Feri­en­an­la­gen im Hoch­sauer­land­kreis – Wie vie­le ver­kraf­tet das Sauer­land?

6. Mai 2013
von Redaktion

Feri­en­an­la­gen aller Arten schie­ßen in vie­len Regio­nen in Deutsch­land wie Pil­ze aus dem Boden. Das Sauer­land macht da kei­ne Aus­nah­me. Das Deba­kel um den Schwimm­bad- und Sau­na­be­reich vom Over­sum zeigt aber lei­der schmerz­lich, dass ein klang­vol­ler Name, Vor­schuss­lor­bee­ren, Minis­ter und ande­re Pro­mis und viel Tam Tam bei der Eröff­nung abso­lut kei­ne Erfolgs- und Lang­le­big­keits­ga­ran­tie bedeu­ten. Nicht Träu­me, nein, Alb­träu­me sind in Win­ter­berg wahr gewor­den und das in deut­lich weni­ger Zeit als einem Jahr. In Sun­dern-Ame­cke ver­sucht eine neue Bür­ger­initia­ti­ve mit viel Ener­gie und Ein­satz ein wei­te­res „Feri­en­pa­ra­dies-Fias­ko“ ver­hin­dern. Wer sich für Zie­le und Argu­men­te der BI „Ame­cke 21“ inter­es­siert, kli­cke bit­te hier: http://www.amecke21.de Mög­li­ches Unge­mach, sprich der Bau eines wei­te­ren Feri­en­parks droht auch in Andre­as­berg bei Best­wig. Ein nie­der­län­di­scher Inves­tor will dort für 60 Mil­lio­nen Euro bis zu 250 Feri­en­häu­ser bau­en. Wahn­sinn! Klick: http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-meschede-eslohe-bestwig-und-schmallenberg/ferienpark-in-andreasberg-wird-gebaut-2014-sollen-die-ersten-haeuser-stehen-id7391217.html Kreis­tags­mit­glied Rein­hard Loos von der Sauer­län­der Bür­ger­lis­te (SBL) sieht den unge­brems­ten Trend zu immer noch mehr sauer­län­der „Feri­en-Desti­na­tio­nen“ kri­tisch und schick­te dem Land­rat am 08. April 2013 die­se Anfra­ge: „Tou­ris­mus ist für das Sauer­land seit Jahr­zehn­ten von gro­ßer Bedeu­tung. Wir freu­en uns dar­über, dass zu allen Jah­res­zei­ten Urlau­ber und Gäs­te das Sauer­land besu­chen, die viel­fäl­ti­gen tou­ris­ti­schen Ange­bo­te nut­zen und so zum wirt­schaft­li­chen Erfolg unse­rer Regi­on bei­tra­gen. Doch die Pla­nung und Pro­jek­tie­rung immer neu­er Feri­en­an­la­gen und ande­rer tou­ris­ti­scher Ein­rich­tun­gen beob­ach­ten vie­le Men­schen mit Sor­ge. Nicht erst der „Fall Over­sum“ macht deut­lich, zu wel­chen Pro­ble­men Über­an­ge­bot und finan­zi­ell aus dem Ruder lau­fen­de Bau­vor­ha­ben und voll­mun­di­ge Ver­spre­chen dubio­ser Inves­to­ren füh­ren kön­nen, ins­be­son­de­re im Rah­men von „PPP“-Projekten. Kri­tisch zu sehen sind auch Natur- und Flä­chen­ver­brauch. Daher bit­te ich fol­gen­de Fra­gen zu beant­wor­ten: 1. Wie vie­le Feri­en­parks, Feri­en­häu­ser und gro­ße Hotel­an­la­gen sind im HSK aktu­ell auf dem Markt und wie groß ist ihre Bet­ten­zahl? 2. Wel­che Daten sind Ihnen bekannt über die durch­schnitt­li­che Aus­las­tung der Feri­en­an­la­gen und Hotels? 3. Ist Ihnen bekannt, ob und wie vie­le Feri­en­an­la­gen, Feri­en­häu­ser, Feri­en­parks und Hotels der­zeit unge­nutzt sind und leer ste­hen oder sich in Abwick­lung befin­den? 4. Wenn ja, wo befin­den sich grö­ße­re, leer ste­hen­de Feri­en­kom­ple­xe, in wel­chem bau­li­chen Zustand sind sie und wer sind die jewei­li­gen Eigen­tü­mer? 5. Wel­che Bau­vor­ha­ben für wei­te­re, neue Feri­en­parks und -anla­gen, sowie für grö­ße­re Hotel­an­la­gen im HSK sind Ihnen bekannt, wo sol­len sie ent­ste­hen (in wel­cher Kom­mu­ne, Orts­nä­he, Wald­nä­he, am See) und über wel­che Bet­ten­ka­pa­zi­tä­ten wer­den sie nach jet­zi­gen Pla­nun­gen ver­fü­gen? 6. Wer sind die jewei­li­gen Inves­to­ren und wie vie­le die­ser Vor­ha­ben sind als PPP-Pro­jek­te kon­zi­piert? 7. Wel­che Feri­en­an­la­gen könn­ten Ihrer Ein­schät­zung nach jetzt und in Zukunft in unmit­tel­ba­rer Kon­kur­renz zuein­an­der ste­hen? 8. Wie vie­le Hal­len- und Frei­bä­der sind bestehen­den Feri­en­an­la­gen und Hotels ange­glie­dert, wie vie­le wei­te­re Bäder sind geplant? 9. Wie groß sind die Flä­chen (ein­schließ­lich des Wege­net­zes), die für die in Pla­nung und im Bau befind­li­chen Feri­en­an­la­gen ver­braucht wer­den (im Ein­zel­nen und ins­ge­samt)? 10. Gibt es Ihrer Ein­schät­zung nach bei ein­zel­nen Pro­jek­ten nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf Natur und Umwelt? 11. Sind Ihnen Gut­ach­ten auch von unab­hän­gi­gen Fach­leu­ten über Bedeu­tung und Aus­wir­kun­gen von Feri­en­parks und –anla­gen auf die regio­na­le Wirt­schaft bekannt und wie sind die Ergeb­nis­se hin­sicht­lich der Wirt­schaft­lich­keits­be­rech­nun­gen? 12. Gibt es auch Pro­gno­sen oder Gut­ach­ten über die Aus­wir­kun­gen des Ver­drän­gungs­wett­be­werbs und, wenn ja, wo wer­den die stärks­ten Ver­drän­gungs­ef­fek­te erwar­tet?“ Als Ant­wort schick­te der Orga­ni­sa­ti­ons­be­reich Struk­tur­för­de­rung, Regio­nal­ent­wick­lung des Hoch­sauer­land­krei­ses mit Datum vom 25.04.2013 ein etwas zag­haft wir­ken­des Schrei­ben. Hier der Text mit den Ant­wor­ten: „Fra­ge 1 Im April 2008 wur­de das Gut­ach­ten „Chan­cen und Risi­ken der Tou­ris­mus­wirt­schaft unter Ein­be­zie­hung von Feri­en­groß­an­la­gen im Hoch­sauer­land­kreis” (BTE-Gut­ach­ten, April 2008), vor­ge­stellt (Drs. 7/1019). Dar­in ist u. A. eine Über­sicht über Feri­en­parks in Nord­rhein-West­fa­len und angren­zen­den Bun­des­län­dern dar­ge­stellt. Fra­ge 2 Es sind kei­ne Daten bekannt Fra­ge 3 Nein Fra­ge 4 s. Fra­ge 3 Fra­ge 5 Im unter Fra­ge 1 genann­ten BTE-Gut­ach­ten sind eben­falls der Bestand und die Pla­nun­gen von Feri­en­groß­an­la­gen dar­ge­stellt (Kapi­tel 3.2.1). Wei­ter­ge­hen­de Erkennt­nis­se lie­gen nicht vor. Fra­ge 6 Es lie­gen kei­ne Infor­ma­tio­nen vor Fra­ge 7 s. BTE-Gut­ach­ten Fra­ge 8 Es lie­gen kei­ne Infor­ma­tio­nen vor. Fra­ge 9 s. Ant­wort zu Fra­ge 5. Im Übri­gen ist in Feri­en­an­la­gen auch immer ein gro­ßer Anteil an Grün­an­la­gen und Flä­chen mit Begleit­grün vor­han­den. Fra­ge 10 Bei bestehen­den und geneh­mig­ten Anla­gen wur­de die Fra­ge im Bau­leit­plan­ver­fah­ren abge­ar­bei­tet. Bei den geplan­ten Ver­fah­ren ist das Pla­nungs­sta­di­um der Bau­leit­pla­nung noch nicht erreicht. Fra­ge 11 Nicht bekannt Fra­ge 12 Nicht bekannt“ Zwar erüb­rigt sich ein Kom­men­tar zu die­ser „Ant­wort“. Trotz­dem, wir kön­nen es nicht las­sen, unse­re Ver­wun­de­rung dar­über zu for­mu­lie­ren, dass der HSK bei der Ant­wort auf die Fra­ge 1 ledig­lich auf ein fünf Jah­re altes Gut­ach­ten (77 Sei­ten stark) ver­weist. Das nicht mehr tau­fri­sche BTE-Gut­ach­ten erkann­te übri­gens Chan­cen und Risi­ken für Feri­en­an­la­gen. Ein Resü­mee auf Sei­te 72 liest sich so: „Neue, zusätz­li­che Ferien(groß)anlagen haben im Hoch­sauer­land­kreis eine Per­spek­ti­ve auf Wirt­schaft­lich­keit, wenn sie: durch Ver­knüp­fung mit der Regi­on und ihre Ange­bo­ten eine attrak­ti­ve Alter­na­ti­ve zu preis­wer­ten Flug­rei­sen und Urlaubs­rei­sen zu Schnäpp­chen­prei­sen dar­stel­len, sowohl neue Sauer­land­gäs­te akqui­rie­ren und Nach­fra­ge aus über­kom­me­nen Quar­tie­ren im Sauer­land zu sich umlen­ken kön­nen.“ Sämt­li­che 77 Sei­ten des Gut­ach­tens sind hier zu fin­den: https://sdoffice.hochsauerlandkreis.de/vorgang/?__=LfyIfvCWq8SpBQj0MjyGawFWu8Vn7Ui2QezGJ Seit April 2008 hat sich auf die­ser Welt doch das ein oder ande­re getan! Vor fünf Jah­ren waren z.B. Ener­gie­prei­se und Woh­nungs­mie­ten noch nicht in solch astro­no­mi­schen Höhen gestie­gen wie heu­te. Man­che poten­ti­el­len Urlau­ber ver­füg­ten damals noch über ein spür­bar höhe­res frei ver­füg­ba­res Ein­kom­men als jetzt. Und vor fünf Jah­ren stand in Win­ter­berg noch kein Ei mit dem Namen „Over­sum“ in der Land­schaft, das bekannt­lich der Land­rat im Okto­ber letz­ten Jah­res als ein gutes Bei­spiel dafür benann­te, wie sicht­bar gute pri­vat­wirt­schaft­li­che Pla­nung har­mo­nisch im kom­mu­na­len Raum ent­ste­hen kann. Klick: http://politikfotogermany.wordpress.com/2012/10/08/kommunen-melden-beratungsbedarf-bei-sab-ag-an; http://www.openpr.de/news/691922/Kommunen-melden-Beratungsbedarf-bei-SAB-AG-an.html In Win­ter­berg ist die Har­mo­nie nun lei­der hin. Wie sieht es mit der Balan­ce aus? Geht auch die ver­lus­tig, wenn mehr und noch mehr gro­ße Feri­en­an­la­gen in die sauer­län­der Land­schaft ein­be­to­niert wer­den? Dazu hat­ten wir vom Hoch­sauer­land­kreis eine Stel­lung­nah­me erwar­tet. Doch die Kreis­ver­wal­tung hält sich da lie­ber bedeckt. Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen, ist das etwa die Stra­te­gie des Hoch­sauer­land­krei­ses? Oder ist die Behör­de der Ansicht, der Markt wird es schon rich­ten (so wie beim Over­sum)? Oder trifft das eine wie das ande­re zu? Wir wis­sen es nicht. Quel­le: Sauer­län­der Bür­ger­lis­te (SBL)

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