16 Bio­gas­an­la­gen im HSK, davon 5 in Was­ser­schutz­ge­bie­ten / 4 Stör­fäl­le in den letz­ten 5 Jahren

26. Mai 2015
von Redaktion

Hoch­sauer­land­kreis.

Bio­gas­an­la­gen sind offen­bar stö­rungs­an­fäl­lig. Im Jahr 2012 gab es bei­spiels­wei­se im Land­kreis Roten­burg in Nie­der­sach­sen eine gro­ße Umwelt­ka­ta­stro­phe durch den Aus­fall des Pump­sys­tems einer Bio­gas­an­la­ge. Als Fol­ge des tech­ni­schen Defekts lie­fen ca. 400 Kubik­me­tern Gär­sub­strat aus. Die Flüs­sig­keit ergoss sich in einen angren­zen­den Bach. Das hat­te wie­der­um das sofor­ti­ge Abster­ben des Fisch­be­stands zur Fol­ge. Die wie­der­hol­ten Mel­dun­gen über fol­gen­rei­che Unfäl­le durch Bio­gas­an­la­gen ver­an­lass­te die Kreis­tags­frak­ti­on Sauer­län­der Bür­ger­lis­te (SBL/FW) am 21.04.2015 zu einer Anfrage.

Wir ver­öf­fent­li­chen hier nun die Ant­wort der Kreis­ver­wal­tung vom 04.05.2015 im vol­len Wortlaut:

„Ihre Anfra­ge gem. § 11 Gesch0 für den Kreis­tag des Hochsauerlandkreises;
hier: Bio­gas­an­la­gen vom 21.04.2015

Sehr geehr­ter Herr Loos,

Ihre Anfra­ge zum The­ma Bio­gas­an­la­gen beant­wor­te ich wie folgt:

zu 1. Wie vie­le Bio­gas­an­la­gen wer­den aktu­ell im HSK betrieben?

Z. Zt. wer­den nach hie­si­gem Kennt­nis­stand 16 Anla­gen betrieben.

zu 2. Wo befin­den sie sich und wer sind die jewei­li­gen Betreiber?

Die Stand­or­te mit den hier bekann­ten Betrei­bern kön­nen der fol­gen­den Tabel­le ent­nom­men werden.

Stadt / Gemein­de Orts­teil Betreiber
Bri­lon Kef­fel­ke: Bio­gas-Kef­fel­ke GbR
Eslo­he Oes­ter­ber­ge: Oes­ter­ber­ger Bio­gas GmbH
Mars­berg Born­tos­ten: Stadt­wer­ke Marsberg
Mars­berg Can­stein: Frei­herr von Elver­feldt, Alexander
Mede­bach Tit­ma­ring­hau­sen: Fre­se, Christoph
Mede­bach Medabch: Natur­strom Faust­weg GmbH & Co. KG
Mede­bach Mede­bach: Schmidt, Andreas
Mesche­de Hor­bach: Hei­ne­mann, Karl-Johannes
Mesche­de Ober­mie­ling­hau­sen: Hei­ne­mann, Johannes
Mesche­de Mie­ling­hau­sen: Kott­hoff, Franz-Josef
Mesche­de Wal­len: See­mer, Wilhelm
Schmal­len­berg Ebbing­hof: Ebbing­hof Bio­gas GmbH & Co. KG
Sun­dern Allen­dorf: Bio­en­er­gie GmbH
Sun­dern Esting­hau­sen: Hey­mer, Matthias
Sun­dern Allen­dorf: Frei­burg-Neu­haus, Stefan
Win­ter­berg Alten­feld: Wege­ner, Antonius

zu 3. Wie vie­le Anla­gen ste­hen in Was­ser­schutz­ge­bie­ten oder in deren Nähe?
Wel­che Abstand­re­geln gel­ten ggfls. zu Gewäs­sern und ande­ren emp­find­li­chen Öko-Systemen?

Von den o. g. Anla­gen befin­den sich 5 Anla­gen in Wasserschutzgebieten.

Nach § 38 Was­ser­haus­halts­ge­setz ist für Anla­gen zum Umgang mit was­ser­ge­fähr­den­den Stof­fen ein Min­dest­ab­stand von 5 m ab Böschungs­ober­kan­te einzuhalten.

zu 4. Wel­che Sicher­heits­stan­dards müs­sen die Betrei­ber gewährleisten?

Eine Bio­gas­an­la­ge ist in was­ser­recht­li­cher Hin­sicht eine Anla­ge zum Her­stel­len, Behan­deln und Ver­ar­bei­ten von was­ser­ge­fähr­den­den Stof­fen, die so beschaf­fen sein und betrie­ben wer­den muss, dass eine Ver­un­rei­ni­gung der Gewäs­ser oder eine sons­ti­ge nach­tei­li­ge Ver­än­de­rung ihrer Eigen­schaf­ten nicht zu besor­gen ist. Die­se Anfor­de­run­gen wer­den im Wesent­li­chen durch fol­gen­de tech­ni­schen Aus­füh­run­gen erfüllt:
– Bezüg­lich der Sicher­heits­stan­dards ist die “TI 4 (Tech­ni­sche Infor­ma­ti­on) Sicher­heits­re­geln für Bio­gas­an­la­gen” der Land­wirt­schaft­li­chen Berufs­ge­nos­sen­schaft als Stan­dard­werk zu nennen.

Auf­grund was­ser­recht­li­cher Bestim­mun­gen sind im Wesent­li­chen fol­gen­de Anfor­de­run­gen erfüllt sein:

Behäl­ter aus Stahl­be­ton sind nach der Norm DIN EN 206–1 und DIN 1045 zu pla­nen, bemes­sen und auszuführen.

Ein­rich­tun­gen zur Befül­lung und Ent­lee­rung der Behäl­ter, wie Rohr­lei­tun­gen, Schie­ber, Pum­pen, sind ein­seh­bar aus­zu­füh­ren. Ist dies nicht mög­lich, müs­sen Rohr­lei­tun­gen dop­pel­wan­dig mit Leck­er­ken­nung ver­se­hen sein.

Im Fahr- und Ran­gier­be­reich der Behäl­ter ist ein Anfahr­schutz von ober­ir­di­schen Rohr­lei­tun­gen, Schie­bern, etc. anzubringen.
– Alle Behäl­ter sind mit einer Füll­stands­über­wa­chung und Über­füll­si­che­rung auszustatten.

Bei nicht ein­seh­ba­ren Behäl­ter­bö­den und Behäl­ter­wan­dun­gen ist der Ein­bau eines Leck­er­ken­nungs­sys­tems mit Kon­troll­ein­rich­tung einzubauen.

In der Nähe von Gewäs­sern, Gräben‑, Drai­na­ge- oder sons­ti­gen Ent­wäs­se­rungs­sys­te­men ist eine Rück­hal­te­ein­rich­tung für den Fall des Ver­sa­gens der Behäl­ter oder der Anschlüs­se erfor­der­lich. Dies wird in der Regel durch eine ent­spre­chend dimen­sio­nier­te Umwal­lung erreicht.

Rohr­lei­tun­gen müs­sen an bei­den Enden mit Absperr­schie­bern (dop­pel­te Arma­tu­ren) ver­se­hen sein.

zu. 5. Wer über­wacht wie und in wel­chen zeit­li­chen Abstän­den die Sicher­heit von Bio­gas­an­la­gen? Wer ist für die Doku­men­ta­ti­on verantwortlich?

Die Über­wa­chung der Bio­gas­an­la­gen obliegt meh­re­ren Stel­len. Grund­sätz­lich ist die Über­wa­chung der Anla­gen auf Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Sicher­heits­ein­rich­tun­gen und Dicht­heit zunächst eine Betreiberpflicht.

Die behörd­li­che Über­wa­chung rich­tet sich zunächst nach den Zustän­dig­kei­ten. Die zustän­di­ge Behör­de kann je nach Grö­ße und Art der Anla­ge die Obe­re Umwelt­schutz­be­hör­de (Bezirks­re­gie­rung) oder die unte­re Umwelt­schutz­be­hör­de (Krei­se und kreis­freie Städ­te) sein.

Die Anla­gen unter­lie­gen gern. der Ver­ord­nung zum Umgang mit was­ser­ge­fähr­den­den Stof­fen (VAwS) der Prüf­pflicht durch einen aner­kann­ten Sach­ver­stän­di­gen. Die Über­prü­fung durch einen Sach­ver­stän­di­gen ist vor Inbe­trieb­nah­me der Anla­ge und wie­der­keh­rend spä­tes­tens nach 5 Jah­ren vor­zu­neh­men. Die Doku­men­ta­ti­on der Über­prü­fun­gen und Über­wa­chun­gen oblie­gen den v. g. Stellen.

zu 6. Kam es Ihres Wis­sens in den letz­ten 5 Jah­ren bei Bio­gas­an­la­gen im HSK zu Stö­run­gen und Unfäl­len? Besteht eine Mel­de­pflicht für Störfälle?

Bei der Unte­ren Was­ser­be­hör­de des HSK sind seit 2010 vier Stör­fäl­le bzw. Unfäl­le an Bio­gas­an­la­gen im HSK registriert.

Ein Stör­fall ist der zustän­di­gen Behör­de, bei Aus­tritt von was­ser­ge­fähr­den­den Stof­fen der Unte­ren Was­ser­be­hör­de zu melden.

 zu 7. Wer haf­tet für durch Bio­gas­an­la­gen ver­ur­sach­te Schä­den und Fol­ge­schä­den, z. B. wenn die Umwelt nach­hal­tig beein­träch­tigt wird?

Die Haf­tung für Schä­den an der Umwelt, die durch Bio­gas­an­la­gen ver­ur­sacht wer­den rich­tet sich nach nach dem Umwelt­haf­tungs­recht und dem Umwelt­scha­dens­recht. In der Regel haf­tet der Betrei­ber für Schä­den an der Umwelt, auch für Per­so­nen- und Sachschäden.

Nach Umwelt­scha­dens­ge­setz ist der Ver­ant­wort­li­che einer Bio­gas­an­la­ge ver­pflich­tet, Maß­nah­men der Gefah­ren­ab­wehr durch­zu­füh­ren und eine Sanie­rung des Umwelt­scha­dens vorzunehmen.“

PM der  Sauer­län­der Bür­ger­lis­te (SBL/FW)