Sauer­län­der Oster­bräu­che fas­zi­nie­ren in der Feri­en­re­gi­on Winterberg

14. März 2013
von Redaktion

Fas­zi­nie­ren­des Schau­spiel in Hal­len­berg: der öster­li­che „Geis­ter­zug“

FINALEUraltes Brauch­tum übt eine Fas­zi­na­ti­on aus, der sich kaum jemand ent­zie­hen kann. In der Feri­en­re­gi­on Win­ter­berg pfle­gen die Men­schen die­se Tra­di­tio­nen lie­be­voll und erhal­ten sie leben­dig. Ein jahr­hun­der­te­al­tes Schau­spiel, das jedes Jahr zur Oster­zeit erneut auf­lebt, ist die Hal­len­ber­ger Oster­nacht, die zahl­rei­che Schau­lus­ti­ge in die Regi­on lockt.

Eine Stun­de vor Mit­ter­nacht ver­sam­meln sich in der Nacht zum Oster­sonn­tag die jun­gen Män­ner mit Fackeln auf dem Markt­platz an der St.-Heribert-Kirche. Dann erlischt in der gan­zen Stadt die Stra­ßen­be­leuch­tung. Sobald die Kirch­turm­uhr zwölf schlägt, stim­men die Buschen das uralte Hal­len­ber­ger Pas­si­ons­lied „Ihr Sün­der kommt gegan­gen“ an.

Sobald der letz­te Ton ver­klun­gen ist, setzt ein ohren­be­täu­ben­der Krach ein. Eigens kon­stru­ier­te „Lärm­ma­schi­nen“ kom­men zum Ein­satz: auf Hand­wa­gen befes­tig­te Kreis­sä­ge­blät­ter, mit Häm­mern und Eisen­stä­ben geschla­gen, gro­ße Ras­seln, Hand­si­re­nen aus dem letz­ten Krieg. Ange­führt von Fackel­trä­gern, zieht der „Geis­ter­zug“ durch die stock­dunk­le Stadt – ein fast unheim­lich anmu­ten­des Sze­na­rio. Die Akteu­re füh­ren auf ihrem seit Jahr­hun­der­ten fest­ge­leg­ten Weg drei gro­ße, erleuch­te­te Kreu­ze sowie Lam­pi­on-Bäu­me mit.

Nach etwa ein­ein­halb Stun­den for­miert sich der Zug am Petrus­brun­nen in der his­to­ri­schen Alt­stadt zu einem ein­drucks­vol­len Schluss­bild. So urplötz­lich, wie er begon­nen hat, bricht der extre­me Lärm ab. Die Zug­teil­neh­mer haben sich jetzt eine Erfri­schung ver­dient: In den Gast­stät­ten ist am Kar­sams­tag die Sperr­stun­de aufgehoben!

Schneehoehen im Sauerland live

Schnee­hoehen im Sauer­land live

Ande­ren­orts in der Regi­on Win­ter­berg trei­ben die Men­schen den Win­ter mit Feu­er aus. Bei Anbruch der Dun­kel­heit leuch­ten am Oster­sonn­tag die mäch­ti­gen Oster­feu­er weit übers Land. Schon Wochen vor dem Fest begin­nen die Jugend­li­chen des Dor­fes, hohe Sta­pel an Ast­werk auf­zu­schich­ten. In die Mit­te wird oft ein Baum in Form eines Kreu­zes plat­ziert. Am Oster­sonn­tag tref­fen sich dann Freun­de und Nach­barn oder die Gemein­de, um auf Chris­tus als Licht aus der Dun­kel­heit zu ver­wei­sen und Oster­lie­der zu sin­gen – so wie das seit dem 17. Jahr­hun­dert Usus ist. Gäs­te neh­men sie gern in ihre Run­de auf.

Ein wei­te­rer Brauch ist das „Klap­pern“ oder „Klepps­tern“. Weil die Glo­cken der Kir­chen von Grün­don­ners­tag bis Sams­tag­abend nicht läu­ten, zie­hen Kin­der mit Holz­ras­seln oder Klap­pern durch die Orte, um mit dem „Klepps­tern“ zur Mes­se zu rufen.