Leser­brief: Nel­li­us­stra­ße Sundern-Hachen

14. April 2014
von Redaktion
Leserbriefe

Leser­brie­fe an Dorf​in​fo​.de

Sun­dern. Nach dem für die Bür­ger­initia­ti­ve Nel­li­us­stra­ße Sun­dern-Hach­en über­aus erfolg­rei­chen Bür­ger­be­geh­ren will nun der Rat der Stadt Sun­dern einen Bür­ger­ent­scheid, zu dem alle wahl­be­rech­tig­ten Bür­ger aus allen Orts­tei­len auf­ge­ru­fen sind. Vom 22. April bis zum 6. Mai 2014 kann man an Werk­ta­gen von 8.30 bis 16.00 Uhr im Bür­ger­bü­ro Raum 009 des Rat­hau­ses sei­ne Stim­me abge­ben, diens­tags und don­ners­tags bis 18.00 Uhr, am Sonn­tag von 9.00 bis 12.00 Uhr. Unter­la­gen für die Brief­wahl kön­nen im Bür­ger­bü­ro abge­holt oder schrift­lich bean­tragt wer­den.  Wenn die Namens­ge­bung einer Stra­ße eine Ehre ist, so bedeu­tet die Weg­nah­me das Gegen­teil, näm­lich eine Ent­eh­rung. Die Benen­nung eines wich­ti­gen Sauer­län­der Kom­po­nis­ten aus dem öffent­li­chen Bereich zu ent­fer­nen bedeu­tet folg­lich eine Ent­eh­rung, die man als kul­tur­feind­li­chen Schlag gegen alle Sän­ge­rin­nen und Sän­ger in der Stadt inter­pre­tie­ren kann. Auch der För­de­rung des Sauer­län­der Platt wird ein Bären­dienst erwie­sen. Der ers­te offen­sicht­li­che Scha­den ist schon ein­ge­tre­ten. Beim 130-jäh­ri­gen Jubi­lä­um des Cho­res Musi­ca Ein­tracht Hach­en am letz­ten Wochen­en­de konn­te nicht ein­mal das Lied „Meyn Duarp“ mit dem Text des 1917 im 1. Welt­krieg gefal­le­nen Johann Anton Hen­ke aus Fret­ter­müh­le gesun­gen wer­den.  Bei der Beur­tei­lung des „Pro­blems“ Nel­li­us hilft ein Blick in die dama­li­gen Zeit­um­stän­de. Im Jahr 1979, vier Jah­re nach der Ein­füh­rung des Stra­ßen­na­mens Nel­li­us­stra­ße durch den Rat der Gemein­de Hach­en unter Mit­wir­kung von Amts­bür­ger­meis­ter Josef Klau­ke und des Stadt­rats der jun­gen Stadt Sun­dern unter der Lei­tung von Bür­ger­meis­ter Franz-Josef Tig­ges – amt­lich geehrt durch einen eige­nen Platz – fei­er­te der Män­ner­ge­sang­ver­ein Cäci­lia Sun­dern sein 100-jäh­ri­ges Bestehen mit einer lesens­wer­ten Fest­schrift von 95 Sei­ten. Ver­fas­ser sind u. a. Dr. Hubert Schmidt, Frie­del Schült­ke und Ger­hard Schef­fer.  1934 ver­lang­ten die Natio­nal­so­zia­lis­ten die Ein­füh­rung des Füh­rer­prin­zips. Vor­sit­zen­der Hubert Schef­fer-Michels war nun Ver­eins­füh­rer. Im Pro­to­koll­buch steht zu lesen: „Der Ari­er-Para­graph besteht bereits für unse­ren Ver­ein und ist der­sel­be bis­lang immer streng beach­tet wor­den.“ Die neu­en Bestim­mun­gen gal­ten für den gan­zen Deut­schen Sän­ger­bund. Dazu gehör­te auch die Ein­rich­tung der Stel­le eines „Pro­pa­gan­dalei­ters“ im Vor­stand. Die­ser muss­te Par­tei­mit­glied sein und hat­te dar­auf zu ach­ten, dass alles im Ver­ein „lini­en­treu“ von­stat­ten ging.  Brei­ten Raum nimmt die Bericht­erstat­tung zum Deut­schen Sän­ger­bun­des­fest 1937 in Bres­lau ein, an dem meh­re­re Tau­send Sän­ger teil­nah­men. Schirm­herr: Der „Reichs­mi­nis­ter für Volks­auf­klä­rung und Pro­pa­gan­da Dr. Josef Göb­bels“.  Cäci­lia Sun­dern und Lie­der­freund Neheim bil­de­ten eine Chor­ge­mein­schaft für die Urauf­füh­rung der bei­den gro­ßen geist­li­chen Wer­ke von Georg Nel­li­us: „Sta­bat Mater dolo­ro­sa“ (Chris­ti Mut­ter stand mit Schmer­zen …) op. 56, kom­po­niert 1932, und „Requi­em“ op. 58, kom­po­niert 1933 nach dem Text der katho­li­schen Begräb­nis­lit­ur­gie. Diri­gent: Georg Nel­li­us, Prä­si­dent des West­fä­li­schen Sän­ger­bun­des und „Gau­chor­lei­ter“. Zur Gene­ral­pro­be in der Sun­derner Schüt­zen­hal­le erklär­te Pfar­rer Johan­nes Soer von St. Johan­nes in Sun­dern – auch er wird durch eine Stra­ße geehrt – „ … Es ist die ein­zi­ge reli­giö­se Auf­füh­rung eines Wer­kes, das in Bres­lau gebo­ten wird. Des­halb ist eine Emp­feh­lung zum Besuch die­ser Auf­füh­rung gebo­ten.“  Die Natio­nal­so­zia­lis­ten fühl­ten sich durch die Auf­füh­rung die­ser Wer­ke in Bres­lau so sehr pro­vo­ziert, dass der Druck auf Nel­li­us erhöht wur­de und er 1938 in die Par­tei ein­trat, um sich und die Ver­ei­ne des west­fä­li­schen Sän­ger­bun­des zu schüt­zen.  Von inter­es­sier­ter Stel­le wird gern behaup­tet, es gäbe „neue Erkennt­nis­se über Nel­li­us durch wis­sen­schaft­li­che For­schun­gen“. Das stimmt nicht ! Eine Kan­ne voll Kaf­fee unter­schei­det sich von einer Tas­se nur dadurch, dass die Men­ge grö­ßer ist. Es han­delt sich lei­der aus heu­ti­ger Sicht um die glei­chen unap­pe­tit­li­chen und men­schen­ver­ach­ten­den Äuße­run­gen, die die Natio­nal­so­zia­lis­ten hören und lesen woll­ten. Neu ist nur die Ver­brei­tung durch das Inter­net, das kos­tet ja nichts.  Auch die Behaup­tung, Wider­stands­kämp­fer und Opfer wür­den nicht berück­sich­tigt, ist falsch ! Hier nur zur Erin­ne­rung : Wir haben in Sun­dern einen Dr. Josef-Klein­sor­ge-Platz und einen Levi-Klein-Platz, eine Geschwis­ter-Scholl-Stra­ße, eine Kar­di­nal-von-Galen-Stra­ße und eine Maxi­mi­li­an-Kol­be-Stra­ße. Soll­te jemand ver­ges­sen sein, der Kul­tur­aus­schuss der Stadt wird umge­hend für eine ent­spre­chen­de Neu­be­nen­nung sor­gen.  Der Name Nel­li­us­stra­ße scha­det der Stadt Sun­dern in kei­ner Wei­se. 38 Jah­re hat sich nie­mand dar­an gestört. Eine Umbe­nen­nung und damit Ent­eh­rung eines bedeu­ten­den Kom­po­nis­ten scha­det erheb­lich mehr.  Soll­te jemand noch unent­schlos­sen sein, wo er sein Kreuz­chen beim Bür­ger­ent­scheid machen soll, dem sei die Auf­fas­sung des bes­ten Nel­li­us­ken­ners in der Stadt Sun­dern ans Herz gelegt. Franz Sel­ter, ehe­mals Orga­nist an St. Johan­nes Sun­dern, Diri­gent des Kir­chen­cho­res, des MGV Cäci­lia Sun­dern und des Ora­to­ri­en­cho­res des Musik­ver­eins Arns­berg, nennt drei Punk­te: „1. Es gibt über­haupt kei­nen Grund zur Umbe­nen­nung der Nel­li­us­stra­ße. 2. Georg Nel­li­us war ein her­vor­ra­gen­der Musi­ker und Kom­po­nist. 3. Es gab zu mei­ner Zeit nie­mand, der nicht in irgend­ei­ner Wei­se in den     Natio­nal­so­zia­lis­mus ver­strickt war.“

Schluss mit dem über­flüs­si­gen Umbe­nen­nungs­wahn ! Ent­schei­den Sie sich für Ja ! Sagen Sie Ja zu Respekt und Tole­ranz ! Sagen Sie Ja zum Erhalt des Namens Nelliusstraße !

Klaus Baul­mann, Kreuz­berg 63, Sundern

Leser­brie­fe müs­sen nicht der Mei­nung von Dorf​in​fo​.de entsprechen.