Schlech­te Noten für das Arbeits­kli­ma in der Stadt­ver­wal­tung – Kom­mu­nal­be­ra­tungs­fir­ma stell­te Gut­ach­ten vor

22. Januar 2021
von Ute Bosen

Rat hat vor­läu­fig alle Ent­schei­dun­gen an den Haupt- und Finanz­aus­schuss abgegeben

Sun­dern. Anstel­le einer Sit­zung mit allen Rats­mit­glie­dern, tag­te Ges­tern Abend nur der Haupt- und Finanz­aus­schuss im gro­ßen Sit­zungs­saal von Sun­derns Rat­haus. Auf­grund der Coro­na-Pan­de­mie, hat­ten im Vor­feld die Rats­mit­glie­der des Rates der Stadt Sun­dern mit einer 2/3 Mehr­heit der Über­tra­gung von Ent­schei­dungs­be­fug­nis­sen auf den Haupt- und Finanz­aus­schuss, bis zum Ende der epi­de­mi­schen Lage von lan­des­wei­ter Trag­wei­te, zuge­stimmt. Somit ist nun der Haupt- und Finanz­aus­schuss befugt, Ange­le­gen­hei­ten, die ansons­ten der Beschluss­fas­sung des Rates unter­lie­gen, zu ent­schei­den, wie es in einer öffent­li­chen Bekannt­ma­chung der Stadt Sun­dern heißt.

Haupt-Sit­zungs­the­ma: Ver­wal­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on der Stadt Sundern

Raum­grei­fen­des The­ma, in der nun statt­ge­fun­de­nen Sit­zung, war die Unter­su­chung der Ver­wal­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on der Stadt Sun­dern, durch die „Alle­vo Kom­mu­nal­be­ra­tung“. Die­se hat­te in einem betei­li­gungs­ori­en­tier­ten Pro­zess vom August 2019 bis zum Sep­tem­ber 2020 die Arbeits­ab­läu­fe, Auf­ga­ben­zu­ord­nun­gen, Auf­bau­or­ga­ni­sa­ti­on in Bezug auf die Auf­ga­ben­ab­läu­fe und Per­so­nal­be­darfs­mes­sung der Kern­ver­wal­tung der Stadt­ver­wal­tung Sun­dern untersucht.

Ein­spar­po­ten­ti­al bei Geschäftsprozessen

Die Alle­vo Mit­ar­bei­ter Frank Tig­ges und Ras­mus Hach­mann stell­ten dem Aus­schuss in einer Kurz­fas­sung das Ergeb­nis des ca. 200 Sei­ten umfas­sen­den Gut­ach­tens vor. 129.31 Voll­zeit­stel­len (Inhalt­lich auch Teil­zeit­stel­len) umfasst die Stadt­ver­wal­tung zur­zeit. 3.34 ganz­tä­gi­ge Stel­len sind in der Stadt­ver­wal­tung nicht besetzt. Vor­ran­gi­ger Bedarf sei in den Fach­be­rei­chen drei (Stadt­ent­wick­lung und öffent­li­che Infra­struk­tur) mit 1,72 Stel­len und fünf (Arbei­ten und Leben) mit 1,48 Stel­len gege­ben. Geschäfts­pro­zes­se, so wur­de erklärt, könn­ten ver­bes­sert wer­den, zu kom­pli­ziert und mit zu vie­len ein­ge­bun­de­nen Abtei­lun­gen, sei zum Bei­spiel das Ein­stel­lungs­ver­fah­ren neu­er Mit­ar­bei­ter. Einen bes­se­ren Soft­ware­ein­satz hier und ande­ren Ortes wür­de die Situa­ti­on verbessern.

Hohe Krank­eits­fäl­le und nega­ti­ves Arbeitsklima

Wei­ter berich­te­ten die bei­den Alle­vo Mit­ar­bei­ter über eine, über dem Durch­schnitt lie­gen­de Zahl an Krank­heits­fäl­len in der Stadt­ver­wal­tung. Lie­ge sie bei der einen Hälf­te der Mit­ar­bei­ter bei einer durch­schnitt­li­chen Zahl von 10 krank­heits­be­ding­ten Fehl­ta­gen, gäbe es ande­re Abtei­lun­gen in denen 26,5 oder Tage ver­bucht wür­den. Ein Umstand der evtl. auf das über­durch­schnitt­li­che Alter der Ver­wal­tungs­mit­ar­bei­ter von 49,2 (Nor­mal­wert 42 Jah­re) zurück­zu­füh­ren sei, even­tu­ell aber auch auf ein nega­ti­ves Ergeb­nis bei der Zufrie­den­heit mit dem all­ge­mei­nen Arbeits­kli­ma, denn nor­mal zugrun­de gelegt wür­den 13 krank­heits­be­ding­te Fehl­ta­ge pro Mit­ar­bei­ter. Eine von der Fir­ma „Alle­vo“ erstell­te Gra­fik, stell­te zeig­te näm­lich ein all­ge­mein schlech­tes Bild, für das Betriebs­kli­ma in der Stadt­ver­wal­tung. Wobei die Mit­ar­bei­ter ihre eige­nen Abtei­lun­gen jeweils bes­ser bewer­te­ten als die Ver­wal­tung als Gesamtes.

Trotz allem, gutes, enga­gier­tes Personal

Es herr­sche Miss­trau­en auf­grund eines schlech­ten Füh­rungs­stils und einer all­ge­mein schlech­ten Atmo­sphä­re. „Die Mit­ar­bei­ter von Sun­derns Stadt­ver­wal­tung sind aber viel enga­gier­ter als wir es häu­fig erle­ben. Sie haben wirk­lich gutes Per­so­nal“, erklär­ten Frank Tig­ges zum Abschluss.

Schlech­te Räum­lich­kei­ten mit zu vie­len Büros ohne direk­ten Kon­takt in den Abtei­lun­gen, feh­len­de Gemein­schafts­räu­me und für Besu­cher ein unüber­sicht­li­ches Rat­haus waren wei­te­re, auf­ge­führ­te nega­tiv Urteile.

Bür­ger­meis­ter sieht viel Luft nach oben

Sun­derns Bür­ger­meis­ter Klaus-Rai­ner Willeke

Bür­ger­meis­ter Klaus-Rai­ner Wil­le­ke gab nach den ers­ten, etwa 100 Tagen sei­ner Amts­zeit, einen Ähn­li­chen Ein­druck wie­der. „Wir sind gera­de für die Zukunfts­auf­ga­ben nicht gut auf­ge­stellt“, gab er zu beden­ken und bekräf­tig­te: „Die Ver­wal­tung hat noch viel Luft nach oben.“ Es müss­ten wie vom Gut­ach­ten ersicht­lich, Mit­ar­bei­ter­ge­sprä­che geführt und ein betrieb­li­ches Gesund­heits­ma­nage­ment erstellt wer­den. Der Bür­ger­meis­ter befür­wor­te­te, eine vom Kom­mu­nal­be­ra­ter vor­ge­schla­ge­ne Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur der Ver­wal­tung, in dem aus fünf, in Zukunft vier Fach­be­rei­che ent­ste­hen sol­len (Zen­tra­le Diens­te und Finan­zen zu einem zusam­men­ge­fasst) und zwei Dezer­nen­ten­stel­len den Fach­be­rei­chen über­ge­ord­net sind. Somit befür­wor­te­te Wil­le­ke, dass neben der Stel­le der Käm­me­rin auch wie­der eine Bei­geord­ne­te oder ein Bei­geord­ne­ter ein­ge­stellt wird.

Wil­le­ke will die Frak­tio­nen von Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur überzeugen

SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der Micha­el Ste­che­le zeig­te sich von die­sem Modell nicht über­zeugt. Bür­ger­meis­ter Wil­le­ke bat aber alle Frak­tio­nen um eine Gele­gen­heit, die aus sei­ner Sicht gege­be­nen Vor­tei­le einer sol­chen Ver­wal­tungs­struk­tur dar­le­gen zu dürfen.