehn­te hin­weg als Co2-Spei­cher zu nut­zen. So schüt­zens- und för­de­rungs­wert der „Urwald“ als Kul­tur­gut ist, Hal­be und Rosen­kranz beton­ten uni­so­no, dass ein not­wen­dig effek­ti­ver Kli­ma­schutz weit mehr durch bewirt­schaf­te­te Wäl­der geleis­tet wird.

Frank Rosen­kranz, Tor­ben Hal­be und Jens Feld­mann © Hermann‑J. Hoffe

Wis­sen­schaft­lich beleg­ba­re Fak­ten sind das eine, offen­bar pro­ble­ma­ti­scher erscheint deren Ver­mitt­lung. Die emo­tio­na­le Anspra­che gera­de eines städ­ti­schen Publi­kums ohne unmit­tel­ba­ren Bezug zu Baum und Wald ent­schei­det heut­zu­ta­ge weit eher über das Gelin­gen von Ver­mitt­lung. Der enor­me und anhal­ten­de Erfolg eines hin­sicht­lich sei­ner Schluss­fol­ge­run­gen in wei­ten Fach­krei­sen umstrit­te­nen Autors wie Peter Wohl­le­ben belegt einen bedenk­li­chen Ver­lust an Deu­tungs­ho­heit. So zeig­ten sich am Ende Exper­ten und Publi­kum dar­in einig, dass es gel­ten muss, nicht allein auf Basis fun­dier­ter fach­li­cher Kennt­nis als „Über­set­zer des Wal­des“ auf­zu­tre­ten, wie es im Vor­wort von Hal­bes Buch for­mu­liert ist, son­dern mit Frank Rosen­kranz auch „die Arme weit machen“ zu wol­len, um mög­lichst vie­le Inter­es­sen, Posi­tio­nen und Geschmä­cker abzu­ho­len und mit­zu­neh­men. Mit enga­gier­ten Exper­ten wie Rosen­kranz und Hal­be, der der­zeit in Kana­da  pas­sen­der­wei­se Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on stu­diert, soll­te der rich­ti­ge Weg ein­ge­schla­gen sein. Das belegt nicht zuletzt auch der Applaus und die Zustim­mung, die bei­de am Ende des Abends vom Publi­kum erhielten.

Buch­tipp:

Tor­ben Hal­be: Das wah­re Leben der Bäu­me – Ein Buch gegen ein­ge­bil­de­ten Umwelt­schutz. Mit 29 Foto­gra­fien vom Rot­haar­steig-Foto­gra­fen Klaus-Peter Kap­pest, 3. Auf­la­ge – ISBN  9–7834943-681758 – LVP: 19,90 Euro  zum  Buch