„Poli­zis­ten sind kein Frei­wild“

Besichtigten die renovierten Arrestzellen: (von links) Dr. Matthias Heider, Volker Mürmann, Landrat Thomas Gemke, Achim Spröde und Michael Kuchenbecker. Foto: Hendrik Klein/Märkischer Kreis

Besich­tig­ten die reno­vier­ten Arrest­zel­len: (von links) Dr. Mat­thi­as Hei­der, Vol­ker Mür­mann, Land­rat Tho­mas Gemke, Achim Sprö­de und Micha­el Kuchen­be­cker. Foto: Hen­drik Klein/Märkischer Kreis

Trotz guter Arbeit beschimpft, bespuckt und getre­ten

Vor der Lüdenscheider Wache wurde der neue Dienstwagen begutachtet. Foto: Hendrik Klein/Märkischer Kreis

Vor der Lüden­schei­der Wache wur­de der neue Dienst­wa­gen begut­ach­tet. Foto: Hen­drik Klein/Märkischer Kreis

Mär­ki­scher Kreis. (pmk). Deut­li­che Wor­te fand der neue Lei­ten­de Poli­zei­di­rek­tor Micha­el Kuchen­be­cker beim Besuch des CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Dr. Mat­thi­as Hei­der. Auf sei­ne Mit­ar­bei­ter ist der neue Poli­zei­chef im Kreis rich­tig stolz.

Er ist erst seit weni­gen Wochen obers­ter Poli­zist im Mär­ki­schen Kreis, Lei­ten­der Poli­zei­di­rek­tor Micha­el Kuchen­be­cker. Aber was er von sei­ner Behör­de bereits mit­be­kom­men hat, macht ihn stolz: „Ich tref­fe hier auf ein hohes Maß an Moti­va­ti­on, Wil­len und Ide­en. Die Mit­ar­bei­ter geben rich­tig Gas für die Bür­ger.“ Das hör­te auch sein Besu­cher gern. Dr. Mat­thi­as Hei­der, CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter für den süd­li­chen Mär­ki­schen Kreis und den Kreis Olpe, stat­te­te in Beglei­tung von Land­rat Tho­mas Gemke den Geset­zes­hü­tern in der Poli­zei­wa­che Lüden­scheid einen Besuch ab.

 

„Die Bür­ger haben weni­ger Angst im Stra­ßen­ver­kehr als um ihr Hab und Gut, Leib und Leben“, so Dr. Mat­thi­as Hei­der. Der gelern­te Jurist sieht auf Poli­zei und Ermitt­lungs­be­hör­den nach der jüngs­ten Ver­schär­fung des Sexu­al­straf­rechts nach den Vor­komm­nis­sen in der Sil­ves­ter­nacht in Köln noch mehr Arbeit zukom­men. „Es könn­te schwie­rig wer­den den Tat­be­stand der sexu­el­len Nöti­gung fest­zu­stel­len.“

 

Die Geset­zes­hü­ter im Mär­ki­schen Kreis haben aber viel mehr Pro­ble­me mit Ein­bre­chern. „die Woh­nungs­ein­brü­che sind unser Pro­blem­kind. Sie haben zuge­nom­men“, weiß Kri­mi­nal­di­rek­tor Achim Sprö­de, Direk­ti­ons­lei­ter Kri­po bei der Kreis­po­li­zei­be­hör­de Mär­ki­scher Kreis. Man habe es über­wie­gend mit ost­eu­ro­päi­schen Ban­den zu tun. „Wenn es nach uns gin­ge, wären wir ohne die Auto­bah­nen 45 und 46, über die die Straf­tä­ter kom­men, bes­ser dran“, so Sprö­de. Was im Kampf gegen die Ein­bre­cher­ban­den wirk­lich hel­fe, sei die Auf­merk­sam­keit der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger. „Deren Mit­ar­beit ist für uns ganz wich­tig. Man­che glau­ben ja sogar, wenn sie die 110 anru­fen, kos­tet das Tele­fon­ge­büh­ren. Das ist nicht so“, ermun­tert Micha­el Kuchen­be­cker, die Poli­zei lie­ber ein­mal zu viel als ein­mal zu wenig anzu­ru­fen. „Wir wol­len das künf­tig stär­ker beloh­nen, wenn ein Hin­weis zur Auf­klä­rung einer Straf­tat führt.“ Ein­brü­che, Dieb­stäh­le und leich­te Kör­per­ver­let­zun­gen, das ist das Gros der 25.500 Straf­ta­ten pro Jahr im Mär­ki­schen Kreis. Die Kri­mi­na­li­täts­stei­ge­rung habe nichts mit der zuneh­men­den Zahl der Flücht­lin­ge zu tun, dar­auf legen Micha­el Kuchen­be­cker und sei­ne Mit­ar­bei­ter gro­ßen Wert. „Rund 800 Straf­ta­ten wur­den akten­kun­dig. Meis­tens han­del­te es sich um Kul­tur­kon­flik­te inner­halb von Ein­rich­tun­gen“, erklärt Achim Sprö­de. Die Ängs­te der Bür­ger sei­en unbe­grün­det, müss­ten gleich­wohl ernst genom­men wer­den. Sprö­de weiß aus sei­ner Sta­tis­tik aber auch, dass 30 Pro­zent der Gano­ven einen Migra­ti­ons­hin­ter­grund haben.

 

Die Hälf­te der Straf­tä­ter kom­men von außer­halb. „Wir haben mit unse­ren Kon­troll­ta­gen dar­auf reagiert, und wir geben nicht auf“, ver­spricht der Poli­zei­chef. Aller­dings dürf­te es schwer wer­den, den Kon­troll­druck auf­recht zu erhal­ten. Denn auch das sei Fakt: Die Poli­zei im Mär­ki­schen Kreis habe „durch poli­ti­sche Fehl­kal­ku­la­ti­on“ weni­ger Per­so­nal. Das beklagt seit Jah­ren auch Land­rat Tho­mas Gemke als Lei­ter der Kreis­po­li­zei­be­hör­de Mär­ki­scher Kreis: „Wir haben im Kreis in den letz­ten Jah­ren schlei­chend 50 Poli­zis­ten ver­lo­ren.“ Aktu­ell sei­en es noch 628 Geset­zes­hü­ter und 70 Ange­stell­te. Beson­ders ärger­lich sei, dass gute Arbeit und gute Auf­klä­rungs­quo­ten nicht sel­ten dadurch bestraft wer­den, dass Per­so­nal für ande­re Behör­den abge­zo­gen wer­de.

 

Obwohl der Respekt gegen­über der Poli­zei abneh­me, gebe es kei­ne Nach­wuchs­sor­gen. „Wir wer­den bei unse­ren Ein­sät­zen beschimpft, bedroht, bespuckt, geschla­gen und getre­ten“, so Micha­el Kuchen­be­cker. „Dar­über müs­sen wir mit den Staats­an­wäl­ten mal reden. Wir sind kein Frei­wild.“ Das schreckt jun­ge Leu­te offen­bar nicht ab. Jedes Jahr bewer­ben sich rund 8.000 von ihnen für den Dienst in der Poli­zei. Land­rat Tho­mas Gemke: „40 Pro­zent davon sind Frau­en, das freut mich sehr.“ Der Frau­en­an­teil bei der Poli­zei im Mär­ki­schen Kreis lie­ge eben­falls bei knapp 40 Pro­zent.

 

Gute Ein­drü­cke, aber durch­aus auch Kri­tik, nahm CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter Dr. Mat­thi­as Hei­der bei sei­nem Besuch in Lüden­scheid zur Kennt­nis. Er besich­tig­te nach dem Erfah­rungs­aus­tausch noch die frisch reno­vier­ten Arrest­zel­len. Letz­te Arbei­ten sind noch zu machen, sie sind noch nicht frei­ge­ge­ben. Er schau­te sich auch die neu­en BMW-Dienst­wa­gen der Poli­zei an, die bei vie­len Ein­satz­kräf­ten und der Gewerk­schaft der Poli­zei wegen ihrer Enge im Innen­raum kri­ti­sie­ret wor­den.