Bewe­gen­de Aus­stel­lung eröff­net

2. Mai 2013
von Redaktion

„Geschich­te und Inte­gra­ti­on der Deut­schen aus Russ­land“

Groß war das Interesse bereits bei der Eröffnung der Ausstellung im Lüdenscheider Kreishaus. Foto: Hendrik Klein/Märkischer Kreis

Groß war das Inter­es­se bereits bei der Eröff­nung der Aus­stel­lung im Lüden­schei­der Kreis­haus. Foto: Hen­drik Klein/Märkischer Kreis


Mär­ki­scher Kreis. (pmk). Erfreu­lich groß war der Andrang bei der Eröff­nung der Aus­stel­lung „Geschich­te und Inte­gra­ti­on der Deut­schen aus Russ­land” im Foy­er des Lüden­schei­der Kreis­hau­ses.
Der Mär­ki­sche Kreis ist ihr Zuhau­se gewor­den. Ob er auch Hei­mat wur­de, hängt auch sehr vom Alter ab. Die Rede ist von den zuge­zo­ge­nen Russ­land­deut­schen. Das wur­de deut­lich bei der offi­zi­el­len Eröff­nung der Aus­stel­lung „Geschich­te und Inte­gra­ti­on der Deut­schen aus Russ­land“, die noch bis zum 28. Mai im Foy­er des Lüden­schei­der Kreis­hau­ses zu sehen ist.
Iri­na Waal, 25-Jäh­ri­ge aus Lüden­scheid, erzähl­te ihre Migra­ti­ons­ge­schich­te. Sie war noch ein Kind, als sie 1996 aus Alma Ata im heu­ti­gen Kasach­stan nach Deutsch­land kam. „Das woll­te mei­ne Oma unbe­dingt“, erzähl­te sie im voll­be­setz­ten Sit­zungs­saal des Lüden­schei­der Kreis­hau­ses. Iri­na hat­te schon Deutsch in der Schu­le. „Der Start hier war holp­rig, aber auch kei­ne Kata­stro­phe“, so die 25-Jäh­ri­ge. Seit ihrer Über­sied­lung sei sie nie wie­der in der alten Hei­mat gewe­sen, habe auch kei­nen Kon­takt mehr zu ihren dort noch leben­den Ver­wand­ten. „Ich bin in Deutsch­land ange­kom­men und hier zuhau­se.“ „Ich woll­te nicht nach Deutsch­land“, gibt Lidia Remisch aus Iser­lohn zu. Das habe in ers­ter Linie dar­an gele­gen, dass die Kin­der sei­ner­zeit erst zehn und zwölf Jah­re alt waren.  „Wir haben hier vie­le Unge­rech­tig­kei­ten erlebt“, erin­nert sich die Schnei­de­rin. Die 52-Jäh­ri­ge trat in die SPD ein und enga­giert sich auf viel­fäl­ti­ge Wei­se in Iser­loh­ner Gre­mi­en – unter ande­rem im Arbeits­kreis Inte­gra­ti­on. „Mei­ne Hei­mat ist Kasach­stan, Deutsch­land ist mein Zuhau­se. Hei­mat hat man nur ein­mal, zuhau­se kann man an vie­len Orten sein.“ „Aus­rei­sen oder ster­ben“: Das sei damals für ihn die Ent­schei­dung gewe­sen, so Edu­ard Dei­bert. In der Nähe von Odes­sa an der Schwarz­meer­küs­te gebo­ren, habe er schö­ne Erin­ne­run­gen an die alte Hei­mat. „Mei­ne Eltern haben Fürch­ter­li­ches erlebt“, so der 71-Jäh­ri­ge. Er sie­del­te 1978 nach Deutsch­land über. Erst zwei Jah­re zuvor war der Regime­kri­ti­ker aus einer zwei­jäh­ri­gen Haft ent­las­sen wor­den. „Mei­ne Hei­mat ist jetzt Deutsch­land“, erklärt Edu­ard Dei­bert, der 1997 die russ­land­deut­sche Künst­ler­grup­pe mit­be­grün­de­te und der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land e.V. ange­hört.
Drei ganz per­sön­li­che Bio­gra­fi­en und nur drei Bei­spie­le dafür, wel­che wech­sel­vol­le Geschich­te die Inte­gra­ti­on der Deut­schen aus Russ­land auch im Mär­ki­schen Kreis hat­te. „Die Inte­gra­ti­on von Men­schen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund ist der Kreis­ver­wal­tung ein wich­ti­ges Anlie­gen“, erklär­te Land­rat Tho­mas Gemke bei der Aus­stel­lungs­er­öff­nung, die musi­ka­lisch vom Chor „Hei­mat­me­lo­die“ aus Dort­mund unter der Lei­tung von Boris Kup­fer­stein umrahmt wur­de. Gemke erin­ner­te dar­an, dass nach dem Krieg allein in Lüden­scheid 25 Pro­zent der Wohn­be­völ­ke­rung Ver­trie­be­ne und Über­sied­ler waren. „23.000 Per­so­nen sind zwi­schen August 1989 und Dezem­ber 2009 als Aus­sied­ler aus Russ­land in den Mär­ki­schen Kreis gekom­men“, nann­te Gemke eine statt­li­che Zahl. „In Russ­land waren sie die Deut­schen, in Deutsch­land die Rus­sen. Das war nicht immer ein­fach.“ „Russ­land­deut­sche sind die neue Brü­cke zwi­schen unse­ren Län­dern“, so Jakob Fischer, Lei­ter des Pro­jek­tes „Migra­ti­on und Inte­gra­ti­on in Deutsch­land“. Die Aus­stel­lung im Kreis­haus gehört zum Schul­un­ter­richts­pro­jekt. „Sie wird etwa 200 Mal in Deutsch­land zu sehen sein. Sie zeigt mit Vor­trä­gen, Schau­bil­dern, Fil­men  und Tafeln das wech­sel­vol­le Schick­sal und illus­triert die His­to­rie und die kul­tu­rel­len Ver­knüp­fun­gen der Russ­land­deut­schen mit Russ­land, der ehe­ma­li­gen Sowjet­uni­on und den dar­aus ent­stan­den Nach­fol­ge­staa­ten.
Die Wan­der­aus­stel­lung gibt Ein­blick in den Lei­dens­weg, den die Russ­land­deut­schen infol­ge des deut­schen Über­falls auf die Sowjet­uni­on im Jahr 1941 antre­ten muss­ten. Zehn­tau­sen­de ver­lo­ren ihr Leben durch Depor­ta­ti­on, Ver­schlep­pung und Ermor­dung. In den 1990er Jah­ren kamen vie­le Deut­sche aus Russ­land als Spät­aus­sied­ler zurück nach Deutsch­land.
Die Aus­stel­lung doku­men­tiert auch, wie die Rück­keh­rer in Deutsch­land wie­der Fuß fass­ten und sich erfolg­reich inte­griert haben. Die vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern geför­der­te Wan­der­aus­stel­lung des Bun­des­ver­ban­des der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land wird zu den übli­chen Öff­nungs­zei­ten bis zum 28. Mai 2013 im Foy­er des Lüden­schei­der Kreis­hau­ses zu sehen sein und anschlie­ßend im Bür­ger­bü­ro des Krei­ses am Grie­sen­brauck in Iser­lohn. Wei­ter­füh­ren­de Schu­len und Berufs­kol­legs kön­nen die Aus­stel­lung auch in ihrem Schul­ge­bäu­de prä­sen­tie­ren.  Wer eine Füh­rung buchen möch­te, kann sich unter integration@maerkischer-kreis.de oder tele­fo­nisch unter 02351/966‑6514 an das Inte­gra­ti­ons­zen­trum des Mär­ki­schen Krei­ses wen­den.