Die Soes­ter Kir­che St. Maria zur Wie­se im Fest­jahr 2013

28. März 2013
von Redaktion

Eine der schöns­ten goti­schen Hal­len­kir­chen Deutsch­lands fei­ert ihren 700. Geburtstag

Türme der Wiesenkirche

Tür­me der Wiesenkirche

Soest. In die­sem Jahr wird die Kir­che St. Maria zur Wie­se in Soest 700 Jah­re alt. Sie ist wesent­li­cher Bestand­teil des welt­weit ein­ma­li­gen Grün­sand­stein-Ensem­bles „Alt­stadt Soest“. Die „Wie­sen­kir­che“ gilt als Kro­ne der west­fä­li­schen goti­schen Hal­len­kir­chen und als eine der schöns­ten und bemer­kens­wer­tes­ten Kir­chen die­ser Art über­haupt. Hier arbei­tet auch die ein­zi­ge Dom­bau­hüt­te in West­fa­len bereits seit 26 Jah­ren am Erhalt der neo­go­ti­schen Doppeltürme.

Als im Jahr 1313 Johan­nes Schen­de­ler den Grund­stein für die­se Kir­che leg­te, konn­te nie­mand ahnen, welch her­aus­ra­gen­des Bau­werk sei­nen Anfang nahm. Klar war nur, dass die Men­schen in Soest, damals eine der füh­ren­den und größ­ten Han­se­städ­te über­haupt, eine Kir­che bau­en woll­ten, die ihren Stolz und ihr Selbst­be­wusst­sein ange­mes­sen zum Aus­druck brin­gen soll­te. Schen­de­ler muss ein genia­ler Archi­tekt und Bau­meis­ter gewe­sen sein, der bis an die Gren­zen des damals Mach­ba­ren gegan­gen ist. Sein Kön­nen nötigt auch heu­te noch den Men­schen Respekt ab. Wer erst­mals die Kir­che betritt, wird sogleich vom Zau­ber die­ses ein­ma­li­gen Rau­mes ein­ge­fan­gen. Er wird gebil­det von drei Längs­schif­fen mit je drei Jochen. Nur vier schlan­ke, stark pro­fi­lier­te Pfei­ler ohne Kapi­tel­le tra­gen mit den Außen­mau­ern das enor­me Gewicht der neun Gewöl­be in der Hal­le, in deren Bögen und Rip­pen sich die Pro­fi­le der Pfei­ler wie selbst­ver­ständ­lich auf­fä­chern. Ist man schon von der Ele­ganz, Leich­tig­keit und Trans­pa­renz die­ses Rau­mes beein­druckt, so stei­gert sich die Raum­wir­kung, wenn man sich den drei Chö­ren nähert. Das küh­ne Ensem­ble aus Stein und Glas sucht im wei­ten Umkreis sei­nes­glei­chen. Die Har­mo­nie der bei­den Bau­stof­fe zieht  die Men­schen in ihren Bann. Die zehn goti­schen Fens­ter ent­stan­den wohl in einer eige­nen Glas­ma­ler­werk­statt par­al­lel zum Bau­fort­schritt an den Chö­ren. Die Fens­ter im Haupt­chor stam­men aus dem 14. Jahr­hun­dert, die in den bei­den Sei­ten­chö­ren von Anfang des 15. Jahr­hun­derts. Nicht min­der ein­drucks­voll sind die elf Stein­fi­gu­ren an den Pfei­lern des Haupt­cho­res aus der zwei­ten Hälf­te des 14. Jahr­hun­derts. Sie zei­gen Jesus und Maria, Apos­tel und Hei­li­ge. Sie run­den zusam­men mit den vier Altä­ren aus dem 15. und 16. Jahr­hun­dert, dar­un­ter das Meis­ter­werk des Hein­rich Alde­g­re­ver im Süd­chor, das künst­le­risch her­aus­ra­gen­de Ensem­ble der drei Chö­re ab. 21 wei­te­re Fens­ter belich­ten die drei Schif­fe und das West­werk der Hal­len­kir­che. 15 der 31 Fens­ter des Kir­chen­rau­mes durch­mes­sen fast die gan­ze Raum­hö­he und impo­nie­ren in der sta­ti­schen Kühn­heit des Stein­wer­kes mit den Far­ben und Moti­ven ihrer Ver­gla­sung. Auf der Nord­sei­te sieht man drei wei­te­re his­to­ri­sche Fens­ter, alle gut 500 Jah­re alt. Eins davon – über dem Nord­por­tal – ist das berühm­tes­te Soes­ter Kunst­werk, das „West­fä­li­sche Abend­mahl”. Hier sitzt Jesus mit den zwölf Apos­teln bei Pum­per­ni­ckel, Schin­ken Bier und Korn. Typisch west­fä­lisch… Die wei­te­ren 18 Fens­ter stam­men aus heu­ti­ger Zeit. 17 davon hat um die Jahr­tau­send­wen­de der Künst­ler Hans Gott­fried von Stock­hau­sen geschaf­fen, ermög­licht durch Spen­den aus der Bür­ger­schaft. Sie tra­gen maß­geb­lich mit dem grü­nen Stein zur außer­ge­wöhn­li­chen Belich­tung und nahe­zu schon über­ir­di­schen Atmo­sphä­re der goti­schen Hal­le bei. Der hohe künst­le­ri­sche Rang des Bau­werks kann aber nicht ver­hin­dern, dass der Zahn der Zeit der Wie­sen­kir­che zusetzt. Der so schö­ne und ein­ma­li­ge Soes­ter Grün­sand­stein ist es, der heu­ti­ger aggres­si­ver Luft nicht wider­steht. Seit 26 Jah­ren sind die neo­go­ti­schen Tür­me eine Groß­bau­stel­le. Davon kün­det das rie­si­ge Bau­ge­rüst. Die Stein­met­zen der  Dom­bau­hüt­te, der ein­zi­gen in West­fa­len, tau­schen die äuße­ren ver­wit­ter­ten grü­nen Stei­ne gegen beige­far­be­nen Obern­kir­che­ner Sand­stei­ne aus, die viel ver­wit­te­rungs­fes­ter sind. Die Arbei­ten wer­den sich noch min­des­tens ein Jahr­zehnt hin­zie­hen. Für die Soes­ter ist der hohe run­de Geburts­tag Anlass genug, das Jubi­lä­um in einem Fest­jahr zu bege­hen. Neben Fest­got­tes­diens­ten, Kon­zer­ten, Vor­trä­gen und wei­te­ren außer­ge­wöhn­li­che Ver­an­stal­tun­gen wer­den als beson­de­res High­light spe­zi­el­le Füh­run­gen ange­bo­ten. Man kann auf das Bau­ge­rüst mit dem Lift hin­auf­fah­ren, den Blick über das his­to­ri­sche Soest und die Bör­de strei­fen las­sen sowie die Bau­ar­bei­ten aus der Nähe beob­ach­ten. Ein Erleb­nis, das es so nicht ein zwei­tes Mal in Deutsch­land gibt. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zur Kir­che St. Maria zur Wie­se, zur West­fä­li­schen Dom­bau­hüt­te sowie zum Fest­jahr auch im Inter­net unter www​.700​jah​re​-wie​sen​kir​che​.de.