Die PTA-Schu­le, der Bevöl­ke­rungs­schwund und die böse, böse Landesregierung

2. Juli 2013
von Redaktion

Hoch­sauer­land­kreis. „PTA, ein Berufs­bild mit Zukunft“, so heißt es im Inter­net­por­tal des Hoch­sauer­land­krei­ses und zwar da:
http://​www​.hoch​sauer​land​kreis​.de/​b​s​/​S​c​h​u​l​e​_​u​n​d​_​B​i​l​d​u​n​g​/​S​c​h​u​l​e​n​_​u​n​d​_​E​i​n​r​i​c​h​t​u​n​g​e​n​/​p​t​a​/​i​n​d​e​x​.​php
Doch wie sieht ist es mit der Zukunft der Lehr­an­stalt für phar­ma­zeu­tisch-tech­ni­sche Assis­ten­ten des Hoch­sauer­land­krei­ses in Ols­berg, kurz PTA-Schu­le, aus? Ist ihr Fort­be­stand lang­fris­tig gesi­chert? Dis­kus­si­on und Ent­schei­dung in der Kreis­tags­sit­zung am 21. Juni 2013 in Mesche­de las­sen dar­an eini­ge Zwei­fel auf­kom­men. Fakt ist, die Lan­des­re­gie­rung wird die Lan­des­för­de­rung von 73 Euro für jede Schü­le­rin / jeden Schü­ler pro Monat Schritt für Schritt strei­chen. Ins­ge­samt fal­len pro Jahr etwa 47.000 Euro För­de­rung weg. Um den Bestand der Schu­le zu sichern, muss die Kür­zung also irgend­wie auf­ge­fan­gen wer­den. Dazu gibt es die­se Möglichkeiten:
a) die Apo­the­ken (und zwar mög­lichst alle!) steu­ern über den­von ihnen gegrün­de­ten För­der­ver­ein einen grö­ße­ren Anteil zur Aus­bil­dung ihres poten­ti­el­len Per­so­nals bei. Bis­her zahl­ten 29 Mit­glie­der des För­der­ver­eins 360 Euro je Mit­glied und Jahr.
b) die Schü­le­rin­nen und Schü­ler tra­gen einen höhe­ren Eigen­an­teil. Bis­her betrug das Schul­geld monat­lich 120 Euro.
c) der Hoch­sauer­land­kreis erhöht als Trä­ger der Lehr­an­stalt sei­nen Zuschuss. Der jähr­li­che Anteil des HSK betrug bis­her ca. 390.000 Euro.
d) die PTA-Schu­le wird geschlossen.
Der Kreis­tag ent­schied sich am 21. Juni 2013 mit gro­ßer Mehr­heit zunächst für die Vari­an­te b). Das monat­li­che Schul­geld wird dem­nach also von bis­her 120 Euro auf 215 Euro ange­ho­ben. Die Ent­schei­dung über Vari­an­te d) wur­de auf den Herbst 2013 vertagt.
Der Abstim­mung war eine leb­haf­te Dis­kus­si­on vor­aus gegan­gen. Gleich zu Beginn der Debat­te zog der Kreis­tags­ab­ge­ord­ne­te der Sauer­län­der Bür­ger­lis­te, Rein­hard Loos, den Wider­spruch des Land­rats auf sich, mit­samt des­sen Andro­hung, Loos das Wort zu ent­zie­hen. Der Grund für die hef­ti­ge Reak­ti­on des Ver­wal­tungs­chefs: Rein­hard Loos hat­te an die weni­ge Minu­ten vor­her getrof­fe­ne, groß­zü­gi­ge Ent­schei­dung einer 2/​3‑Mehrheit des Kreis­tags für den Bau des 12 Mil­lio­nen plus X teu­ren Sauer­land-Muse­ums in Arns­berg erin­nert und im glei­chen Atem­zug die erhöh­te För­der­sum­me, die der HSK an jähr­li­chem Betriebs­kos­ten­zu­schuss für das “neue” Muse­um auf­brin­gen will, in Rela­ti­on zu dem ver­gleichs­wei­se beschei­de­nen zusätz­li­chen Mit­tel­be­darf der PTA-Schu­le gestellt: Der zusätz­li­che jähr­li­che Mit­tel­be­darf für das Muse­um wird min­des­tens das 10fache des aus­fal­len­den Lan­des­zu­schus­ses für die PTA-Schu­le betra­gen. Das SBL-Mit­glied äußer­te auch die Befürch­tung, der von der Ver­wal­tung vor­ge­schla­ge­ne Beschluss bräch­te der Schu­le den schlei­chen­den Tod. Er mahn­te Pla­nungs­si­cher­heit für die nächs­ten 5 Jah­re an. „Wenn wir Zukunfts­ori­en­tie­rung wol­len, dann müs­sen wir die Schu­le erhalten!“
Die CDU-Mehr­heits­frak­ti­on sah das selbst­ver­ständ­lich anders, mach­te es sich erst mal ein­fach und gab den Ball an die Lan­des­re­gie­rung zurück. CDU-Tenor: „Der Kreis kann kei­ne Ersatz­leis­tun­gen für das Land machen!“ Aus den Rei­hen der größ­ten Frak­ti­on hieß es auch, Aus­bil­dung sei eben­so wich­tig wie das Muse­um. Der CDU-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Schul­te erin­ner­te dar­an, dass der HSK jäh­rich 388.000 Euro frei­wil­li­ge Leis­tun­gen für die PTA-Schu­le zah­le. Er for­der­te die Auf­nah­me der Schu­le in das Dua­le System.
Der Frak­ti­ons­spre­cher der Grü­nen Kreis­tags­frak­ti­on, Toni Voll­mer, erklär­te, er sehe in der Vor­la­ge den Toten­grä­ber der Schu­le. Der gewünsch­te Beschluss füh­re dazu, dass die Gesamt­kos­ten für vie­le Schü­le­rIn­nen nicht trag­bar sei­en. Eine Dua­le Aus­bil­dung, befürch­tet Toni Voll­mer, wür­de das Niveau nicht halten.
CDU-Mit­glied Rudolf Hei­ne­mann erwi­der­te, nie­mand wol­le die Schu­le leicht­fer­tig auf­ge­ben. Jetzt sei­en von den 80 Apo­the­ken 50 betei­ligt. Es soll­te bis zum 1. August abge­war­tet wer­den, wie sich die Anmel­de­zah­len nach der Erhö­hung des Lehr­gangs­gel­des ent­wi­ckeln. Er möch­te über die Schlie­ßung der Schu­le heu­te kei­ne Dis­kus­si­on füh­ren. Das sei nicht im Sin­ne des heu­ti­gen Beschlusses.
Die Dis­kus­si­on zog sich eini­ge Zeit hin. Es gab da noch eini­ge Sei­ten­hie­be vom Land­rat und der CDU auf die Lan­des­re­gie­rung und Minis­te­rin Stef­fens, die nach Mei­nung der HSK-CDU Mist ver­zapft haben.
Rein­hard Loos blieb wäh­rend­des­sen auf der sach­li­chen Ebe­ne und wies mit Blick auf die Fahr­schü­ler z.B. auch noch dar­auf­hin, dass wir im Hoch­sauer­land­kreis den teu­ers­ten ÖPNV weit und breit haben und der Kreis davon über die RLG pro­fi­tiert. Z.B. kos­tet eine Schü­ler­mo­nats­kar­te von Hüs­ten nach Ols­berg 162 Euro; dies belas­te die Schü­le­rin­nen und Schü­ler der PTA-Schu­le zusätzlich.
Als Reak­ti­on ver­kün­de­ten der CDU-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de und der Land­rat zum einen, sie woll­ten im Kreis­tag kei­nen Rechen­schie­ber schie­ben und zum ande­ren, sie hät­ten aus­ver­han­delt und vor allem, sie woll­ten mit dem Beschluss die Schu­le retten.
Der SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Hans Wal­ter Schnei­der for­der­te dar­auf­hin einen neu­en Beschluss. Der letz­te Satz in dem Beschluss­vor­schlag, in dem die end­gül­ti­ge Ent­schei­dung über den Bestand der PTA-Schu­le für den Herbst 2013 ange­kün­digt wur­de, sol­le gestri­chen werden.
Der Land­rat schlug wie­der­um dar­auf­hin vor, jetzt über die Lehr­gangs­ge­büh­ren zu beschlie­ßen, um dann im Herbst einen wei­te­ren Beschluss zu fas­sen. Die anschlie­ßen­de Abstim­mung erbrach­te kei­ne Gegen­stim­me und nur eine Ent­hal­tung; aller­dings hat­ten sich eini­ge Kreis­tags­mit­glie­der gar nicht beteiligt.
Rein­hard Loos kri­ti­sier­te unmit­tel­bar nach die­ser Abstim­mung das vom Land­rat ver­kün­de­te Ergeb­nis. Er stell­te fest, die Fra­ge über Höhe der Gebüh­ren sei gera­de nicht ent­schie­den wor­den, son­dern es sei nur über das Abstim­mungs­ver­fah­ren abge­stimmt wor­den; ande­re Mit­glie­der des Kreis­tags bestä­tig­ten dies. Dar­auf­hin erfolg­te eine wei­te­re Abstim­mung, dies­mal über die Lehr­gangs­ge­büh­ren. Das Ergeb­nis: Für die Erhö­hung des Schul­gel­des von 120 Euro auf 215 Euro stimm­ten CDU‑, SPD- und FDP-Frak­ti­on. Gegen die Erhö­hung stimm­ten die vier Kreis­tags­mit­glie­der der Grü­nen, sowie Bea­te Raberg von Die Lin­ke und Rein­hard Loos von der Sauer­län­der Bür­ger­lis­te (SBL). Über einen Ände­rungs­an­tra­ge von Rein­hard Loos, das Schul­geld nur um monat­lich 50 Euro auf 170 Euro zu erhö­hen, wur­de vom Land­rat gar kei­ne Abstim­mung durch­ge­führt. Rein­hard Loos hat­te zur Begrün­dung dar­auf hin­ge­wie­sen, dass durch den Weg­fall des Lan­des­zu­schus­ses 73 Euro je Schü­ler und Monat fehl­ten; etwa 22 Euro wür­den zusätz­lich durch die Apo­the­ken auf­ge­bracht. Es bestün­de also nur ein Mehr­be­darf von ca. 50 und nicht von 95 Euro. Die vom Land­rat vor­ge­schla­ge­ne Erhö­hung füh­re dazu, dass die Schü­le­rin­nen und Schü­ler viel zu viel Schul­geld zah­len müßten.
Im Herbst geht es also um Sein oder Nicht­sein der PTA-Schu­le. Es wird im Kreis­tag dar­über abge­stimmt, ob ab August 2014 noch Schü­le­rin­nen und Schü­ler auf­ge­nom­men wer­den oder nicht. Das Signal ist nicht gut; die Unge­wiss­heit bleibt!
Fällt die Ent­schei­dung im Herbst nega­tiv aus, set­zen unse­re Kom­mu­nal­po­li­ti­ker bewusst Dut­zen­de Aus­bil­dungs­plät­ze im Sauer­land in den Sand. Auf der einen Sei­te bekla­gen die Ent­schei­dungs­trä­ger hef­tig, die vie­len jun­gen Men­schen die das Sauer­land ver­las­sen. Auf der ande­ren Sei­te stel­len sie durch Kreis­tags­be­schlüs­se die Wei­chen in Rich­tung Schlie­ßung einer wich­ti­gen Schu­le. Und dann wun­dern sie sich wie­der, wenn eine gro­ße Zahl jun­ger Leu­te auf Sauer­land, Sauer­land-Muse­um, Schüt­zen­fes­te und viel­leicht sogar auch auf die böse Lan­des­re­gie­rung pfei­fen. Wer ein­mal weg ist, ist weg und bleibt weg, gewöhn­lich für immer!
Sauer­land adieu!
Quel­le: Sauer­län­der Bür­ger­lis­te (SBL)