Kers­tin Brätsch erhält August-Macke-Preis des Hoch­sauer­land­krei­ses 2014

9. April 2014
von Redaktion
Gruppenfoto Bekanntgabe August-Macke-Preisträgerin 2014

Grup­pen­fo­to Bekannt­ga­be August-Macke-Preis­trä­ge­rin 2014

Hoch­sauer­land­kreis. Kers­tin Brätsch erhält den August-Macke-Preis des Hoch­sauer­land­krei­ses 2014. Den Namen der Preis­trä­ge­rin gab Susan­ne Vel­tins, Inha­be­rin der Braue­rei C. & A. Vel­tins, wäh­rend eines Pres­se­ge­sprä­ches am Mon­tag, 7. April, bekannt. Der Macke-Preis ist mit 20.000 Euro dotiert und wird alle drei Jah­re ver­lie­hen. Ers­te Preis­trä­ge­rin 2008 war Lei­ko Ike­mu­ra, 2011 erhielt Corin­ne Was­muht die Auszeichnung.

 

Die aktu­el­le Preis­trä­ge­rin wur­de 1979 in Ham­burg gebo­ren und lebt heu­te in New York und Ber­lin. Kers­tin Brätsch erhielt ihre Aus­bil­dung an der Colum­bia Uni­ver­si­ty, School of the Arts, in New York City und als Meis­ter­schü­le­rin bei Prof. Lothar Baum­gar­ten an der Uni­ver­si­tät der Küns­te in Ber­lin. Dar­über hin­aus bekam sie zwi­schen 2005 und 2010 zahl­rei­che Stipendien.

 

Die Künst­le­rin arbei­tet selbst­stän­dig und im Kol­lek­tiv. Gemein­sam mit ihrer Ate­lier­kol­le­gin Ade­le Röder grün­de­te Brätsch 2007 „Das Insti­tut”, eine „Import-Expor­t­agen­tur”. Die Fir­ma ver­schreibt sich der Ver­wer­tung der eige­nen Bild­mo­ti­ve. Zahl­rei­che Ein­zel-Aus­stel­lun­gen und gemein­sam mit „Das Insti­tut“ in Euro­pa und ins­be­son­de­re in den USA haben Kers­tin Brätsch nicht nur in der Künst­ler­sze­ne bekannt gemacht. 2011 nahm sie an der 54. Bien­na­le in Vene­dig teil. 2013 war sie eine von vier nomi­nier­ten Künst­lern für den Preis der Natio­nal­ga­le­rie für jun­ge Kunst.

 

Die Jury unter dem Vor­sitz von Prof. Dr. Carl Peter Busch­küh­le war sich über die künst­le­ri­schen Arbei­ten von Kers­tin Brätsch einig: „Wir zeich­nen die­je­ni­gen aus, die die Zukunft in sich tra­gen“. Mit die­sen Wor­ten beschrieb 2005 der Grün­dungs­di­rek­tor des Muse­ums für moder­ne Kunst (MMK) in Frank­furt am Main und mehr­ma­li­ges Mit­glied der Jury des August-Macke-Prei­ses, Jean Chris­to­phe Ammann, die Aus­rich­tung des Prei­ses, der nach dem in jun­gen Jah­ren ver­stor­be­nen Künst­ler benannt ist und ihm zu Ehren und zum Geden­ken erst von sei­ner Geburts­stadt Mesche­de und seit 2008 vom Hoch­sauer­land­kreis aus­ge­lobt wird.

 

Kers­tin Brätsch erwei­tert, 100 Jah­re nach Macke, die Gren­zen der Male­rei erneut und trägt inso­fern die Zukunft in sich. Sie ist noch jung und hat sich doch bereits eine bedeut­sa­me Posi­ti­on in der Gegen­warts­kunst erobert. Inso­fern erfüllt sie das von Ammann benann­te Preis­kri­te­ri­um in ein­drucks­vol­ler Weise.

 

Ihre Male­rei rückt ab von über­lie­fer­ten Kli­schees wie der Künst­ler als das ein­sa­me, schöp­fe­ri­sche Genie, wel­ches ein­zig­ar­ti­ge, ‚ori­gi­na­le‘ Wer­ke schafft mit tra­di­tio­nel­len Mate­ria­li­en wie Ölfar­be auf Lein­wand. Sie ist eine post­mo­der­ne Künst­le­rin, inmit­ten der glo­ba­len Kul­tur, die wesent­lich durch die elek­tro­ni­schen Medi­en bestimmt wird und in der der Markt auch die Kunst ver­än­dert hat. So arbei­tet sie expe­ri­men­tell mit neu­en Werk­stof­fen für die Male­rei, z.B. trans­pa­ren­te Kunst­stoff­fo­li­en als Bild­trä­ger anstel­le der tra­di­tio­nel­len Lein­wand. Auch die Prä­sen­ta­ti­on der Male­rei geschieht auf neu­en Wegen: neben der tra­di­tio­nel­len Hän­gung an der Wand hän­gen die bemal­ten und bedruck­ten Kunst­stoff­bah­nen auch mit­ten im Raum oder wer­den zum Teil einer Instal­la­ti­on, die Plas­tik und Male­rei ver­bin­det. Die Moti­ve sind oft abs­trakt und zei­gen Varia­tio­nen von Mus­tern, die eben­so aus der Natur gewon­nen wer­den kön­nen wie aus Gra­phik­pro­gram­men am Computer.

 

Die expe­ri­men­tel­len und leb­haf­ten Bil­der von Kers­tin Brätsch zei­gen, dass trotz der The­ma­ti­sie­rung von Mas­sen­pro­duk­ti­on, populären
Medi­en und Kunst­markt als Bedin­gun­gen der Gegen­warts­kunst wie­der­um ori­gi­nel­le und ori­gi­na­le Wer­ke gestal­tet wer­den kön­nen, die aus der schöp­fe­ri­schen Kon­se­quenz einer Künst­ler­per­sön­lich­keit entstehen.“

 

„Die Preis­ver­lei­hung fin­det am 21. Juni in der Tauf­kir­che von August Macke in Mesche­de statt. Eine Aus­stel­lung von Kers­tin Brätsch im Sauer­land wird fol­gen“, zeigt Land­rat Dr. Karl Schnei­der den zeit­li­chen Ablauf für die Über­rei­chung des Macke-Prei­ses auf.

 

Der August-Macke-Preis wird unter­stützt von der Braue­rei C. & A. Vel­tins, den Spar­kas­sen im Hoch­sauer­land­kreis, von der Anne­gret und Hans-Richard Mei­ning­haus-Stif­tung, dem Hoch­sauer­lan­kreis, der Kul­tur­stif­tung der West­fä­li­schen Pro­vin­zi­al Ver­si­che­rung sowie vom August-Macke-Kuratorium.

 

August Macke wur­de am 3. Janu­ar 1887 in Meschede/​Hochsauerlandkreis gebo­ren und gehör­te zu den bekann­tes­ten deut­schen Malern des Expres­sio­nis­mus. Er nahm an bei­den Aus­stel­lun­gen des Blau­en Rei­ters 1911 und 1912 teil.