Quint­essenz der SBL/FW-Info-Ver­an­stal­tung zu CETA und TTIP

4. September 2016
von Redaktion

Hoch­sauer­land­kreis. Mesche­de.

„CETA ist mit­nich­ten die süße, klei­ne Schwes­ter von TTIP und…

…TTIP ist erst tot, wenn die EU-Kom­mis­si­on das The­ma zu den Akten legt“.

So äußer­te sich am ver­gan­ge­nen Mitt­woch der Sozi­al­wis­sen­schaft­ler und NRW-Geschäfts­füh­rer der Initia­ti­ve “Mehr Demo­kra­tie e.V.”, Alex­an­der Trenn­heu­ser, bei einer Info-Ver­an­stal­tung der Sauer­län­der Bür­ger­lis­te (SBL/FW) in Mesche­de.

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Wie passt sei­ne Aus­sa­ge zu den Mel­dun­gen der letz­ten Tage? Frank­reich erklär­te TTIP doch für gestor­ben. Und Sig­mar Gabri­el sang eben­falls den Abge­sang auf das geplan­te Frei­han­dels­ab­kom­men mit den USA. Alex­an­der Trenn­heu­ser hat dafür eine ein­leuch­ten­de Erklä­rung. Die Ver­kün­dung: „TTIP ist tot“ sei dem Wahl­kampf geschul­det.
Logisch! In Frank­reich sitzt der Front Natio­nal in den Start­lö­chern. Und ein gro­ßer Teil der SPD-Basis hat die trans­at­lan­ti­schen Han­dels­ab­kom­men nicht wirk­lich ins Herz geschlos­sen. Der wahr­schein­li­che Kanz­ler­kan­di­dat möch­te sei­nen kri­ti­schen Genos­sen nun wohl etwas ent­ge­gen rudern – not­ge­drun­gen?

Von Mut­ma­ßun­gen zu den Fak­ten. Fan­gen wir bei dem nahe­lie­gen­den an, mit CETA, dem Wirt­schafts- und Han­dels­ab­kom­men zwi­schen Kana­da und Euro­pa. Bei CETA gibt‚s nicht mehr viel zu ret­ten. Das Abkom­men ist aus­ge­han­delt. Bas­ta! Sig­mar Gabri­el will es uns als „aus­ge­wo­gen“ schmack­haft machen. Bas­ta? Nein! „Aus­ge­wo­gen“? Das Adjek­tiv neh­men dem Wirt­schafts­mi­nis­ter min­des­tens 125.000 Bür­ge­rin­nen und Bür­ger nicht ab. Unge­fähr so vie­le reich­ten letz­te Woche eine gemein­sa­me Ver­fas­sungs­kla­ge gegen CETA ein. Ein Novum! Es ist die größ­te Bür­ger­kla­ge in der Geschich­te des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts.
Klick:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/ceta-aktivisten-reichen-verfassungsklage-mit-125–000-unterstuetzern-ein-a-1110284.html

Was wird uns CETA brin­gen, wenn denn?
Alex­an­der Trenn­heu­ser zählt bei­spiel­haft auf:
• Son­der­kla­ge­rech­te für Inves­to­ren
• Absi­che­rung von Inves­ti­tio­nen der Unter­neh­mer, z.B. für den Fall, dass deren Gewin­ne nicht in dem Maße flie­ßen wie gewünscht
• Alles ist han­del­bar
• Kei­ne gegen­sei­ti­ge Aner­ken­nung von Stan­dards, z.B. im Ver­brau­cher- und Umwelt­schutz
• Abbau von Schutz­rech­ten
• Ein­grif­fe in die auto­no­men Gesetz­ge­bungs­rech­te der EU-Staa­ten

Was bringt uns TTIP, wenn denn?
Sie­he oben! Mit dem Unter­schied, dass TTIP noch nicht aus­ge­han­delt ist.
Alex­an­der Trenn­heu­ser macht sich – im Gegen­satz zur CDU – kei­ne Illu­sio­nen. Die CDU ver­brei­tet sei­ner Mei­nung nach „Blöd­sinn“ über das (angeb­li­che) gro­ße Wirt­schafts­wachs­tum durch TTIP. „Nie­mand kann Wachs­tum ernst­haft pro­gnos­ti­zie­ren, zumal nie­mand weiß, was in den Ver­trä­gen steht“, kri­ti­siert der Sozi­al­wis­sen­schaft­ler. Er kri­ti­siert auch den intrans­pa­ren­ten Ver­hand­lungs­pro­zess und den Zugang der Lob­by­is­ten zu poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen. „Der Ent­ste­hungs­pro­zess von CETA und TTIP war nicht demo­kra­tisch!“. Der Ver­lauf wür­de umge­dreht, was bedeu­te:
Erst wird ein­ge­führt, dann wird abge­stimmt! (CETA soll vor­läu­fig ange­wen­det wer­den – ohne Rati­fi­zie­rung!)
Ein wei­te­rer Kri­tik­punkt: Die Frei­han­dels­ab­kom­men räu­men den Inves­to­ren weit­rei­chen­de Kla­ge­rech­te vor undurch­sich­ti­gen, pri­va­ten Schieds­ge­rich­ten ein, sogar Kla­gen auf ent­gan­ge­ne Gewin­ne.

Erklär­tes Ziel der Frei­han­dels­ab­kom­men ist, Inves­to­ren inves­ti­ti­ons­freund­lich zu behan­deln. Was das prak­tisch bedeu­tet, kön­nen wir uns mit etwas Fan­ta­sie aus­ma­len. Neh­men wir an, Coca Cola möch­te das Trink­was­ser von Bri­lon oder Mesche­de auf­kau­fen, in Fla­schen abfül­len und als „Sauer­län­der Edel­was­ser natur­rein“ teu­er ver­mark­ten. Ver­mut­lich kann der Kon­zern das dann tun? Ange­nom­men, der bis­he­ri­ge Was­ser­ver­sor­ger, die Stadt, der Rat und die Bür­ger weh­ren sich gegen die­ses Vor­ha­ben und ver­zö­gern oder ver­hin­dern das Pro­jekt, dann kann der Coca Cola-Kon­zern die Kom­mu­ne wahr­schein­lich spie­lend vor einem pri­va­ten Schieds­ge­richt auf Zah­lung ent­gan­ge­ner Gewin­ne ver­kla­gen? Da kämen dann womög­lich ein paar Mil­lio­nen Euro oder Dol­lar Scha­dens­er­satz­zah­lung auf die betref­fen­de Stadt und ihre Bür­ger zu. Falls mei­ne Fan­ta­sie nun mit mir durch geht, bit­te mel­den und rich­tig stel­len!

Was nun? Was tun?
Pro­tes­tie­ren, weh­ren, nicht auf­ge­ben, zusam­men mit Mehr Demo­kra­tie, Com­pact, Food­watch, Green­peace und ande­ren Orga­ni­sa­tio­nen und Mil­lio­nen von Men­schen.
Gute Gele­gen­heit dazu ist am Sams­tag dem 17. Sep­tem­ber 2016 in Köln und 6 ande­ren Städ­ten bei der bun­des­wei­ten Groß­de­mons­tra­ti­on „STOP CETA TTIP“.
http://ttip-demo.de/bundesweiter-demo-tag/koeln/

PM der Sauer­län­der Bür­ger­lis­te (SBL/FW)