Gesund­heits­amt beant­wor­tet offe­ne Fra­gen zu Trink­was­ser­un­ter­su­chung Trink­was­ser­ver­un­rei­ni­gung im Orts­teil Stü­be­cken, Land­hau­sen und Werns­ha­gen in Hemer

22. Januar 2013
von Redaktion

Mär­ki­scher Kreis. (pmk) . Im Zusam­men­hang mit der Trink­was­ser­ver­un­rei­ni­gung in den Orts­tei­len Stü­be­cken, Land­hau­sen und Werns­ha­gen in Hemer bemüht sich der Fach­dienst Gesund­heits­schutz und Umwelt­me­di­zin des Mär­ki­schen Krei­ses um Auf­klä­rung und beant­wor­tet Fra­gen zur Unter­su­chung des Trink­was­sers und zur Art der Ver­kei­mung.
Info zu Clos­tri­di­um per­frin­gens:
 
Der in den Was­ser­un­ter­su­chun­gen im betrof­fe­nen Stadt­teil Hemers nach­ge­wie­se­ne Keim „Clos­tri­di­um per­frin­gens“ ist ein übli­cher Indi­ka­tor­keim zum Nach­weis einer Ver­schmut­zung des Was­sers durch Ober­flä­chen­was­ser. Die im Trink­was­ser nach­ge­wie­se­nen Kon­zen­tra­tio­nen sind nicht unmit­tel­bar gesund­heits­ge­fähr­dend, son­dern geben einen Hin­weis dar­auf, dass unsau­be­res Was­ser oder Schmutz­par­ti­kel in das Trink­was­ser gelangt sind.
Der Keim Clos­tri­di­um per­frin­gens ist beim Ver­schlu­cken erst in hoher Kon­zen­tra­ti­on bedenk­lich (ca. 700 000 Kei­me pro Gramm). Im Trink­was­ser wur­den bis­her maxi­mal 158 Kei­me pro 100 Gramm gemes­sen. Das ent­spricht – bezo­gen auf 1 Gramm – ca. 1,5 Kei­men pro Gramm.  Das ist eine Men­ge, bei der eine Gesund­heits­ge­fahr nahe­zu aus­ge­schlos­sen wer­den kann. Um die­ses mini­ma­le Rest­ri­si­ko zu ver­mei­den, weist das Gesund­heits­amt auf die Ein­hal­tung des Abkoch­ge­bo­tes hin. Dazu soll­te das Was­ser 5 min spru­delnd kochen und darf anschlie­ßend nicht mit nicht­ab­ge­koch­tem Was­ser ver­mischt wer­den.
 
Die lebens­be­droh­li­che Krank­heit „Gas­brand” tritt nur auf, wenn Clos­tri­di­um per­frin­gens mit Schmutz in tie­fe, nicht durch­blu­te­te Wun­den in den Kör­per gelangt und sich ohne Sauer­stoff­zu­tritt ver­meh­ren kann. Ver­schmutz­te Schürf­wun­den gehö­ren nicht zu den tie­fen Wun­den.
Die Gefahr, durch Clos­tri­di­um per­frin­gens bei Haut­kon­takt zu erkran­ken, ist eben­falls extrem gering.
 
Indi­ka­tor­kei­me:
 
Bei einer Trink­was­ser­un­ter­su­chung wird auf sog. nicht patho­ge­ne Indi­ka­tor­kei­me unter­sucht. Die Indi­ka­tor­kei­me stel­len für gesun­de Men­schen in der Regel kei­ne Gefahr dar.
 
Indi­ka­tor­kei­me sind Mikro­or­ga­nis­men, die auf eine Ver­un­rei­ni­gung des Was­sers von außen hin­wei­sen. Sie geben zuver­läs­sig Aus­kunft über vor­han­de­ne mikro­bio­lo­gi­sche Belas­tun­gen im Trink­was­ser. Nach der Trink­was­ser­ver­ord­nung ist die Unter­su­chung auf die­se Mikro­or­ga­nis­men zum Nach­weis der Qua­li­tät des Trink­was­sers als Regel­un­ter­su­chung ver­bind­lich vor­ge­schrie­ben.
 
Der Nach­weis von Indi­ka­tor­kei­men gem. der Trink­was­ser­ver­ord­nung macht Maß­nah­men erfor­der­lich, um die Trink­was­ser­qua­li­tät wie­der her­zu­stel­len. Im Nor­mal­fall genügt es, das Trink­was­ser auf die o. g. Indi­ka­tor­kei­me zu unter­su­chen.
 
Auf wel­che Indi­ka­tor­kei­me wird unter­sucht und was bedeu­tet die­ses:
 
1. Coli­for­me Kei­me
 
Kom­men natür­li­cher­wei­se in der Umwelt z. B. im Boden vor. Der Nach­weis von coli­for­men Kei­men kann fäka­ler aber auch nicht fäka­ler Art sein.
 
2. Esche­ri­chia coli
 
E. coli ist ein Darm­bak­te­ri­um, wel­ches bei Mensch und Tier als nor­ma­ler und sogar wich­ti­ger Darm­be­woh­ner vor­kommt. Bei Mensch und Tier wird es in grö­ße­ren Men­gen mit dem Stuhl aus­ge­schie­den.
 
3. Ente­ro­kok­ken
 
Ente­ro­kok­ken sind eben­falls Fäkal­in­di­ka­to­ren, die sich durch eine hohe Umwelt­re­sis­tenz aus­zeich­nen.
 
4. Clos­tri­di­um per­frin­gens
 
Clos­tri­di­um per­frin­gens kommt eben­falls natür­li­cher­wei­se in der Umwelt z.B. im Boden vor. Wird es im Trink­was­ser als Indi­ka­tor­keim fest­ge­stellt, so weist die­ses auf einen Ein­trag von Ober­flä­chen­was­ser hin. Clos­tri­di­um per­frin­gens fin­det man u. a. auch als Darm­be­woh­ner bei Tier und Mensch, ohne das die­ser eine Erkran­kung aus­löst.
 
Mikro­or­ga­nis­men wer­den bei Hit­ze abge­tö­tet. Aus die­sem Grund ist es wich­tig, dass das Was­ser nur in abge­koch­tem Zustand getrun­ken, für die Mund­hy­gie­ne und für die Lebens­mit­tel­zu­be­rei­tung (Abwa­schen von Obst oder Gemü­se, wel­ches roh geges­sen wird) benutzt wird.
 
Das Was­ser muss 5 Minu­ten lang spru­delnd kochen; ein Was­ser­ko­cher reicht in die­sem Fall nicht aus. Abge­koch­tes Was­ser darf in kei­nem Fall mit nicht abge­koch­tem Was­ser oder Eis­wür­feln aus nicht abge­koch­tem Was­ser gemischt wer­den.
 
Zu Rei­ni­gungs­zwe­cken, zum Waschen der Wäsche oder zur Kör­per­pfle­ge kann das Was­ser auch in nicht abge­koch­tem Zustand genutzt wer­den, sofern dar­auf geach­tet wird, dass das Was­ser nicht getrun­ken bzw. auf offe­ne Wun­den gelan­gen kann.
Es ist dar­auf zu ach­ten, dass nach dem Hän­de waschen die­se gut getrock­net wer­den. In Gemein­schafts­ein­rich­tun­gen soll­ten in jedem Fall Ein­mal­hand­tü­cher benutzt wer­den.
 
Chlor­ge­ruch
 
Um wie­der eine ein­wand­freie Was­ser­qua­li­tät zu errei­chen und um Rück­stän­de im Lei­tungs­netz abzu­tö­ten, wird dem Trink­was­ser im betrof­fe­nen Ver­sor­gungs­ge­biet Chlor­di­oxid zuge­setzt. Dabei wird die von der Trink­was­ser­ver­ord­nung vor­ge­schrie­be­ne Men­ge ein­ge­hal­ten. Die­ses Des­in­fek­ti­ons­mit­tel ist – vor allem bei den aktu­ell nied­ri­gen Tem­pe­ra­tu­ren – teil­wei­se am Chlor­ge­ruch zu erken­nen, ist aber gesund­heit­lich völ­lig unbe­denk­lich.
 
Wei­ter­hin Anstren­gun­gen erfor­der­lich
 
Die bei fest­ge­stell­ten Was­ser­ver­un­rei­ni­gun­gen stan­dard­mä­ßig durch­ge­führ­ten und erprob­ten Maß­nah­men wie Spü­len und Des­in­fi­zie­ren rei­chen bis­her nicht aus, um die Ver­schmut­zung aus dem Lei­tungs­netz zu ent­fer­nen. Spo­ren­bil­den­de Mikro­or­ga­nis­men wie Clos­tri­di­um per­frin­gens kön­nen nur schwer durch Chlor abge­tö­tet wer­den, so dass vor allem durch geziel­te Spül­maß­nah­men die­ser Indi­ka­tor aus dem Lei­tungs­netz ent­fernt wer­den muss. Aktu­el­le Unter­su­chungs­er­geb­nis­se zei­gen, dass der hohe gemes­se­ne Wert von 158 Kei­men auf 5 dras­tisch redu­ziert wer­den konn­te. Die Anstren­gun­gen wer­den fort­ge­setzt, um bald­mög­lichst eine ein­wand­freie Was­ser­qua­li­tät her­zu­stel­len.
 
Die par­al­lel lau­fend durch­ge­führ­ten Unter­su­chun­gen an den Was­ser­wer­ken zei­gen aber auch, dass das pro­du­zier­te Trink­was­ser der Stadt­wer­ke Hemer ein­wand­frei ist und daher nur sau­be­res Was­ser in das betrof­fe­ne Lei­tungs­netz nach­ge­speist wird.
 
Aktu­el­ler Ver­lauf der Erkran­kun­gen in Hemer:
 
In den letz­ten 24 Stun­den wur­de dem Fach­dienst Gesund­heits­schutz und Umwelt­me­di­zin eine Erkran­kung an Rota­vi­ren (den Krank­heits­aus­lö­sern) in dem betrof­fe­nen Ver­sor­gungs­ge­biet gemel­det; wei­te­re mel­de­pflich­ti­ge Darm­er­kran­kun­gen lie­gen nicht vor.
 
Für wei­te­re Fra­gen ste­hen die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter des Fach­diens­tes unter der Tele­fon­num­mer 02352/966‑7272 oder per Mail (gesundheitstelefon@maerkischer-kreis.de) zur Ver­fü­gung.