Erst ver­kau­fen, dann mie­ten – Stadt­ent­wick­lung in Mesche­de

21. Januar 2013
von Redaktion

SBL-LogoBHoch­sauer­land­kreis. Mesche­de. Herr Böving­loh, neu­er Eigen­tü­mer der Her­tie-Immo­bi­lie, wird nun die Stadt­hal­le für 172.000 € kau­fen. Die Stadt Mesche­de ver­pflich­tet sich, die­sen Gebäu­de­teil 20 Jah­re lang für anfäng­lich 15.000 € im Monat zurück­zu­mie­ten.

 

Mit einer übli­chen Miet­stei­ge­run­gen von ca. 1,6% je Jahr zahlt die Stadt ins­ge­samt ca. 4,2 Mio. € Mie­te. Wür­de die Stadt die Stadt­hal­le behal­ten und selbst sanie­ren, wür­de dies nur die Hälf­te kos­ten und nach 10 Jah­ren besä­ße Mesche­de eine erst vor kur­zem sanier­te Stadt­hal­le. Statt­des­sen bekommt Mesche­de ein genau auf die wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen des Inves­tors zuge­schnit­te­nes Böving­loh-Cen­ter, das als Insel­lö­sung für sich gut funk­tio­nie­ren wird. Liest man die Fach­li­te­ra­tur zur nach­hal­ti­gen Stadt­ent­wick­lung, dann bekommt unse­re Stadt eben kein Mesche­de-Cen­ter mit dem über­ge­ord­ne­ten Ziel einer mög­lichst posi­ti­ven Innen­stadt­ent­wick­lung.

 

Mit Sicher­heit hät­te man auch wie bei einem Wind­park oder einer Ener­gie­ver­sor­gung in Wal­len eine Bür­ger­ge­nos­sen­schaft für die Her­tie-Immo­bi­lie grün­den und das Pro­jekt in Eigen­re­gie ver­wirk­li­chen kön­nen. Mit dem gebün­del­ten Wis­sen von betei­lig­ten Bür­gern, dem Ein­zel­han­del und Immo­bi­li­en­be­sit­zern aus Mesche­de ist dies mög­lich. Wo trotz­dem Know-How fehlt, kann Leis­tung pro­jekt­be­zo­gen dazu­ge­kauft wer­den. Eine genos­sen­schaft­li­che Besit­zer­struk­tur hät­te zum Woh­le der Stadt immer kurz­fris­tig die Mög­lich­keit, auf Fehl­ent­wick­lun­gen – auch die einer Ruhr­stra­ße – aus­glei­chend zu reagie­ren. Alle Eigen­tü­mer und Bür­ger könn­ten – auch mit der Miet­hö­he – ent­schei­den, wel­che Geschäf­te sich ein­mie­ten. So kann das Geschäfts­an­ge­bot aus­ge­wo­gen, attrak­tiv und für ganz Mesche­de erfolg­reich gestal­tet wer­den.

 

Daher ist mir der geäu­ßer­te Unmut des Ein­zel­han­dels uner­klär­lich. Das Pro­jekt kommt nun genau­so, wie es seit Jah­ren geplant ist, ver­öf­fent­licht und auch kri­ti­siert wur­de.

 

Wo waren die­se Stim­men als es um Pro­jekt­ent­wick­lung ging?

 

Wel­che Vor­ga­ben wur­den den Volks­ver­tre­tern gemacht?

 

Einem Zusam­men­schluss aus Bür­gern, Ein­zel­händ­lern und Immo­bi­li­en­be­sit­zern aus Mesche­de, hät­te die Ver­wal­tung und die Rats­mit­glie­der immer den Vor­zug gege­ben. Aber da war nichts.

 

Für die Ruhr­stra­ße droht wei­te­res Ungemach:Während die Cen­ter-Kun­den hin­ter groß­zü­gi­gen Glas­fas­sa­den vor Käl­te und Regen geschützt ein­kau­fen, kön­nen sie kos­ten­los in unmit­tel­ba­rer Nähe par­ken. Gleich­zei­tig läuft der ver­lust­rei­che Pacht­ver­trag zwi­schen der Stadt und dem Eigen­tü­mer des Park­haus im Stift­cen­ter aus.

 

Was, wenn der Eigen­tü­mer die­ses Ver­lust­ge­schäft nicht wei­ter­führt und das Park­haus schließt?

 

Eine feh­len­de Nach­hal­tig­keit in der Stadt­ent­wick­lung, ein feh­len­des Enga­ge­ment der Betrof­fe­nen und eine auf Geg­ner­schaft zum Böving­loh-Cen­ter auf­ge­bau­ter Ein­zel­han­del, kommt Mesche­de in weni­gen Jah­ren rich­tig teu­er.

 

Johan­nes Brock­mann

 

Quel­le: Mesche­de braucht Zukunft (MbZ)