Unver­ständ­nis und Ent­täu­schung über Ableh­nung vom Natur­schutz­ge­biet am „Kah­len Kohl”

2. Juli 2021
von Redaktion

Bür­ger­meis­ter, CDU und SPD leh­nen Natur­schutz­ge­biet ab

Bri­lon. Ein Inves­tor hat­te geplant, am „Kah­len Hohl“ in Guden­ha­gen eine Sied­lung mit etwas mehr als 20 Häu­sern und einer Gas­tro­no­mie mit etwa 600 Plät­zen zu errich­ten. Vor etwa zwei Jah­ren stell­te sich jedoch her­aus, dass es sich bei dem vor­ge­se­he­nen Grund­stück um ein sehr wert­vol­les Bio­top han­delt. Das Gelän­de besteht aus einer arten­rei­chen Mager­wie­se, Auen­land und einer Viel­zahl sel­te­ner Pflan­zen. Das fach­lich zustän­di­ge Lan­des­amt LANUV hat­te nach einer gründ­li­chen Unter­su­chung vor­ge­schla­gen, das gut 6 ha gro­ße Are­al als Natur­schutz­ge­biet aus­zu­wei­sen. Die­ses Ergeb­nis wur­de auch im Rat prä­sen­tiert. Anfang des Jah­res hat der Inves­tor sei­ne Plä­ne auf­ge­ge­ben. Und am 30. Juni  hat der Rat end­lich beschlos­sen – wie von der BBL  schon lan­ge gefor­dert – den vor­ha­ben­be­zo­ge­nen Bebau­ungs­plan auf­zu­he­ben. „Das ist ein ers­ter Schritt zum Schutz des Gebie­tes”, meint die BBL von Brilon.

Antrag von BBL, Grü­nen, FDP und Linken

Für die­se Rats­sit­zung hat­ten alle 8 Rats­mit­glie­der von BBL, Grü­nen, FDP und Lin­ken gemein­sam auch den Antrag gestellt, den Bür­ger­meis­ter zu beauf­tra­gen, bei den zustän­di­gen Stel­len die Aus­wei­sung die­ser Flä­che als Natur­schutz­ge­biet zu bean­tra­gen, wie vom LANUV vor­ge­schla­gen. „Damit wür­de ein wesent­li­cher Bei­trag für die nach­hal­ti­ge Siche­rung die­ser Flä­che für den Natur­schutz und für ihre geeig­ne­te Pfle­ge geleis­tet. Die Flä­che könn­te dann sinn­voll in die Tou­ris­mus­an­ge­bo­te im Bri­lo­ner Süden ein­ge­bun­den wer­den, ohne ihren Bestand zu gefähr­den.“ Rats­mit­glied Annet­te Loos (BBL) erläu­ter­te den Antrag in der Rats­sit­zung und wies dabei auch dar­auf hin, dass ein Natur­schutz­ge­biet einen viel höhe­ren Schutz bedeu­tet als ein Bio­top. Denn in einem Bio­top kön­nen vie­le Aus­nah­men zuge­las­sen wer­den, z.B. bei der Auf­stel­lung von Bebauungsplänen.

 

Gleich­zei­tig wür­de ein sol­ches Natur­schutz­ge­biet gute Gele­gen­hei­ten für die Ver­wen­dung von Ersatz­gel­dern bie­ten. Die­se Gel­der fal­len z.B. bei der Errich­tung von Wind­ener­gie­an­la­gen an. Bis­her konn­ten etwa 2 Mio Euro, die im Stadt­ge­biet Bri­lon u.a. von Wind­kraft­be­trei­bern gezahlt wur­den, nicht für Natur­schutz­maß­nah­men im Stadt­ge­biet ein­ge­setzt wer­den. Statt­des­sen droht, dass die­se Gel­der nun in ande­ren Städ­ten und Gemein­den ver­wen­det wer­den”, so die BBL.

Bür­ger­meis­ter, CDU und SPD lehn­ten den von vier Par­tei­en bzw. Frak­tio­nen gestell­ten Antrag jedoch ab. Sie woll­ten kei­ne wei­te­ren „Auf­la­gen“ haben.

Unver­ständ­nis über Entscheidung

Die­se Ent­schei­dung stößt bei den Antrag­stel­lern auf völ­li­ges Unver­ständ­nis und Ent­täu­schung. Frau­ke Müt­hing, Frak­ti­ons­spre­che­rin der BBL, wies nach der Rats­sit­zung auf das am 29. April ver­öf­fent­lich­te Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts hin. Dar­aus ergibt sich auch für die Kom­mu­nen eine Ver­pflich­tung, mehr für den Kli­ma­schutz zu tun. Lisa Brom, Frak­ti­ons­spre­che­rin der Grü­nen Rats­frak­ti­on, erklär­te zu der Ent­schei­dung des Rates, sie fän­de „es sehr bedau­er­lich, dass CDU und SPD dem Natur­schutz lei­der nicht das nöti­ge Gewicht beimessen.“

(Quel­le: BBL-Frak­ti­on Bri­lon,  Rein­hard Loos)