Arns­berg hat sich auf Weg gemacht – Mit „Smart City” Tech­no­lo­gien für eine nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung gestalten

12. März 2021
von Redaktion

 

Ein Inter­view mit Smart-City-Mana­ger Lars Morgenbrod

Der Smart-City-Mana­ger der Stadt Arns­berg, Lars Mor­gen­brod, spricht über Per­spek­ti­ven und Mög­lich­kei­ten, die sich hin­ter dem Begriff „Smart City“ ver­ste­cken. (Foto: Stadt Arnsberg)

 

Arns­berg. Smart­pho­ne, Smar­thome… Smart City: Arns­berg hat sich auf den Weg in die Zukunft gemacht, die ihren Bürger*innen viel­fäl­ti­ge Gestal­tungs- und Mit­be­stim­mungs­mög­lich­kei­ten an den Ent­wick­lungs­pro­zes­sen in Arns­berg geben will. „Smart City“ heißt das Zau­ber­wort dafür, das die Ent­wick­lungs­pro­zes­se zu einer demo­kra­ti­schen, nach­hal­ti­gen und kli­ma­neu­tra­len Kom­mu­ne beglei­ten will. Auch Betei­li­gungs­pro­zes­se über die neue Arns­ber­ger Betei­li­gungs­platt­form „adho­cra­cy plus“ gehö­ren dazu. Das Refe­rat Smar­tes Digi­ta­les Arns­berg der Stadt Arns­berg mit Esther von Kucz­kow­ski, Lars Mor­gen­brod und Sebas­ti­an Jos­ten plant und koor­di­niert ver­schie­de­ne Smart-City-Pro­jek­te in Arns­berg. Über den Begriff „Smart City“ und die nach­hal­ti­gen Mög­lich­kei­ten für die Stadt spricht Smart-City-Mana­ger Lars Mor­gen­brod.

 

„Smart City“ ist in vie­len Städ­ten zu einem bekann­ten Begriff gewor­den, ähn­lich wie das Wort „Nach­hal­tig­keit“. Doch, was genau ver­birgt sich hin­ter dem Begriff, von dem alle ein Stück­chen, aber nie die gan­ze Wahr­heit kennen…?

 

Im  Rah­men von „Smart City“ stel­len wir uns die Fra­ge, wie wir Tech­no­lo­gien für eine nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung hier in Arns­berg ein­set­zen kön­nen. Ganz beson­ders im Fokus ste­hen dabei digi­ta­le Tech­no­lo­gien. Wir stel­len dies ger­ne in die Rei­he: Smart­pho­ne, Smart Home, Smart City. Vom pri­va­ten Umfeld in das öffent­li­che Leben: Wie kön­nen wir Inno­va­tio­nen zum Woh­le der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger einsetzen?

Fest steht: Der digi­ta­le Wan­del nimmt gro­ßen Ein­fluss auf all unse­re Lebens- und Arbeits­be­rei­che. Durch die Coro­na-Pan­de­mie wird dies noch ver­stärkt. Anstatt jedoch den digi­ta­len Wan­del ein­fach nur gesche­hen zu las­sen, wol­len wir in Arns­berg den Wan­del gestal­ten. Wir sehen smar­te Tech­no­lo­gien als Werk­zeu­ge um nach­hal­ti­ger, das heißt für uns auch trans­pa­ren­ter, ver­netz­ter, öko­lo­gi­scher und sozi­al inklu­si­ver zu wer­den. Tech­no­lo­gie soll aber nur da ein­ge­setzt wer­den, wo sie dem Men­schen dient.

 

„Smart City“ ist ja auch viel mehr als die Steue­rung der Hei­zung zuhau­se über eine App auf dem Smart­pho­ne. Wo gibt es für die Stadt Arns­berg sinn­vol­le Ansatz­punk­te, den Begriff an die Gesell­schaft zu bringen?

 

Wir stel­len uns der­zeit vie­le Fra­gen. Wie brem­sen wir den Kli­ma­wan­del? Wie gelin­gen Ver­kehrs- und Ener­gie­wen­de? Wie bewäl­ti­gen wir die Coro­na-Pan­de­mie? Wie stär­ken wir die Demo­kra­tie? Oder ganz kon­kret: Wie sieht der Arns­ber­ger Wald der Zukunft aus? Wie hal­ten wir unse­re Innen­städ­te Neheim, Arns­berg und Hüs­ten leben­dig? Wel­che Kom­pe­ten­zen benö­ti­gen unse­re Kin­der zukünf­tig in der digi­ta­len Welt?

Die­se Fra­gen kön­nen wir aber nicht allei­ne beant­wor­ten. Hier­für benö­ti­gen wir die Sicht und das Wis­sen vie­ler Arnsberger*innen. Die Wis­sen­schaft spricht hier von „Schwar­min­tel­li­genz“. Daher ist unser Smart City Ansatz auch eine Ein­la­dung an alle sich in die Gestal­tung der Zukunft hier vor Ort einzubringen.

 

Gibt es schon Bei­spie­le für „Smart City“ in der Stadt Arnsberg?

 

Ja, die gibt es. Als Bei­spiel möch­te ich unse­re intel­li­gen­te Stra­ßen­be­leuch­tung auf dem neu­en Rad­ex­press­weg Jahn­al­lee in Neheim nen­nen, die nur dann leuch­tet, wenn jemand auf die­ser Stra­ße fährt oder geht. Dies spart Ener­gie und redu­ziert die Licht­ver­schmut­zung. Über unser städ­ti­sches Online Ser­vice­por­tal bie­ten wir über 80 Ser­vices digi­tal an, wei­te­re wer­den fol­gen. Der­zeit arbei­ten wir an einem Stadt­la­bor. Hier wol­len wir gemein­sam mit Unter­neh­men und Bürger*innen digi­ta­le Tech­no­lo­gien wie Aug­men­ted Rea­li­ty oder 3‑D Druck tes­ten. Und wir wol­len über unse­re gemein­sa­me digi­ta­le Zukunft diskutieren.

 

Über „Smart City“ sol­len jetzt ja auch Bürger*innen der Stadt Arns­berg ein­ge­bun­den wer­den. Wie soll das kon­kret aussehen? 

 

Wir nut­zen hier die neue Arns­ber­ger Online-Betei­li­gungs­platt­form. Unter www​.betei​li​gung​.arns​berg​.de gelangt man zum Por­tal adho­cra­cy plus. Dort legt man sich ein Benut­zer­kon­to an und dann kann man direkt mit­dis­ku­tie­ren. Ger­ne mit dem eige­nen Namen, es geht aber auch über ein Pseudonym.

Zum einen möch­ten wir erfah­ren wo wir in Arns­berg aus Sicht der Bürger*innen jetzt schon gut sind und wo nicht. Also: Wo drückt der Schuh? Wie zufrie­den sind sie mit unse­rem Ser­vice­por­tal? Wie bewer­ten Sie die digi­ta­le Infra­struk­tur? Wie sou­ve­rän gehen wir mit unse­ren Daten um? Zum ande­ren wol­len wir gemein­sam ein Bild der Zukunft zeich­nen. Wie soll Arns­berg in Zukunft, sagen wir im Jahr 2030, aus­se­hen? Was wol­len wir bis dahin erreicht haben? Hier­zu haben wir Aus­sa­gen for­mu­liert, die bewer­tet und kom­men­tiert wer­den kön­nen. Dazu gibt es die Mög­lich­keit kon­kre­te Pro­jekt­ideen einzureichen.

 

Und zu wel­chen The­men­fel­dern genau wol­len Sie auf der Betei­li­gungs­platt­form die Stim­mun­gen und Mei­nun­gen der Bürger*innen einsammeln?

 

Ins­ge­samt haben wir die Viel­zahl an The­men zu sie­ben Hand­lungs­fel­dern zusam­men­ge­fasst, was – zuge­ge­ben – immer noch viel ist. Wir kön­nen uns die Smart City Arns­berg wie folgt vor­stel­len: bür­ger­nah & gemein­sam stark, bil­dungs­be­geis­tert & neu­gie­rig, pro­duk­tiv & inno­va­tiv, kli­ma­neu­tral & umwelt­freund­lich, gesund & bewegt, mobil & ver­netzt sowie lebens­wert & lie­bens­wert. Dahin­ter ver­ber­gen sich sehr vie­le The­men, die wir aber auf der Betei­li­gungs­platt­form auch benennen.

 

Wenn sich mög­lichst vie­le Men­schen aus der Stadt Arns­berg betei­ligt haben, wo wer­den die Ant­wor­ten gesam­melt und was pas­siert damit (Stich­wort Datenschutz)?

 

Die Platt­form ist „Open Source“. Das heißt der Quell­code der Soft­ware ist offen für alle zugäng­lich, was tat­säch­lich siche­rer ist. Ein ande­res bekann­tes Bei­spiel für solch ein Soft­ware­an­ge­bot ist der bei vie­len belieb­te Brow­ser Mozil­la Fire­fox. Die Daten lan­den auf euro­päi­schen Ser­vern, die mit der stren­gen euro­päi­schen Daten­schutz­grund­ver­ord­nung (DSGVO)  kon­form sind. Dies war uns bei der Aus­wahl der Platt­form sehr wich­tig. Aus­ge­wer­tet wer­den die Infor­ma­tio­nen aus­schließ­lich bei der Stadt Arns­berg. Unser Anspruch ist alle Akteu­re fort­lau­fend über den Pro­zess zu infor­mie­ren. Über unse­re städ­ti­schen Web­sei­ten, Social Media Kanä­le und die neue Beteiligungsplattform.

 

Wie geht es denn danach mit „Smart City“ wei­ter? Hat die Stadt Arns­berg schon smar­te Plä­ne für die Zukunft?

 

Bis Ende Okto­ber möch­ten wir eine abge­stimm­te Smart City Stra­te­gie auf­stel­len und poli­tisch beschlie­ßen las­sen. Dar­in wol­len wir auf­zei­gen, wie wir uns eine smar­te Stadt Arns­berg 2030 vor­stel­len. Also wel­chen The­men wol­len wir uns ver­stärkt wid­men? Wel­che Maß­nah­men und Pro­jek­te sto­ßen wir an? Was tun wir für die Digi­ta­le Mün­dig­keit unse­rer Bür­ger? Wie nut­zen wir unse­re Daten gemein­wohl­ori­en­tiert? Im Rah­men des Smart City Pro­jekts haben wir noch bis Ende 2026 Zeit, um Pro­jek­te umzusetzen.

Wenn uns die Bürger*innen Pro­blem- oder Auf­ga­ben­stel­lun­gen benen­nen, die wir drin­gend ange­hen sol­len, wir spre­chen in die­sem Zusam­men­hang von Anwen­dungs­fäl­len, dann ent­wi­ckeln wir dazu smar­te Lösun­gen. Das geht natür­lich mit oder ohne Hil­fe von digi­ta­len Tech­no­lo­gien. Häu­fig geht es dar­um, den Men­schen das Leben ver­ein­fa­chen, ihre Auto­no­mie zu stär­ken oder Teil­ha­be am gemein­schaft­li­chen Leben in Arns­berg zu ermöglichen.

 

 

Eines ist noch wich­tig: Was hat eigent­lich der Bür­ger / die Bür­ge­rin aus Arns­berg ganz kon­kret vom Pro­zess rund um „Smart City“?

 

Wir ver­ste­hen den Smart City Pro­zess als Ein­la­dung an der Zukunft unse­rer schö­nen Stadt mit­zu­ar­bei­ten. Kon­kret geschieht das über neue Betei­li­gungs­mög­lich­kei­ten, Pro­jek­te oder Initia­ti­ven. Ich möch­te ein Bei­spiel aus dem Arbeits­be­reich geben, das gera­de sehr prä­sent ist. Die Fra­ge ist: Wie wol­len wir zukünf­tig zusam­men­ar­bei­ten? Vie­le Men­schen arbei­ten seit einem Jahr teil­wei­se oder sogar ganz im Home­of­fice. Die digi­ta­len Mög­lich­kei­ten eröff­nen völ­lig neue Arbeits­for­men. Dies hat Aus­wir­kun­gen auf Arbeits­zeit­mo­del­le, auf die Ver­füg­bar­keit von tech­ni­schen Res­sour­cen, auf Büro­mie­ten, auf den Ver­kehr, auf Fra­gen von Füh­rung und Arbeits­tei­lung. Im Zuge des­sen wer­den wir uns auch damit aus­ein­an­der­set­zen wel­che Struk­tu­ren und wel­che Fähig­kei­ten wir zukünf­tig benö­ti­gen. Wie also kön­nen wir ler­nen – bes­ser noch als bis­her – mit Ver­än­de­run­gen umzu­ge­hen? Wie schon Hera­klit 500 v. Chr. sag­te: „Nichts ist so bestän­dig wie der Wandel.“

 

Info­kas­ten: Mit­ma­chen – so läuft´s!

 

  1. Klick ins Netz: betei​li​gung​.arns​berg​.de
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(Quel­le: Stadt Arns­berg, Pressestelle)