Schlag gegen Ille­ga­len Han­del: Umarex-Mit­ar­bei­ter ver­sorgt Rocker­sze­ne mit Waffen

28. August 2019
von Redaktion

Ein gan­zes Arse­nal an Waf­fen und Betäu­bungs­mit­teln wur­de bei der kon­zer­tier­ten Akti­on am Mitt­woch­mor­gen sicher­ge­stellt (Foto: Polizei)

Hagen/​ Arns­berg. Am heu­ti­gen Mitt­woch um 06:00 Uhr fan­den in den Städ­ten Dort­mund, Lünen, Rade­vorm­wald, Rem­scheid, Men­den, Duis­burg und Wil­helms­ha­ven (Nie­der­sach­sen) ins­ge­samt 12 Durch­su­chun­gen wegen ille­ga­lem Waf­fen­han­del statt. Die­se Maß­nah­men sind Aus­fluss aus einem von der Staats­an­walt­schaft Arns­berg mit der Dienst­stel­le Orga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät des Poli­zei­prä­si­den­ten Hagen geführ­ten Ver­fah­rens wegen ille­ga­lem Waf­fen­han­del. Einer der Draht­zie­her des ille­ga­len Waf­fen­han­dels ist ein deutsch-por­tu­gie­si­scher lang­jäh­ri­ger Beschäf­tig­ter des Arns­ber­ger Waf­fen­her­stel­lers Umarex GmbH & Co. KG.

Umarex-Waf­fen sichergestellt

Im Rah­men von Ermitt­lun­gen gegen Mit­glie­der der Rocker­grup­pie­run­gen Ban­di­dos und Free­way Riders wur­de fest­ge­stellt, dass 2018 bei drei ver­such­ten Tötungs­de­lik­ten in Hagen Waf­fen des Kali­bers 22 als Tat­waf­fen ver­wen­det wur­den. Bei Durch­su­chun­gen im Dezem­ber 2018 wur­den beim Prä­si­den­ten und beim Vize-Prä­si­den­ten der Free­way Riders Hagen jeweils Pis­to­len der Mar­ke Walt­her, Typ P 22, Kali­ber 22, sichergestellt.

Ermitt­lun­gen zu der o. g. Pis­to­le P 22, erga­ben, dass die Waf­fe aus­schließ­lich bei einem Waf­fen­her­stel­ler aus Arns­berg pro­du­ziert wird. Auf­fäl­lig war, dass seit 2017 in Schles­wig-Hol­stein, Nie­der­sach­sen, Ham­burg, Sach­sen-Anhalt und Nord­rhein-West­fa­len zahl­rei­che Pis­to­len der Mar­ke Walt­her, Modell P22, Kali­ber 22 ohne der­ar­ti­ge Prä­gun­gen sicher­ge­stellt wur­den. Außer­dem kam es 2018 zur Auf­fin­dung von Betäu­bungs­mit­teln und Waf­fen in einem Lkw in Dover/​UK, dar­un­ter befan­den sich auch Pis­to­len des Typs P 22. Wei­te­re Pis­to­len des Typs P 22 wur­den unter ande­rem in Mesche­de, Bie­le­feld, Dort­mund, Bochum, Her­ne, Köln, Lüden­scheid und Hagen sichergestellt.

Meh­re­re der Sicher­stel­lun­gen erfolg­ten im Rocker­mi­lieu. Cha­rak­te­ris­tisch war bei allen sicher­ge­stell­ten Pis­to­len der Mar­ke Walt­her, Typ P 22, dass die in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land vor­ge­schrie­be­nen Beschuss­zei­chen, Ver­triebs­zei­chen und die Waf­fen­num­mer fehl­ten. Es lagen auch kei­ne Anzei­chen dafür vor, dass die­se Kenn­zeich­nun­gen ein­mal vor­han­den oder ent­fernt wor­den waren. Da die­ser Waf­fen­typ aus­schließ­lich bei der Fir­ma Umarex GmbH & Co. KG in Arns­berg pro­du­ziert wird, bestand der Ver­dacht, dass ggf. Mit­ar­bei­ter Waf­fen oder ent­spre­chen­de Waf­fen­tei­le vor der End­kon­trol­le und vor dem Anbrin­gen der Beschuss­zei­chen und Seri­en­num­mern Waf­fen aus der Fir­ma ent­wen­det und in Umlauf gebracht hatten.

47-jäh­ri­ger Umarex-Beschäf­tig­ter legt Geständ­nis ab

Ein lang­jäh­ri­ger Mit­ar­bei­ter des Arns­ber­ger Waf­fen­her­stel­lers Umarex hat ille­gal Waf­fen in Umlauf gebracht (Foto: Polizei)

Die bestehen­de Ver­dachts­la­ge führ­te im Spät­som­mer 2018 zur Ein­lei­tung eines Ermitt­lungs­ver­fah­rens der Staats­an­walt­schaft Arns­berg bzw. der Kreis­po­li­zei­be­hör­de Hoch­sauer­land­kreis. In die­sem Rah­men wur­den in Abspra­che zwi­schen der Poli­zei und der Geschäfts­lei­tung der Fir­ma Umarex die dor­ti­gen Sicher­heits­vor­keh­run­gen kon­ti­nu­ier­lich opti­miert, so dass letzt­end­lich am 25.03.2019 ein deutsch-por­tu­gie­si­scher 47-jäh­ri­ger lang­jäh­ri­ger Beschäf­tig­ter des Waf­fen­pro­du­zen­ten bei dem Ver­such, einen Lauf durch die Sicher­heits­kon­trol­le zu schleu­sen, auf­fiel. Die anschlie­ßend durch­ge­führ­te Durch­su­chung führ­te zur Auf­fin­dung von zahl­rei­chen Waf­fen und Waffenteilen.

Im Rah­men eines Geständ­nis­ses mach­te der 47-jäh­ri­ge Arns­ber­ger wei­ter­ge­hen­de Anga­ben zu einem Abneh­mer der Waf­fen aus dem Mär­ki­schen Kreis. Die Ermitt­lun­gen bestä­tig­ten, dass der Mit­ar­bei­ter zumin­dest seit 2016 Waf­fen­tei­le bei sei­nem Arbeit­ge­ber ent­wen­de­te und mit sei­nem Fach­wis­sen zu Hau­se zu kom­plet­ten Waf­fen zusam­men­bau­te. Die Fir­ma Umarex GmbH & Co. KG been­de­te das Arbeits­ver­hält­nis mit die­sen Mit­ar­bei­ter fristlos.

Die Ermitt­lun­gen in Bezug auf die Wei­ter­ver­käu­fe des Tat­ver­däch­ti­gen wur­den am 26.03.2019 durch die Dienst­stel­le zur Bekämp­fung der orga­ni­sier­ten Kri­mi­na­li­tät über­nom­men. Feder­füh­ren­de Staats­an­walt­schaft blieb die Staats­an­walt­schaft Arns­berg. Am 27.03.2019 wur­de ein 26-jäh­ri­ger Deutsch/​Kasache aus Men­den fest­ge­nom­men, der die von dem Arns­ber­ger zusam­men­ge­bau­ten Pis­to­len Walt­her P22 und PK380 wei­ter­ver­kauf­te und die für den Funk­ti­ons­test und den Ver­kauf nöti­ge Muni­ti­on beschaff­te. Im Rah­men sei­ner Ver­neh­mung mach­te der 26-jäh­ri­ge Men­de­ner Anga­ben zu wei­te­ren vier männ­li­chen Per­so­nen aus Dort­mund und Hagen, an die er die Waf­fen samt Muni­ti­on gewinn­brin­gend ver­kauft hatte.

Waf­fen und Betäu­bungs­mit­tel sichergestellt

So wur­de gegen einen 54-Jäh­ri­gen bri­ti­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen aus Dort­mund ein Haft­be­fehl erwirkt, des­sen Fest­nah­me am 02.04.2019 wäh­rend einer Urlaubs­rei­se in der Eifel durch Spe­zi­al­ein­hei­ten erfolg­te. Die­ser betrieb in Unna eine ille­ga­le Waf­fen­werk­statt, in der er neben Repa­ra­tu­ren an Schuss­waf­fen auch selbst Deko­waf­fen zu schar­fen Waf­fen umbau­te. Dort wur­den zahl­rei­che Waf­fen- / Waf­fen­tei­le und Muni­ti­on unter­schied­lichs­ten Kali­bers gefun­den. Über den Betrieb der ille­ga­len Waf­fen­werk­statt und dem Han­del mit Muni­ti­on und Waf­fen gestal­te­te die­ser sein Aus­kom­men. Am 16.04.2019 war es mög­lich, im Rah­men eines Schein­ge­schäf­tes einen 25-jäh­ri­gen Deutsch-Koso­va­ren aus Hagen zu iden­ti­fi­zie­ren und durch Spe­zi­al­ein­hei­ten fest­zu­neh­men. Bei ihm konn­ten 2 schar­fe Schuss­waf­fen, dar­un­ter auch eine Walt­her PK380 ohne ent­spre­chen­de Kenn­zeich­nun­gen, ca. 7 KG Can­na­bis und ca. 50.000 Euro sicher­ge­stellt wer­den. Am 17. und 18.04.2019 wur­den wei­te­re Haft­be­feh­le und Durch­su­chungs­be­schlüs­se gegen Abneh­mer von Waf­fen des 26-jäh­ri­gen Men­de­ners voll­streckt. So wur­den ein 25-jäh­ri­gen Deutsch-Syrer aus Hagen und ein wei­te­rer 26-jäh­ri­ger Deut­scher eben­falls aus Hagen fest­ge­nom­men, letz­te­rer ist der Rocker­grup­pie­rung Ban­di­dos zuzurechnen.

Aktu­ell befin­den sich vier die­ser Tat­ver­däch­ti­gen in Unter­su­chungs­haft. Gegen zwei wei­te­re Tat­ver­däch­ti­ge wur­den bestehen­de Haft­be­feh­le gegen Auf­la­gen außer Voll­zug gesetzt. Wie vie­le Waf­fen durch die Tat­ver­däch­ti­gen in Umlauf gebracht wur­den, kann bis­her nicht abschlie­ßend bezif­fert wer­den, es ist von min­des­tens 150 Pis­to­len aus­zu­ge­hen. Bei dem 47-jäh­ri­gen Arns­ber­ger wur­den Waf­fen­tei­le gefun­den, mit denen ca. 50 wei­te­re Waf­fen hät­ten gebaut wer­den kön­nen. Im Ermitt­lungs­ver­fah­ren wur­den die Sicher­stel­lun­gen von ins­ge­samt 56 Walt­her P22 und 1 Walt­her PK380 zusam­men­ge­führt und bewer­tet. Im Rah­men der Ermitt­lun­gen wur­de auch von einem Tat­ver­däch­ti­gen ein Kara­bi­ner samt Muni­ti­on zurück­be­schafft, und durch den Rechts­an­walt des 26-jäh­ri­gen Hage­ner Ban­di­do Mem­bers wur­den 5 Waf­fen Walt­her P22 mit Muni­ti­on den Ermitt­lern über­ge­ge­ben. Die Aus­wer­tung der zahl­rei­chen Asser­va­te führ­te zur Ein­lei­tung wei­te­rer Ver­fah­ren wegen des Ver­dachts des Han­del­trei­bens mit Waf­fen, Muni­ti­on und teil­wei­se auch Betäu­bungs­mit­teln. Die­se Ermitt­lun­gen rich­ten sich aktu­ell gegen 16 tat­ver­däch­ti­ge Personen.

Spe­zi­al­ein­hei­ten im Einsatz

Am Mitt­woch fan­den nun wei­te­re Maß­nah­men in dem Ver­fah­ren statt. Bei einem Objekt in Lünen und einem wei­te­ren in Wil­helms­ha­ven kamen Spe­zi­al­ein­hei­ten zur Öff­nung und Siche­rung der Objek­te zum Ein­satz. Durch­sucht wur­den Woh­nun­gen, Häu­ser, Werk­stät­ten und Gara­gen. Wäh­rend der Durch­su­chungs­maß­nah­men, erga­ben sich Hin­wei­se auf wei­te­re Objek­te und Per­so­nen, so dass es zu wei­te­ren 5 Fol­ge­durch­su­chun­gen kam. Dabei wur­den zahl­rei­che Waf­fen (u.a. auch voll­au­to­ma­ti­sche Waf­fen), Muni­ti­ons­tei­le, Schwarz­pul­ver, Betäu­bungs­mit­tel sowie ein Fahr­zeug sicher­ge­stellt. Die Asser­vie­run­gen der Gegen­stän­de sowie die wei­te­ren Ermitt­lun­gen dau­ern noch an. Aktu­ell kann schon fest­ge­stellt wer­den, dass ca. 15.000 Schuss Muni­ti­on, ca. 5 kg Schwarz­pul­ver, ca. 35 Kurz­waf­fen sowie diver­se Kurz­waf­fen­tei­le, dar­un­ter auch eine wei­te­re Walt­her P22 ohne ent­spre­chen­de Kenn­zeich­nun­gen, ca. 29 Lang­waf­fen, 2 Scharf­schüt­zen­ge­weh­re, 2 voll­au­to­ma­ti­sche Schuss­waf­fen, 3 Hand­gra­na­ten und diver­se wei­te­re Waf­fen, die noch einer waf­fen­recht­li­chen Bewer­tun­gen unter­zo­gen wer­den müs­sen, sicher­ge­stellt wur­den. Dar­un­ter befin­den sich auch 40 Schuss­waf­fen, die drei der Beschul­dig­ten legal besa­ßen und die auf­grund von waf­fen­recht­li­chen Ver­stö­ßen sicher­ge­stellt wurden.

In Lünen wur­de zudem in einer kon­spi­ra­tiv vom einem der Beschul­dig­ten genutz­ten Gara­ge ein Pkw auf­ge­fun­den. Dar­in befan­den sich meh­re­re hun­dert Ecsta­sy-Pil­len, Sub­stan­zen zur Her­stel­lung che­mi­scher Dro­gen und eine schar­fe Pis­to­le. Die anschlie­ßen­de Durch­su­chung der Woh­nung und eines Kel­lers im angren­zen­den Wohn­haus führ­te zur Auf­fin­dung einer Her­stel­lungs­stät­te für Amphet­amin und Sicher­stel­lung von 14 Kilo­gramm Amphet­amin sowie meh­re­re Liter Amphet­amin-Öl. Ins­ge­samt wur­den 5 Beschul­dig­te vor­läu­fig fest­ge­nom­men und dem Poli­zei­ge­wahr­sam in Hagen zuge­führt. Über eine rich­ter­li­che Vor­füh­rung ent­schei­det die zustän­di­ge Staats­an­walt­schaft am 29.08.2019.