Sauer­län­der Hei­mat­bund freut sich über die Ver­lei­hung des Rot­ten­dorf-Prei­ses an Dr. phil. Wer­ner Beck­mann

16. Oktober 2020
von Redaktion
Rot­ten­dorf-Preis für nie­der­deut­sche Spra­che 2020 wird Dr. phil. Wer­ner Beck­mann ver­lie­hen
Die fei­er­li­che Preis­ver­lei­hung fand am 15. Okto­ber 2020 auf dem Kul­tur­gut Haus Nott­beck in Oel­de-Strom­berg statt. Der Preis ist mit 5.000 € dotiert und wird alle zwei Jah­re ver­lie­hen. Er ist die in West­fa­len wich­tigs­te Aus­zeich­nung für Ver­diens­te im Feld der Nie­der­deut­schen Spra­che.
Wir­kungs­stät­te im Mund­art­ar­chiv Sauer­land
Der dies­jäh­ri­ge Preis­trä­ger hat sei­ne Wir­kungs­stät­te im Mund­art­ar­chiv Sauer­land, im his­to­ri­schen Stert­schul­ten­hof in Eslo­he-Cob­ben­ro­de. Er ist 69 Jah­re alt, wur­de in Bochum gebo­ren und ist dort auf­ge­wach­sen. Mit sei­ner Mut­ter konn­te er Platt spre­chen und so sei­ne Nei­gung früh ent­wi­ckeln. Schon im Alter von 20 Jah­ren wur­de er Mit­glied im Ver­ein für nie­der­deut­sche Sprach­for­schung. Sein Stu­di­um schloss er mit dem Magis­ter Arti­um in Sprach­wis­sen­schaf­ten, Latein und Alt­ger­ma­nis­tik ab. 1997 erfolg­te die Dis­ser­ta­ti­on zum Dr. phil.
Zum wei­te­ren Wer­de­gang wird aus der vom Vor­sit­zen­den des Sauer­län­der Hei­mat­bun­des, Elmar Reu­ter, gehal­te­nen Lau­da­tio zitiert: „Die Mit­ar­beit in ver­schie­de­nen platt­deut­schen Pro­jek­ten führt ihn im Som­mer 1999 in das Sauer­land nach Olpe. Dort befasst er sich von Berufs wegen und in Koope­ra­ti­on mit vie­len ehren­amt­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen mit dem Pro­jekt „Mund­ar­ten im Sauer­land“, das der Sauer­län­der Hei­mat­bund in sei­ne Trä­ger­schaft genom­men hat­te in Abspra­che mit dem Land­schafts­ver­band West­fa­len-Lip­pe, beglei­tet durch Prof. Dr. Hans Taub­ken, Rot­ten­dorf-Preis­trä­ger 2002, mit finan­zi­el­ler Unter­stüt­zung der Kul­tur­stif­tung der West­fä­li­schen Pro­vin­zi­al-Ver­si­che­run­gen sowie der bei­den Krei­se Hoch­sauer­land und Olpe.….
Die­ses Pro­jekt „Mund­ar­ten im Sauer­land“ hat­te mit Ende des Jah­res 2001 aus finan­zie­rungs­tech­ni­schen Grün­den sei­nen Abschluss gefun­den. Es wird seit dem 1. Janu­ar 2002 fort­ge­setzt durch das „Mund­art­ar­chiv Sauer­land“, das sei­nen Sitz im his­to­ri­schen Bau­denk­mal Stert­schul­ten­hof Cob­ben­ro­de in der Gemein­de Eslo­he hat. Dem gleich­na­mi­gen Trä­ger­ver­ein gehö­ren an der Hoch­sauer­land­kreis, der Kreis Olpe, die Gemein­de Eslo­he, der Muse­ums­ver­ein Eslo­he, der Sauer­län­der Hei­mat­bund, der Hei­mat- und För­der­ver­ein Cob­ben­ro­de sowie die Chris­ti­ne-Koch-Gesell­schaft, lite­ra­ri­sche Gesell­schaft für das Sauer­land. Der Stert­schul­ten­hof, ein ehe­ma­li­ger Vor­spann­hof des Stif­tes Mesche­de, gehört zu den ältes­ten Höfen des Sauer­lan­des. Durch sei­ne ver­kehrs­güns­ti­ge Lage an der Bun­des­stra­ße 55 ist das Anwe­sen eine idea­le Anlauf­stel­le für die Freun­de der platt­deut­schen Spra­che.
Und erneut wird Dr. Beck­mann enga­giert, glück­li­cher­wei­se wie man wohl sagen darf, denn – so wie­der Prof. Dr. Taub­ken – steht mit ihm ein Bear­bei­ter zur Ver­fü­gung, „der a) durch sei­ne eige­ne Mund­art­kom­pe­tenz, b) durch sei­ne spe­zi­el­len Kennt­nis­se auf dem Gebiet der ger­ma­ni­schen Sprach­wis­sen­schaft und c) durch sei­ne in einer Dis­ser­ta­ti­on sowie durch ein­schlä­gi­ge Fach­bei­trä­ge nach­ge­wie­se­nen Kennt­nis­se der nie­der­deutsch-west­fä­li­schen Phi­lo­lo­gie in wis­sen­schaft­li­cher Hin­sicht her­vor­ra­gend qua­li­fi­ziert ist…“ Seit­dem hat Dr. Beck­mann eine Rei­he von Schrift- und Ton­do­ku­men­ten geschaf­fen.
Inter­views, CD-Heft­rei­he und Wör­ter­buch ver­öf­fent­licht
Neben Inter­views mit 267 Mund­art­spre­chern aus 129 Her­kunfts­or­ten ist die Textan­tho­lo­gie „Imme Suier­l­an­ne“ sowie die CD-Heft­rei­he „Op Platt – Mund­art-Tex­te aus den Krei­sen Hoch­sauer­land und Olpe“ mit bis­lang 28 Aus­ga­ben ent­stan­den. Zusätz­lich gibt es eine Fül­le von wis­sen­schaft­li­chen Ver­öf­fent­li­chun­gen. Sein letz­tes gro­ßes Werk „So kuirt de Sauer­län­ner – Sauer­län­ner Platt – Ein Wör­ter­buch“ wur­de im Jahr 2019 fer­tig gestellt.
Außer­or­dent­li­che Leis­tun­gen für die Mund­art­for­schung im Sauer­land
Abschlie­ßen­des Zitat aus der Lau­da­tio: „Dr. Beck­mann hat für die Mund­art­for­schung im Sauer­land Außer­or­dent­li­ches geleis­tet, ohne dass dies von einer brei­ten Öffent­lich­keit bis­her aner­kannt wor­den ist. Das mag zum einen auch an sei­ner zurück­hal­ten­den beschei­de­nen Art gele­gen haben. Es liegt eben nicht in sei­ner Art markt­schreie­risch und for­dernd sei­ne Umge­bung mit sei­nen Erkennt­nis­sen zu mal­trä­tie­ren. Statt­des­sen hat er sich damit abge­fun­den resp. abfin­den müs­sen, dass er ohne wei­te­re pro­fes­sio­nel­le Unter­stüt­zung sei­ne Arbeit allein tun muss­te.
Unter­stüt­zung von Ehren­ämt­lern
Nur bei den Ehren­amt­lern fin­det er Unter­stüt­zung und dort wird er übri­gens sehr geschätzt. Immer wie­der galt es neue Finanz­quel­len auf­zu­tun und mit der stän­di­gen Ver­knap­pung der Kul­tur­etats der öffent­li­chen Hän­de zurecht zu kom­men. All dies hat er über Jahr­zehn­te klag­los geleis­tet. Wir sind dank­bar und erfreut, wenn das nun heu­te mit der Ver­lei­hung des Prei­ses der Rot­ten­dorf-Stif­tung für die Pfle­ge der platt­deut­schen Spra­che gewür­digt wird.“
Dr. Beck­mann ist von die­ser hohen Aus­zeich­nung tief berührt – ist mit ihr doch die Aner­ken­nung sei­nes Lebens­wer­kes ver­bun­den.