„Ille­ga­le Abfall­be­sei­ti­gung” stinkt zum Himmel

29. Juli 2013
von Redaktion

„Ille­ga­le Abfall­be­sei­ti­gung” stinkt zum Himmel

Dieter Pohl vom Märkischen Kreis sucht nach Hinweisen auf den Verursacher der Müllkippe,  Foto Volkmann/Märkischer Kreis

Die­ter Pohl vom Mär­ki­schen Kreis sucht nach Hin­wei­sen auf den Ver­ur­sa­cher der Müll­kip­pe, Foto Volkmann/​Märkischer Kreis


Mär­ki­scher Kreis. (pmk). Ob als häss­li­cher Schand­fleck in der Natur oder als ärger­li­che Hin­ter­las­sen­schaft an Stra­ßen­ecken oder in Hin­ter­hö­fen – ille­ga­le Abfall­be­sei­ti­gung stört nicht nur Auge und Nase, sie birgt auch Gefah­ren für die Umwelt.
Es ist schon ver­flixt: Steht ein­mal ein alter Kühl­schrank im Hof, türmt sich nicht sel­ten bin­nen kur­zer Zeit ein wil­der Müll­berg auf – schein­bar ganz von allein. Gera­de bei war­men Tem­pe­ra­tu­ren im Som­mer, ent­wi­ckeln sol­che ille­ga­len Müll­hau­fen unan­ge­neh­me Gerü­che. Für Unge­zie­fer und Nage­tie­re wird er bald zum will­kom­me­nen Treff­punkt, ins­be­son­de­re dann, wenn sich zwi­schen den gro­ßen blau­en Müll­sä­cken auch noch auf­ge­ris­se­ne Wurst- und Schin­ken­ver­pa­ckun­gen samt Res­ten des nicht mehr beson­ders appe­tit­li­chen Inhalts finden.
 
Für die Kreis­an­ge­stell­te Volk­mann von der Unte­ren Abfall­be­hör­de ist es ein lei­di­ges The­ma. Sie ist beim Mär­ki­schen Kreis zustän­dig für die ille­ga­le Müll­be­sei­ti­gung auf pri­va­ten Grund­stü­cken und an Kreis­stra­ßen. Dabei wird sie zeit­wei­se von zwei Außen­dienst­mit­ar­bei­tern des Fach­diens­tes Gewäs­ser unter­stützt. „Es gibt nicht mehr viel, was wir noch nicht gese­hen haben”, schil­dert Volk­mann. Selbst Gefahr­gut wie Ben­zin­ka­nis­ter oder Ölbe­häl­ter lan­den in der wil­den Müll­kip­pe eben­so wie nor­ma­ler Bau­schutt, Farb­ei­mer, Ziga­ret­ten­schach­teln, Plas­tik-tüten, Kühl­schrän­ke, Spül­ma­schi­nen und ande­re Haus­halts­ge­rä­te. Das birgt Gefah­ren für die Umwelt: Che­mi­ka­li­en kön­nen in den Boden und das Grund­was­ser ein­drin­gen. Oft weiß nie­mand, wie gif­tig die ein­zel­nen Bestand­tei­le der wil­den Müll­kip­pe für Mensch und Tier sind. Elek­tro­schrott wie Mobil­te­le­fo­ne und Com­pu­ter bei­spiels­wei­se ent­hal­ten Blei, Queck­sil­ber, Cad­mi­um und ande­re gefähr­li­che Stoffe.
 
Um das Gefah­ren­po­ten­ti­al abzu­schät­zen, rücken die Kreis­mit­ar­bei­te­rin oder ihre Kol­le­gen aus, wenn es wie­der mal Beschwer­den gibt. Vor Ort suchen sie dann nach Hin­wei­sen auf den Ver­ur­sa­cher der „Umwelt-Fer­ke­lei”, denn manch­mal hin­ter­las­sen die Übel­tä­ter nicht nur ihren Müll, son­dern gleich­zei­tig Spuren.
 
„Hat es alles schon gege­ben”, weiß Außen­dienst­ler Die­ter Pohl zu berich­ten. „Schön ist es, wenn wir Kon­to­aus­zü­ge oder Adress­auf­kle­ber auf abon­nier­ten Zeit­schrif­ten fin­den”, so Pohl wei­ter. Die finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se der Übel­tä­ter sind dabei für die Kreis­mit­ar­bei­ter weni­ger inter­es­sant als deren Namen. „Fin­den wir die Ver­ur­sa­cher, zei­gen sie sich in der Regel als über­aus geknickt und reu­ig”, erklärt Volk­mann. Umso mehr, wenn ihnen Hin­ter­grün­de und Fol­gen von ille­ga­ler Müll­be­sei­ti­gung erläu­tert wer­den. „Wir betrei­ben gro­ßen Auf­wand, um die Ver­ur­sa­cher zu erwi­schen, denn der ist zunächst für die kos­ten­pflich­ti­ge Besei­ti­gung zustän­dig. Die Ermitt­lun­gen sind aber schwie­rig, weil vie­le Mel­dun­gen anonym bei der Ver­wal­tung ein­ge­hen. Auch Zeu­gen­aus­sa­gen sind sel­ten, denn häu­fig wer­den Nach­bar­schafts­strei­tig­kei­ten oder gar Repres­sa­li­en befürch­tet”, so die Kreismitarbeiterin.
 
Grund­be­sit­zer haf­ten für anony­me Umweltsünder
 
Wird der Ver­ur­sa­cher nicht aus­fin­dig gemacht, ist der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer in der Pflicht. Liegt die ille­ga­le Müll­hal­de auf Pri­vat­grund­stü­cken, wird der Eigen­tü­mer zum unfrei­wil­li­gen Abfall­be­sit­zer und muss für die Ent­sor­gungs­kos­ten auf­kom­men. Das ist unge­recht, wie das Bei­spiel eines Land­wir­tes zeigt, auf des­sen Mais­feld heim­lich eine Wagen­la­dung Unrat ge-kippt wur­de. Dop­pel­tes Pech für ihn: Er muss die Abfäl­le selbst ein­sam­meln und auf eige­ne Kos­ten entsorgen.
 
Es gibt aber auch immer wie­der Fäl­le von „Sam­mel­lei­den­schaft”, die für die Abfall­be­hör­de nicht so ein­fach zu hand­ha­ben sind. Meh­re­re abge­mel­de­te Autos in Nach­bars Gar­ten zum Bei­spiel. Für den Grund­stücks­ei­gen­tü­mer sind das wert­vol­le Kul­tur­ge­gen­stän­de deut­scher Zeit­ge­schich­te, die er auch noch für die Nach­welt erhal­ten will. Die Anwoh­ner stört der Anblick der Rost­lau­ben ein­fach nur. „So ein Fall dau­ert und ist aus abfall­recht­li­cher Sicht nur ganz schwer zu lösen. Wir müs­sen dem Grund­stücks­ei­gen­tü­mer die Mög­lich­keit zur Stel­lung­nah­me geben. Wehrt sich jemand juris­tisch, hat er vor Gericht kei­ne schlech­ten Chan­cen, da er ja mit sei­nem Eigen­tum so lan­ge tun und las­sen kann, was er will, falls kei­ne Gefahr davon aus­geht”, so die Erfah­run­gen der zustän­di­gen Sachbearbeiterin.
 
Wenn die Behör­de weder den Ver­ur­sa­cher ermit­teln noch auf den Besit­zer oder Eigen­tü­mer des Grund­stü­ckes zurück­grei­fen kann, muss die All­ge­mein­heit die Ent­sor­gungs­kos­ten des wil­den Mülls bezah­len. Juris­tisch nennt sich so etwas „Ersatz­vor­nah­me”. Nur unger­ne den­ken die Kreis­mit­ar­bei­ter an einen Fall im Früh­jahr des Jah­res 2002 zurück. Im Inne­ren des maro­den Bau­wer­kes der ehe­ma­li­gen Draht­seil-Fabrik Adolf vom Brau­cke fand sich ein ille­ga­les Lager mit rund 150 000 Alt­rei­fen. Die aus­ge­dien­ten Pneus muss­ten spä­ter auf Kos­ten des Mär­ki­schen Krei­ses weg­ge­räumt und ent­sorgt wer­den. Das war für die Ver­wal­tung nicht nur sehr per­so­nal- und zeit­in­ten­siv, son­dern auch teuer.
 
Lega­le Müll­ent­sor­gung ein­fa­cher und preiswert
 
Bleibt die Fra­ge, war­um der Abfall in zahl­rei­chen Fäl­len in Wäl­dern, auf Äckern, an Stra­ßen­rän­dern oder auf Grund­stü­cken ille­gal abge­la­gert wird. Für Außen­dienst­ler Pohl unver­ständ­lich: „Dafür gibt es eigent­lich kei­nen Grund, da der Müll über die Städ­te und Gemein­den auf ord­nungs­ge­mä­ßen Wegen ent­sorgt wird.” So kön­nen alle Betei­lig­te nur den Kopf schüt­teln. Es ist unfass­bar, dass Men­schen den Auf­wand betrei­ben und bei­spiels­wei­se einen schwe­ren Kühl­schrank ins Auto wuch­ten, um die­sen dann bei einer Nacht- und Nebel­ak­ti­on los zu wer­den. Ein­fa­cher ist da doch die Fahrt zum Bring- oder Recy­cling­hof, wo der E‑Schrott auch noch kos­ten­los abge­ge­ben wer­den kann. Jeder soll­te wis­sen, dass ille­ga­le Abfall­be­sei­ti­gung kein Kava­liers­de­likt ist: „Wer Müll außer­halb der zuge­las­se­nen Anla­gen ent­sorgt, muss sich dar­über klar sein, dass dies glei­cher­ma­ßen Fol­gen für die Umwelt und für die Bür­ger­schaft haben kann”, infor­miert Volk­mann. Für die Natur, falls etwa Schad­stof­fe in Luft, Was­ser oder Boden aus­tre­ten – und für die All­ge­mein­heit. Denn die Kos­ten für die Abfall­be­sei­ti­gung in den unge­klär­ten Fäl­len tra­gen der Kreis und die Kom­mu­nen sowie letzt­lich die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger als Gebüh­ren­zah­ler. Des­halb wird ille­ga­le Abfall­be­sei­ti­gung auch mit einer Geld­bu­ße geahn­det, die bis zu 50.000 Euro betra­gen kann. Im Jahr 2012 wur­den 135 ille­ga­le Abfall­ent­sor­gun­gen beim Mär­ki­schen Kreis neu gemeldet.
 
Wer macht was wo sauber
 
Ille­ga­ler Müll an Straßen:
•     Gemein­de­stra­ßen: Die jewei­li­gen Städ­te und Gemeinden
•     Kreis­stra­ßen: Mär­ki­scher Kreis
•     Land-/Bun­des­stra­ßen: Lan­des­be­trieb Stra­ßen NRW, Stra­ßen­meis­te­rei Lüdenscheid
 
Ille­ga­ler Müll in Wald und Forst:
•     Lan­des­be­trieb Wald und Holz NRW, Forst­amt Lüdenscheid
 
Ille­ga­ler Müll auf öffent­li­chen Flä­chen und Plätzen
•     Die jewei­li­gen Städ­te und Gemeinden
 
Ille­ga­ler Müll auf pri­va­ten Grundstücken
•     Mär­ki­scher Kreis
 
Ent­sor­gungs­mög­lich­kei­ten im Kreis für Müll aus pri­va­ten Haushalten
 
Haus‑, Rest- und Sperrmüll
•     Müll­heiz­kraft­werk in Iserlohn
 
Bau­schutt und Bodenaushub
•     Depo­nie in Lüden­scheid-Lösen­bach als Boden- und Bauschuttdeponie
 
Sonderabfall
•     Schad­stoff­mo­bil und Annah­me­stel­le auf dem Recy­cling­hof Stadtreinigungs‑, Trans­port- und Bau­be­trieb Lüden­scheid (StL)
 
Elektroschrott
•     Annah­me­stel­len der Recy­cling- und Brin­ge­hö­fe der Städ­te und Gemeinden