Sri Lan­ka – Ein­bli­cke in ein fer­nes Land

4. Juli 2013
von Redaktion

DSC01555voelMesche­de. Der zwei­te Begeg­nungs­abend des Jah­res 2013 beim Ver­ein „Freun­de der Völ­ker­be­geg­nung“ (FdV) war zum einen dem weit ent­fern­ten Staat Sri Lan­ka gewid­met, zum ande­ren dem Neu­an­fang einer Fami­lie in einem neu­en, frem­den Land.

 

Als Refe­ren­tin­nen des Abends hat­ten die FdV Mut­ter und ältes­te Toch­ter der Fami­lie Kumar ein­ge­la­den. Die bei­den Frau­en erzähl­ten höchst span­nend und unter­halt­sam aus ihrem ereig­nis­rei­chen Leben, einem Leben, das nicht immer ohne Angst und sor­gen­frei war.

 

Die Zuhö­re­rin­nen und Zuhö­rer erfuh­ren, dass im Insel­staat im Indi­schen Oze­an zwei Volks­grup­pen leben, die Sin­gha­le­sen und die Tami­len. Die Sin­gha­le­sen bil­den die Mehr­heit, die Tami­len die Min­der­heit. Das Zusam­men­le­ben der bei­den Bevöl­ke­rungs­grup­pen ist lei­der nicht kon­flikt­frei. Dar­um kam es sogar zu krie­ge­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen. Die Fami­lie Kumar gehört zur tami­li­schen Min­der­heit. Auf ihnen wie auf allen ande­ren Ange­hö­ri­gen der klei­ne­ren Volks­grup­pe las­tet, so berich­te­ten Mut­ter und Toch­ter, ein sehr gro­ßer Leis­tungs­druck. Zudem wür­den die Sin­gha­le­sen die Regie­rung domi­nie­ren und gute Arbeits­stel­len immer an Sin­gha­le­sen vergeben.

 

Der Kon­flikt spitz­te sich 1984 so zu, dass der Ehe­mann bzw. der Vater, der von Beruf Poli­zist war, aus poli­ti­schen Grün­den Sri Lan­ka ver­las­sen muss­te und nach Deutsch­land flüch­te­te. 1989 ver­schlim­mer­te sich der Bür­ger­krieg sehr. Es fie­len Bom­ben. Die Fami­lie ver­brach­te vie­le Tage und Stun­den im Bun­ker. So ent­schied sich Frau Kumar, gemein­sam mit ihren Töch­tern das Land zu ver­las­sen und zu ihrem Mann nach Deutsch­land zu zie­hen. Es dau­er­te aber sehr lan­ge bis die erfor­der­li­chen Papie­re bei­gebracht waren. Zum Glück hal­fen die Cari­tas und die Dia­ko­nie. Der Vater, der ursprüng­lich nach Stutt­gart gekom­men war, hat­te zwi­schen­zeit­lich eine Arbeits­stel­le in Sauer­land gefun­den und war daher nach Mesche­de umgezogen.

 

Schließ­lich kamen Mut­ter und Töch­ter im Win­ter nach Deutsch­land. Sie erleb­ten einen Schock. Alles war für sie neu, Schnee, Bäu­me ohne Blät­ter und die Käl­te, zumal sie kei­ne zu der Jah­res­zeit pas­sen­de Klei­dung hat­ten. Und sie spra­chen kein Wort Deutsch. Der Vater brach­te ihnen zuerst das Wort „Dan­ke­schön“ bei. Zum Glück hat­ten sie in Sri Lan­ka Eng­lisch gelernt. Die Schwes­tern wur­den trotz feh­len­der Deutsch­kennt­nis­se gleich ein­ge­schult. So saßen sie in der Schu­le, ver­stan­den nichts und lächel­ten. Zum Glück wur­den sie von deut­schen Fami­li­en unter­stützt. Vor allem die dama­li­ge Flücht­lings­be­ra­te­rin, Ingrid Schü­ne­mann, hät­te ihnen, lob­te die Toch­ter Kumar, sehr gehol­fen. Auch die Betreu­ung im Hort sei in schu­li­scher Hin­sicht sehr wich­tig gewe­sen. Trotz anfäng­li­cher Schwie­rig­kei­ten in der Schu­le und manch ande­rer Pro­ble­me ent­wi­ckel­te sich das Leben in Deutsch­land für alle drei Mäd­chen gut. Mit ihren Beru­fen als Alten­pfle­ge­rin, Kin­der­pfle­ge­rin und Sozi­al­päd­ago­gin sind die Schwes­tern sehr zufrie­den. Die ältes­te Schwes­ter ist mitt­ler­wei­le ver­hei­ra­tet und zwar mit einem Mann tami­li­scher Her­kunft. Das Paar hat 2 Kinder.

 

Den Kon­takt nach Sri Lan­ka hält die Fami­lie auf­recht. Im letz­ten Jahr waren sie zu Besuch dort. Für die Mut­ter war es nach 23 Jah­ren die ers­te Rei­se in ihr altes Hei­mat­land. Auch die drit­te Genera­ti­on, die 13jährige Toch­ter und der 9jährige Sohn der ältes­ten der drei Schwes­tern, waren mit­ge­reist. Zwi­schen­zeit­lich hät­te sich eini­ges im Ver­hält­nis zwi­schen Sin­gha­le­sen und Tami­len zum posi­ti­ven ver­än­dert, berich­te­te Toch­ter Kumar. Ihre bes­te Freun­din sei eine Sin­gha­le­sin und hät­te einen tami­li­schen Mann. Das wäre jetzt auch in Sri Lan­ka mög­lich. Doch immer noch sei die Armut dort sehr groß. Das wäre viel­leicht auch ein Grund dafür gewe­sen, dass ihre Kin­der nach drei Wochen wie­der zurück nach Mesche­de wollten.

 

Und zu guter letzt mach­ten die bei­den Refe­ren­tin­nen Deutsch­land und Mesche­de ein gro­ßes Kom­pli­ment. Alle Fami­li­en­mit­glie­der füh­len sich in der neu­en Hei­mat inte­griert und akzep­tiert. Beson­ders glück­lich sind sie dar­über, dass sie hier ihre kul­tu­rel­len und reli­giö­sen Tra­di­tio­nen leben können.