Far­ben­fro­he Aus­stel­lung und gelun­ge­ne Lesung im Pferdestall

11. Juli 2015
von Redaktion

tag2dSun­dern. Bil­der im Foy­er, Bil­der im Wohn­zim­mer und die ganz gro­ßen For­ma­te im Pfer­de­stall – so prä­sen­tier­te sich die Aus­stel­lung des Ber­li­ner Künst­lers Chris­ti­an Awe im Haus Berg­hoff in Sun­dern-Dörn­holt­hau­sen. Sie wur­de am Don­ners­tag im Rah­men des Som­mer­fes­ti­vals „Kul­tur rockt!“ vom Schirm­herrn der Ver­an­stal­tungs­rei­he, Sun­derns Bür­ger­meis­ter Det­lev Lins, eröffnet.

Chris­ti­an Awe ist ein Kos­mo­po­lit: sein Haupt­wohn­sitz ist Ber­lin, ein Lehr­auf­trag führt ihn immer wie­der nach Gie­ßen, aber er hat die gan­ze Welt gese­hen, unter­stützt eine Schu­le in Bur­ki­na Faso, hat Asi­en und Ame­ri­ka inten­siv bereist und an Pro­jek­ten in New York und anders­wo mit­ge­ar­bei­tet. Sein größ­tes Werk hängt an einer Haus­fas­sa­de in Ber­lin-Char­lot­ten­burg, so groß wie ein Ten­nis­platz. Die Ein­drü­cke sei­ner Rei­sen ver­ar­bei­tet er in sei­nen far­bi­gen Bil­dern im Stil des „Infor­mel“, in denen man mit den Gedan­ken her­um­spa­zie­ren kann und immer wie­der neue … asso­zi­iert. Ganz anders sind sei­ne fast mono­chro­men Was­ser­trop­fen­bil­der, sie wir­ken wie Foto­gra­fien und erst beim nähe­ren Hin­se­hen erkennt man, dass sie gemalt und teil­wei­se unter­spritzt sind.

Nach der Aus­stel­lungs­er­öff­nung ging es lite­ra­risch wei­ter. Der Schwei­zer Autor Tho­mas Mey­er las aus sei­nem Buch „Wol­ken­bruchs wun­der­li­che Rei­se in die Arme einer Schick­se“ und erzähl­te amü­sant aus sei­nem Schrift­stel­ler­le­ben. Dass er nun wirk­lich ein ech­ter Schrift­stel­ler sei, das habe ihm nach dem Erschei­nen sei­nes ers­ten Buches erst die alte Dame des deut­schen Kri­mis Ingrid Noll ver­mit­teln kön­nen und seit­dem sei er eben einer!

Mey­er hat eine jüdi­sche Mut­ter und des­halb ist er Jude, auch wenn er mit Reli­gi­on nicht viel anfan­gen kann. Sein Buch ist ein amü­san­ter Ent­wick­lungs­ro­man über einen jun­gen ortho­do­xen Juden, der sich in ein nicht­jü­di­sches Mäd­chen ver­liebt – eine „Schick­se“. Dabei ver­wen­det Mey­er zahl­rei­che Aus­drü­cke aus dem Jid­di­schen und wäh­rend man mit „Mame“ und „Euto“ sofort etwas anfan­gen konn­te, war es mit Aus­drü­cken wie „Tuches“ oder „Schtub“ schon erheb­lich schwie­ri­ger. Aber wofür gibt es ein Glos­sar, in dem die Wör­ter über­setzt werden?

Dass Mey­er das Hör­buch selbst ein­spie­len durf­te, zeugt von der erst­klas­si­gen Qua­li­tät sei­ner Lesung.

Heu­te geht es schon mit dem nächs­ten Höhe­punkt wei­ter: der jun­ge Ber­li­ner Schau­spie­ler Tom Schil­ling ist zu Gast im Pfer­de­stall. Zuerst trifft er sich zu einem Künst­ler­ge­spräch mit Chris­ti­an Awe und anschlie­ßend wird der Film „Oh boy!“ gezeigt, der inzwi­schen Kult­sta­tus erlangt hat.