Euro­pa­par­la­ment will kor­rek­te Ver­brauchs­an­ga­ben bei Autos

7. Juni 2013
von Redaktion

 

Ver­brau­cher­zen­tra­le NRW: Trick­se­rei zu Las­ten der Auto­käu­fer und der Umwelt

Iserlohn/ Das Euro­päi­sche Par­la­ment ver­langt, dass die Ver­brauchs­an­ga­ben von Autos in Zukunft rea­lis­ti­scher berech­net wer­den. Der zuletzt inten­siv in die Kri­tik gera­te­ne neue euro­päi­sche Test­zy­klus soll drin­gend geän­dert wer­den.
 
Für jeden Auto­fah­rer ist es ein Ärger­nis, dass die unter EU-genorm­ten Labor­be­din­gun­gen erziel­ten Wer­te zum Kraft­stoff­ver­brauch mit der Rea­li­tät nur wenig zu tun haben. Die bis­her gel­ten­de EU-Norm ermög­licht gro­ßen Gestal­tungs­spiel­raum bei den Prü­fun­gen. Die Zeit­schrift AUTO BILD zitiert bei­spiels­wei­se einen Report der Orga­ni­sa­ti­on Trans­port and Envi­ron­ment (T&E), aus dem her­vor­geht, dass die die Auto­bau­er gezielt Schlupf­lö­cher in den Vor­schrif­ten nut­zen. So wird bei­spiels­wei­se die Licht­ma­schi­ne abge­klemmt. Kli­ma­an­la­ge, Lüf­tung, Navi­ga­ti­ons­sys­tem und Sitz­hei­zung blei­ben wäh­rend des gesam­ten Test­zy­klus aus­ge­schal­tet. Für nied­ri­ge­re Roll- und Luft­wi­der­stands­wer­te wer­den extra Leicht­lauf­rei­fen mit erhöh­tem Luft­druck auf­ge­zo­gen, alle Extras und sogar die Schei­ben­wi­scher wer­den abmon­tiert. Spe­zi­ell trai­nier­te Fah­rer oder Robo­ter steu­ern den Test­wa­gen stets am unte­ren erlaub­ten Limit. Nach Tes­ten­de redu­zie­ren die Her­stel­ler die ermit­tel­ten Wer­te laut T&E um bis zu vier Pro­zent. Auch im ADAC EcoTest wur­den zum Teil Wer­te ermit­telt, die um bis zu 40 Pro­zent von den Her­stel­ler­an­ga­ben abwei­chen.
 
„Gera­de für Men­schen im länd­li­chen Raum, die auf das Auto ange­wie­sen sind, ist es wich­tig, dass wir moder­ne kraft­stoff­spa­ren­de Tech­no­lo­gi­en haben. Die Mani­pu­la­tio­nen sind beson­ders für umwelt­be­wuss­te Käu­fer ärger­lich. Zudem wer­den dadurch die euro­päi­schen Zie­le für die CO2-Redu­zie­rung unter­lau­fen. Die Auto­her­stel­ler nut­zen lega­le Schlupf­lö­cher. Aus mei­ner Sicht ist die Situa­ti­on beim Kraft­stoff­ver­bauch schlim­mer als beim Pfer­de­fleisch, denn hier gibt es auf jeden Fall einen Scha­den und die Mani­pu­la­ti­on wird durch gel­ten­des euro­päi­sches Recht gedeckt. Wir müs­sen drin­gend Abhil­fe schaf­fen“, sag­te der süd­west­fä­li­sche CDU-Euro­pa­ab­ge­ord­ne­te Dr. Peter Lie­se vor Jour­na­lis­ten in Iser­lohn.
 
Der Umwelt­aus­schuss des Euro­päi­schen Par­la­ments hat u.a. auf Antrag von Peter Lie­se einen ent­spre­chen­den Ände­rungs­an­trag beschlos­sen. Die­ser wird zur­zeit mit den Ver­tre­tern der Mit­glied­staa­ten ver­han­delt. Ziel des Par­la­men­tes ist es, auch über 2020 hin­aus die Emis­sio­nen und damit den Ver­brauch von PKWs schritt­wei­se zu redu­zie­ren. Spä­tes­tens 2017 soll welt­weit ein neu­er Test­zy­klus gel­ten, ansons­ten soll die Euro­päi­sche Uni­on im Allein­gang han­deln.
 
Auch die Ver­brau­cher­zen­tra­le NRW for­dert anspruchs­vol­le CO2-Grenz­wer­te und möch­te die Mess­ver­fah­ren an die rea­len Gege­ben­hei­ten ange­passt sehen: „Der Ver­brau­cher muss vor dem Kauf wis­sen, wie viel Ben­zin der Wagen wirk­lich ver­braucht und die­se Ver­brauchs­an­ga­ben müs­sen mit­ein­an­der ver­gleich­bar sein. Der Neue Euro­päi­sche Fahr­zy­klus genügt die­sen Anfor­de­run­gen nicht und muss ver­bes­sert wer­den”, so Mar­tin Klug, Wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter bei der Ver­brau­cher­zen­tra­le Nord­rhein-West­fa­len.