„Carl-Heinz Kip­per – 13 Jah­re in Angst“: Stadt Iser­lohn lädt zur Film-Pre­mie­re am 18. Mai ein

13. Mai 2014
von Redaktion

137254VIser­lohn. „Carl-Heinz Kip­per – 13 Jah­re in Angst“ heißt der Film, der über das Leben von Carl-Heinz Kip­per in Iser­lohn wäh­rend des Natio­nal­so­zia­lis­mus und über sei­ne spä­te­re Inte­gra­ti­ons­ar­beit, die er vie­le Jah­re lang vor allem über die Mit­ar­beit bei den „His­to­ri­schen Erkun­dun­gen“ geleis­tet hat, ent­stan­den ist. Den fer­ti­gen Film konn­te er selbst lei­der nicht mehr sehen. Carl-Heinz Kip­per ist am 23. Janu­ar die­ses Jah­res ver­stor­ben. Mit ihm hat Iser­lohn den letz­ten Zeit­zeu­gen jüdi­scher Her­kunft ver­lo­ren. Der Film, zu dem ihn Bür­ger­meis­ter Dr. Peter Paul Ahrens ermun­ter­te, ist nun zu sei­nem Ver­mächt­nis geworden.

Der Film basiert auf einer Idee von Jür­gen Len­sing und ist eine Akti­on des Berei­ches Kin­der- und Jugend­schutz im Res­sort Genera­tio­nen und Bil­dung der Stadt Iser­lohn. Her­ge­stellt hat den Film, der ins­ge­samt 21 Minu­ten lang ist, die Iser­loh­ner Wer­be­agen­tur Cama­lot Media. Er wird nun erst­ma­lig mit Unter­stüt­zung des „Film­pa­las­tes“ öffent­lich gezeigt: Die Stadt Iser­lohn lädt am Sonn­tag, 18. Mai, um 11 Uhr ganz herz­lich alle Inter­es­sier­ten in den „Film­pa­last Iser­lohn“, Kurt-Schu­ma­cher-Ring 1 – 3 ein. Zu Beginn der Vor­füh­rung wird Bür­ger­meis­ter Dr. Peter Paul Ahrens die Anwe­sen­den begrü­ßen. Im Anschluss an den Film besteht im Foy­er des Kinos die Gele­gen­heit zu Gesprä­chen und zum  Aus­tausch. Zudem wird Jür­gen Len­sing mit einem Info-Stand zum The­ma „His­to­ri­sche Erkun­dung“ vor Ort sein.

 

Zum Film:

Im Film berich­tet Carl-Heinz Kip­per über sei­ne Erleb­nis­se und Erfah­run­gen wäh­rend der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus. Sequen­zen von Erzäh­lun­gen des Zeit­zeu­gen wech­seln sich mit ani­mier­ten Bil­dern in Zei­chen­trick­form ab. Die ani­mier­ten Sze­nen sind aus Ori­gi­nal­fo­tos von Per­so­nen und Orten der dama­li­gen Zeit entstanden.

Der Film beinhal­tet Sze­nen aus sei­ner Schul­zeit und zeigt mit Anfang des Natio­nal­so­zia­lis­mus begin­nen­de Aus­gren­zungs­me­cha­nis­men. Erst da erfährt der christ­lich getauf­te Carl-Heinz Kip­per von sei­ner Mut­ter, dass er Jude ist. In der Reichs­po­grom­nacht erlebt er, dass Aus­gren­zung in Ver­fol­gung und Zer­stö­rung mün­det. Carl-Heinz Kip­per erfährt das über­deut­lich durch die Depor­ta­ti­on sei­ner Mut­ter. Es gab aber auch Men­schen mit Zivil­cou­ra­ge. Eine from­me katho­li­sche Wit­we nimmt ihn bei sich auf und wird für den jun­gen Carl-Heinz zu einer zwei­ten Mut­ter. Im Sep­tem­ber 1944 wird Carl-Heinz Kip­per ver­haf­tet und in ein Arbeits­la­ger bei Ful­da depor­tiert. 1945 wur­de er von den Ame­ri­ka­nern befreit.

Der Film endet mit der Wie­der­kehr sei­ner Mut­ter aus dem Lager The­re­si­en­stadt und sei­nem Appell „Bit­te helft alle mit, dass so etwas nie, nie wie­der pas­siert.“ Ein Trai­ler zum Film ist ab sofort auf der städ­ti­schen Home­page unter www​.iser​lohn​.de zu sehen.

 

Ab Herbst soll der Film im Rah­men einer „His­to­ri­schen Erkun­dung“ in Iser­lohn ein­ge­setzt wer­den. Vor dem Rund­gang lesen Schü­le­rin­nen und Schü­ler der Stu­fe sechs die Geschich­te „Mathi­as und der Mensch aus Bron­ze”, die die  kon­zep­tio­nel­le und päd­ago­gi­sche Grund­la­ge für eine „His­to­ri­sche Erkun­dung“ bil­det. Dabei wer­den Schul­klas­sen an Orte in Iser­lohn geführt, die an jüdi­sche Geschich­te und Ver­fol­gung erin­nern. (Mahn­mal für die Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus, Stol­per­stei­ne, ehe­ma­li­ge Syn­ago­ge und Gedenk­ta­fel). Zusätz­lich besu­chen die Kin­der die städ­ti­schen Ein­rich­tun­gen Büche­rei, Muse­um und Archiv, wo sie wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum The­ma Natio­nal­so­zia­lis­mus erhal­ten. Abschlie­ßend wird der Film „Carl-Heinz Kip­per – 13 Jah­re in Angst“ im städ­ti­schen Jugend­zen­trum gezeigt und Fra­gen der Kin­der beantwortet.

Von 2000 bis 2013 wur­de die „His­to­ri­sche Erkun­dung“ in Iser­lohn mit 173 Schul­klas­sen durch­ge­führt. Carl-Heinz Kip­per war Ansprech­part­ner an den Sta­tio­nen und berich­te­te abschlie­ßend über sei­ne Erleb­nis­se und Erfah­run­gen wäh­rend der Zeit des Nationalsozialismus.