Rat­haus-Sanie­rung: Arns­bergs 48-Mil­lio­nen-Pro­jekt steht vor poli­ti­scher Beschluss­fas­sung

26. Juni 2019
von Redaktion

Groß­pro­jekt Rat­haus: Der Rat der Stadt Arns­berg soll am 2. Juli ent­schei­den, wie es wei­ter­geht. Die Ver­wal­tung schlägt vor, das 48-Mil­lio­nen-Euro-Pro­jekt zu begin­nen. 21 Mil­lio­nen Euro sol­len als För­der­mit­tel in das Pro­jekt flie­ßen (Visua­li­sie­rung: v‑architekten)

Arns­berg. Auf­grund der anste­hen­den poli­ti­schen Bera­tun­gen zum The­ma „Rat­haus-Sanie­rung“ in der Rats­sit­zung am 2. Juli hat die Stadt Arns­berg den aktu­el­len Stand der Pla­nun­gen aus­führ­lich vor­ge­stellt und erläu­tert. Die Stadt­ver­wal­tung emp­fiehlt dem Rat fol­gen­den Beschluss: „Die Rat­haus-Sanie­rung soll ent­spre­chend der aktua­li­sier­ten Bau- und Kos­ten­pla­nun­gen wei­ter umge­setzt wer­den“.

Fünf Vari­an­ten wur­den unter­sucht

Vor dem Hin­ter­grund der zwi­schen­zeit­lich erar­bei­te­ten Pla­nung und des ein­ge­reich­ten För­der­an­tra­ges wur­den die ver­schie­de­nen Rea­li­sie­rungs­va­ri­an­ten einer räum­li­chen Unter­brin­gung der Stadt­ver­wal­tung mit ihren umfang­rei­chen Dienst­leis­tungs­an­ge­bo­ten für die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger nun noch ein­mal ver­glei­chend gegen­über­ge­stellt. Dabei ging es dar­um, sowohl die Risi­ken als auch die Chan­cen des Pro­jek­tes unter Berück­sich­ti­gung der Pro­jekt­zie­le klar her­aus zu arbei­ten und zudem eine größt­mög­li­che Trans­pa­renz über alle wesent­li­chen Fak­ten her­zu­stel­len. Hier­zu wur­de das Büro BBP mit einer quan­ti­fi­zier­ba­ren, ver­glei­chen­den Betrach­tung beauf­tragt.

Fol­gen­de 5 Vari­an­ten wur­den dabei unter­sucht:

V1: Rat­haus-Sanie­rung „Kli­ma­neu­tral und offen“ mit allen Pro­jekt­bau­stei­nen: Tem­po­rä­re Unter­brin­gung, Rechen­zen­tren, Zwi­schen- und End­ar­chiv, Frei­an­la­gen.

V2: Auf­tei­lung der Stadt­ver­wal­tung auf die Stadt­tei­le Arns­berg und Neheim mit einer dau­er-haf­ten Anmie­tung in Arns­berg und Her­rich­tung des Gebäu­des Goe­the­stra­ße 16–18.

V3: Das Rat­haus soll zunächst nur mit den not­wen­digs­ten Maß­nah­men instand gesetzt wer­den (Ver­schie­bung der Sanie­rung um rund 5 Jah­re)

V4: Sanie­rung im Bestand (ent­spre­chend der Sanie­rungs­stu­die 2015)

V5: Neu­bau des Rat­hau­ses inklu­si­ve der Stand­ort­fra­ge.

Das Büro BBP hat bei allen fünf Vari­an­ten die jewei­li­gen Lebens­zy­klus­kos­ten, die Mög­lich­kei­ten einer finan­zi­el­len För­de­rung und die bis­her ange­fal­le­nen Kos­ten sowie Inves­ti­tio­nen und Auf-wand der jewei­li­gen Maß­nah­men ana­ly­siert. Die­se Metho­de, die inter­na­tio­nal zur Wert­ermitt­lung ins­be­son­de­re von Inves­ti­ti­ons­pro­jek­ten ver­wen­det wird und anhand derer die fünf sehr unter­schied­li­chen Vari­an­ten hin­sicht­lich ihrer finan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen ver­gleich­bar gemacht wur­den, nennt sich Dis­coun­ted-Cash­flow-Ver­fah­ren.

Ent­schei­dung muss am 2. Juli getrof­fen wer­den

Die Ergeb­nis­se der Gesamt­ana­ly­se von BBP wur­den den Mit­glie­dern des Pla­nungs­aus­schus­ses, des Haupt- und Finanz­aus­schus­ses und des Rates am Mon­tag­abend im Rah­men einer all­ge­mei­nen Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung prä­sen­tiert. Am Diens­tag­abend beriet der Aus­schuss für Pla­nen, Bau­en und Umwelt zum The­ma, sowie heu­te der Haupt- und Finanz­aus­schuss, bevor am 2. Juli der Rat ent­schei­det. Die­se Ent­schei­dung ist zu die­sem Zeit­punkt erfor­der­lich, weil das Land NRW für einen posi­ti­ven För­der­be­scheid, der zur Rea­li­sie­rung der Vari­an­te V1 not­wen­dig ist, die Zustim­mung des Rates der Stadt Arns­berg benö­tigt.

Auf­grund fol­gen­der Fak­to­ren wird die Vari­an­te V1 im Ver­gleich zu den ande­ren unter­such­ten Sze­na­ri­en auch aus Sicht von BBP klar emp­foh­len:

  • Der Real­in­vest (abge­zins­te Berech­nung der tat­säch­lich anfal­len­den Kos­ten) ist über einen pro­gnos­ti­zier­ten Zeit­raum von 20 Jah­ren mit rund 37,4 Mil­lio­nen Euro im Ver­gleich zu den ande­ren vier unter­such­ten Vari­an­ten am nied­rigs­ten.
  • Gro­ße Pla­nungs­tie­fe, da die­se Vari­an­te bereits detail­liert durch­ge­plant wur­de, und damit gerings­te Kos­ten­va­ri­anz aller fünf Vari­an­ten
  • Inves­ti­ti­on am Stand­ort mit Teilum­bau des Rat­hau­ses zum Bür­ger­zen­trum setzt wich­ti­ge Impul­se zur städ­te­bau­li­chen Auf­wer­tung von Unter­hüs­ten. Mit die­ser „Öff­nung des Rat­hau­ses für sozia­le und kul­tu­rel­le Grup­pen“ ist die För­der­fä­hig­keit des Vor­ha­bens ver­bun­den.
  • Auf­wer­tung des Stadt­ein­gangs und Schaf­fung einer qua­li­fi­zier­ten (Arbeits-) Umge­bung für die Ver­wal­tung, aber auch für anlie­gen­de Betrie­be und Berei­che (auch Stich­wor­te Stadt­image und Fach­kräf­teak­qui­si­ti­on)
  • Nach­hal­ti­ger Umgang mit Res­sour­cen (Nut­zung sog. „grau­er Ener­gi­en“, Ver­mei­dung von Abfäl­len (Abbruch­ma­te­ria­li­en), Nut­zung eines bereits bebau­ten und aus­rei­chend gro­ßen Grund­stücks (kein zusätz­li­ches Park­deck erfor­der­lich), „Roh­bau“ vor­han­den)
  • Bür­ger­ak­zep­tanz für den bereits bestehen­den, im städ­ti­schen Eigen­tum befind­li­chen und ver­kehr­lich sehr gut ange­bun­de­nen Stand­ort, der für ande­re Nut­zun­gen und Inves­to­ren pro­ble­ma­tisch ist (feh­len­des Bau­recht, gerin­ger Auto­bahn­ab­stand, Sanie­rungs­auf­wand im Bestand auch bei ande­ren Nut­zun­gen ver­sus Abbruch und Neu­bau auf ver­klei­ner­tem Bau­feld)
  • Kein „Tau­zie­hen der Stadt­tei­le“ um einen neu­en Rat­haus-Stand­ort