Legio­nel­len: Ver­brei­tung über Klimaanlagen

3. Oktober 2013
von Redaktion

Legio­nel­len: Ver­brei­tung über Klimaanlagen

Hoch­sauer­land­kreis. Land­rat ant­wor­tet in sei­ner Funk­ti­on als Mit­glied des Ver­bands­rats des Ruhrverbands

Das Legio­nel­len-Pro­blem in War­stein scheint aus­ge­stan­den. Trotz­dem möch­ten wir den Inter­es­sier­ten die Ant­wort des Land­rats des Hoch­sauer­land­krei­ses auf eine Anfra­ge von SBL-Kreis­tags­mit­glied Rein­hard Loos nicht vor­ent­hal­ten. Das Kreis­tags­mit­glied der Sauer­län­der Bür­ger­lis­te (SBL) hat­te dem Land­rat in des­sen Funk­ti­on als Mit­glied des Ver­bands­rats des Ruhr­ver­bands am 10.09.2013 eini­ge Fra­gen zu den Legio­nel­len-Erkran­kun­gen gestellt. Die Ant­wort trägt das Datum vom 02.10.2013. Wir doku­men­tie­ren hier voll­stän­dig die Anfra­ge der SBL und die Ant­wort des Landrats.

Anfra­ge

„Sehr geehr­ter Herr Landrat,
seit nun­mehr 4 Wochen erkran­ken immer wie­der Men­schen in War­stein an Legio­nel­len. Mitt­ler­wei­le ist eine Klär­an­la­ge des Ruhr­ver­bands als Infek­ti­ons­herd loka­li­siert. Bis ges­tern wur­de noch kei­ne Ent­war­nung gege­ben. Die Gefahr der Infek­ti­on mit den gefähr­li­chen Krank­heits­er­re­gern besteht also mög­li­cher­wei­se weiterhin.
Der Ruhr­ver­band behaup­tet in einer Pres­se­mit­tei­lung vom 06.09.2013 [http://​www​.ruhr​ver​band​.de/​p​r​e​s​s​e​/​p​r​e​s​s​e​m​i​t​t​e​i​l​u​n​g​e​n​/​d​e​t​a​i​l​a​n​s​i​c​h​t​/​d​a​t​u​m​/​2​0​1​3​/​0​9​/​0​6​/​p​r​e​s​s​e​m​i​t​t​e​i​l​u​n​g​-​d​e​s​-​r​u​h​r​v​e​r​b​a​n​d​s​-​z​u​r​-​k​l​a​e​r​a​n​l​a​g​e​-​w​a​r​s​t​e​in/ ]: „Aus den rund 90 Jah­ren … ist uns als Fach­leu­ten welt­weit kein Fall bekannt, in dem eine Legio­nel­len­in­fek­ti­on von einer Klär­an­la­ge aus­ge­gan­gen ist.“ Durch ganz simp­le Inter­net­re­cher­che (Ein­ga­be von „was­te­wa­ter tre­at­ment plant“ und „legio­nel­la“ in irgend­ei­ne Inter­net­such­ma­schi­ne) lässt sich jedoch her­aus­fin­den, dass bereits im Jahr 2008 eine bio­lo­gi­sche Klär­an­la­ge in Nor­we­gen geschlos­sen wur­de, weil in der Stadt Sarps­borg drei Legio­nel­len-Wel­len auf­ge­tre­ten waren und die Klär­an­la­ge als Ver­ur­sa­cher ermit­telt wurde.
Im Ruhr­ver­band sind auch Gemein­den aus dem HSK Mit­glied. Min­des­tens 16 Klär­an­la­gen des Ruhr¬verbands lie­gen im HSK. Sie als Land­rat gehö­ren dem Ver­bands­rat des Ruhr­ver­bands seit 2005 an und sind der ein­zi­ge Ver­tre­ter des HSK in die­sem Gre­mi­um. Hier­mit fra­ge ich Sie in Ihrer Funk­ti­on als Mit­glied des Verbandsrats:
• Wel­che Risi­ken für ein Auf­tre­ten und eine Aus­brei­tung von Legio­nel­len-Erkran­kun­gen sehen Sie im Hochsauerlandkreis?
• Wel­che Vor­sor­ge­maß­nah­men und wel­che Ver­än­de­run­gen hal­ten Sie für erfor­der­lich bzw. wür­den Sie emp­feh­len, um die Gefahr eines Aus­bruchs wei­te­rer Legio­nel­len-Erkran­kun­gen wirk­sam und nach­hal­tig zu reduzieren?
• Wel­che Maß­nah­men schla­gen Sie der Ver­bands­ver­samm­lung vor, damit im Ein­zugs­ge­biet des Ruhr­ver­bands der Aus­bruch neu­er Legio­nel­len-Erkran­kun­gen ver­hin­dert wird?
• Wel­che Maß­nah­men schla­gen Sie der Ver­bands­ver­samm­lung vor, damit der Ruhr­ver­band sei­nen Wis­sens­stand und sei­ne Infor­ma­ti­ons­po­li­tik verbessert?“

Ant­wort

„Legio­nel­len in einer Klär­an­la­ge des Ruhr­ver­bands in Warstein;
Ant­wort zur Anfra­ge vom 10.09.2013 gern. § 11 Abs. 1 Gesch0 des Kreistages

Sehr geehr­te Damen und Herren,
Ihre Anfra­ge vom 10.09.2013 rich­tet sich an mich in mei­ner Funk­ti­on als Mit­glied des Ver­bands­rats des Ruhr­ver­bands. Ich bin als Ver­tre­ter der im Ver­bands­ge­biet lie­gen­den Krei­se in den Ver­bands­rat gewählt wor­den. Es han­delt sich damit nicht um eine Ange­le­gen­heit des Hochsauerlandkreises,
son­dern um eine Ange­le­gen­heit, die dem Auf­ga­ben­be­reich des Ruhr­ver­bands zuge­ord­net ist, so dass Ihre Fra­gen grund­sätz­lich an den Ruhr­ver­band zu rich­ten wären. Im Inter­es­se einer offen geführ­ten Infor­ma­ti­on und Kom­mu­ni­ka­ti­on beant­wor­te ich Ihre Anfra­ge gleich­wohl wie folgt:

Fra­ge 1: Wel­che Risi­ken für ein Auf­tre­ten und ein Ver­brei­ten von Legio­nel­len-Erkran­kun­gen sehen Sie im Hochsauerlandkreis?
In Deutsch­land erkran­ken nach Anga­ben des Umwelt­bun­des­amts’ jähr­lich min­des­tens 20.000 bis 32.000 Men­schen an durch Legio­nel­len her­vor­ge­ru­fe­nen Lun­gen­ent­zün­dun­gen. Eine Häu­fung von Krank­heits­fäl­len wie jetzt in War­stein oder im Jahr 2010 in Ulm kann nie gänz­lich aus­ge­schlos­sen werden.
Die Fäl­le in War­stein und Ulm haben gemein­sam, dass die Legio­nel­len wohl über Kli­ma­an­la­gen bzw. Kühl­tür­me über die Stadt ver­teilt wur­den. Dass kom­mu­na­le Klär­an­la­gen mit dem Aus­bruch einer Legio­nel­len-Epi­de­mie in Zusam­men­hang ste­hen, ist welt­weit in der Lite­ra­tur nach Anga­ben der Exper­ten­kom­mis­si­on nicht nie berich­tet wor­den. Inso­fern ist das Risi­ko für eine der­ar­ti­ge Infek­ti­ons­häu­fung im Hoch­sauer­land­kreis genau­so hoch wie in allen ande­ren Städ­ten und Land­krei­sen Deutschlands.

Fra­ge 2: Wel­che Vor­sor­ge­maß­nah­men und wel­che Ver­än­de­run­gen hal­ten sie für erfor­der­lich bzw. wür­den Sie emp­feh­len, um die Gefahr eines Aus­bruchs wei­te­rer Legio­nel­len-Erkran­kun­gen wirk­sam und nach­hal­tig zu reduzieren?
Ich habe den Ruhr­ver­band gebe­ten, bau­glei­che Klär­an­la­gen bzw. Anla­gen mit ähn­li­chen Rand­be­din­gun­gen auf Legio­nel­len zu prü­fen. In die­sem Zusam­men­hang hat­te der Ruhr­ver­band ohne­hin bereits frei­wil­lig gegen­über dem Umwelt­mi­nis­te­ri­um NRW erklärt, an einem ent­spre­chen­den lan­des­wei­ten Unter­su­chungs­pro­gramm teilzunehmen.

Fra­ge 3: Wel­che Maß­nah­men schla­gen Sie der Ver­bands­ver­samm­lung vor, damit im Ein­zugs­ge­biet des Ruhr­ver­bands der Aus­bruch neu­er Legio­nel­len-Erkran­kun­gen ver­hin­dert wird?
Ob und wel­che Maß­nah­men vor die­sem Hin­ter­grund erfor­der­lich sind, kann erst dann sicher beur­teilt wer­den, wenn die Ergeb­nis­se aus dem lan­des­wei­ten Unter­su­chungs­pro­gramm und der damit ver­bun­de­nen Ursa­chen­for­schung vorliegen.

Fra­ge 4: Wel­che Maß­nah­men schla­gen Sie der Ver­bands­ver­samm­lung vor, damit der Ruhr­ver­band sei­nen Wis­sens­stand und sei­ne Infor­ma­ti­ons­po­li­tik verbessert?
Hier­zu habe ich als Ver­bands­rats­mit­glied kei­ne Ver­an­las­sung. Der Ruhr­ver­band hat auf der Klär­an­la­ge War­stein die gebo­te­nen Sofort­maß­nah­men schnell und ziel­ge­rich­tet umge­setzt. Die Öffent­lich­keit wur­de recht­zei­tig, trans­pa­rent und umfas­send über sei­ne Maß­nah­men und sei­nen Kennt­nis­stand infor­miert. Dar­über hin­aus setzt sich der Ruhr­ver­band ein, die Ursa­chen und Wir­kungs­ket­ten zu ergründen.
Aus­ge­hend von Ihrem Hin­weis auf eine Legio­nel­len­auf­fäl­lig­keit in einer nor­we­gi­schen Klär­an­la­ge bei der Stadt Sarps­borg im Jahr 2008, muss an die­ser Stel­le klar­ge­stellt wer­den, dass es sich bei der nor­we­gi­schen Anla­ge um eine Klär­an­la­ge einer Papier­fa­brik mit Abwassertemperaturen
von 37°C han­delt, wäh­rend Klär­an­la­gen zur Rei­ni­gung kom­mu­na­ler Abwäs­ser maxi­ma­le Abwas­ser­tem­pe­ra­tu­ren von 18- 21°C aufweisen.“

Anmer­kung
Zum letz­ten Punkt möch­ten wir anmer­ken, dass die Tem­pe­ra­tur in der Klär­an­la­ge War­stein wegen der Indus­trie­ab­wäs­ser bereits mehr als 20 Grad beträgt. Im August war sie wegen der hohen Außen­tem­pe­ra­tu­ren noch erheb­lich wei­ter ange­stie­gen. Par­al­le­len zu dem Legio­nel­len-Auf­kom­men bei der Klär­an­la­ge in Nor­we­gen im Jahr 2008 sind daher durch­aus naheliegend.

Quel­le: Sauer­län­der Bür­ger­lis­te (SBL)